Kunststraße nahm Fahrt auf

Peppi Spiss, der „Findende“, inszeniert seine Werke in „privaten Aktualisierungen“, die im Kunstraum live miterlebt werden können. RS-Foto: Bundschuh

„Selbstdarstellung & andere Inszenierungsstrategien“

Nach wie vor gilt: Auf den Spuren der Kunst, durch die Straßen der Stadt, allerdings unter neuer Leitung. Für Konzeption/Projektentwicklung und Umsetzung zeichnen heuer erstmals Florentine Prantl und Clemens Perktold verantwortlich, Träger des Projektes ist nach wie vor die Stadt Imst mit Kulturstadtrat Christoph Stillebacher und Andrea Schaller als Leiterin des Kulturbüros.

Von Friederike Bundschuh

Nach dem fulminanten Musikprogramm des Eröffnungsabends und der anschließenden, schon zur Tradition gewordenen, „Langen Nacht der Galerien“ nahm die Kunststraße als wohl das Kulturereignis der Bezirkshauptstadt zum 17. Mal Fahrt auf. Mit von der Partie sind diesmal über 60 Kunstschaffende in und an mehr als 20 Galerien, Kunsträumen und Schauplätzen. Am Wort – Florentine Prantl (auszugsweise): „Künstlerische Statements zum Status Quo der kreativen Selbstdarstellung und von anderen Inszenierungsstrategien erlauben bisher vielleicht unbeachtete Sichtweisen. Vorhandenes in einem neuen Kontext zu sehen, bringt neue Ideen. Geschichte der Region, Visionen, Anregungen, Aufregungen und Harmonisierendes wurde und wird be- und aufgearbeitet von regionalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern.“

Wohin auf der Kunststraße?

Mit dem bewährten Kunststraße Imst Folder und dem heuer erstmalig erschienenen Kunststraßenkatalog als „Kompass“ fällt es leicht, sich in der Imster Innenstadt zurechtzufinden. Wer alle Ausstellungen in einem Durchgang besuchen möchte, sollte sich allerdings auf eine doch beträchtliche Wegstrecke und einen angemessenen zeitlichen Rahmen einstellen. Folder und Katalog liegen in den Galerien auf, sind aber jedenfalls in der Kunststraßenzentrale „Kunstkonsum“ frei erhältlich. Ein sehr bunter Mix von Werken renommierter Künstler bis hin zu qualitativ hochwertigen Konsumprodukten aus der Region laden in der räumlich recht großzügig angelegten Zentrale zum Verweilen ein, ob die Vielfalt etwas „zusammengewürfelt“ erscheint, ist Geschmackssache. Überhaupt ist es in einem Zeitungsartikel nicht möglich, ein umfassendes Bild über das Schaffen sämtlicher Kreativer eines Events von Kunststraßenausmaß zu geben. Vollständigkeit ist demnach nicht möglich, die Verfasserin musste sich daher auf eine gewisse Auswahl an Schauplätzen beschränken, ohne sich dabei Wertungen anzumaßen.

Kunststraßenpreis.

Gewinner des erstmals ausgeschriebenen Kunststraßenpreises wurde Markus Thurner mit der Skulptur „Altwürde“, zu sehen am Sparkassenplatz. Die Galerie im ehemaligen „ubuntu Imst Mitte“ zeigt Werke von Egmont Maier, Atila-Atila, Helene Keller, Michael Ehat und Lorena Röck. Die Tschett Galerie bringt Annamarie Pechtl. Der Weg zur Galerie Danart belohnt mit Arbeiten von Daniela Pfeifer und Michael Tolloy. Das Haus der Fåsnåcht hat die Weltkulturerbe-Ausstellung im Programm. Guggi Kunstraum: Irene Guggi, Bernhard Moser. Tyrolia: Willi Pechtl mit Holz- und Linolschnitten. Dann die wenigen Schritte hinauf zur AK Imst: Anita BernhART, Doris Pöllman, Margit Schwarzer, Ursula Beiler. Gleich nebenan im kleinen Stadtsaal: Elizabeth Deveris, Estella Szikszai, „Selbst“, Verena Zangerle, Walter Haller, Helga Eiter. Zum Atelier von Imsts Grand Dame der Malerei Dietlinde Bonnlander in die Schustergasse ist es auch nicht weit. Das Museum im Ballhaus zeigt: Thomas Böhm, Sabine Auer, Gebi Schatz, Tonmöbel Martin Kafka, Andrea Koolen und Helga Eiter. Raiffeisensaal: Tanja Trenker, Peter Schwemberger, Valentin Auer. Ultimativ die Arbeiten von Chris Moser im Stadtcafe. Die Galerie Theodor v. Hörmann „gehört“ zurzeit Dora Czell. Kunstraum (ehem. Jaksch): Lisa Krabichler und Peppi Spiss.

Der Katalog.

Jedenfalls aus Sicht des Kunststraßenbesuchers präsentiert sich der Katalog als durchaus gelungener Leitfaden auf den Spuren der Kunst und ist erfreulicherweise kostenlos erhältlich. Kunststraßen „Neo-Chefin“ Florentine Prantl: „Die größte Neuheit und damit anerkennungs- und förderungswürdig ist der Kunststraßenkatalog, der heuer erstmals in der langen und nachhaltigen Geschichte des Kulturprojektes erstellt wird. Annemarie Doblander, Volkskundlerin und Autorin, Stefan Handle, Historiker und Autor, Florentine Prantl, GF Pro Vita Alpina, Sonja Steger, Kulturfrau und Publizistin und Jessie Pitt, Künstlerin, stehen für die Qualität des Kataloges.

Mehr als ein Rahmen.

War das Rahmenprogramm zur Kunststraße anfänglich eher als Begleitung gedacht, hat es sich schon längst „viel größere Schuhe angezogen“. Performance, ArtCouture Modenschau, mehrtägiger Fotoworkshop von Melitta Abber, Franz Unger-Workshop, Maskenworkshop mit Tanja Trenker, Chris Moser-Lesung, Wolfie Mayr CD-Präsentation, Schattentheater, Wortraum-Lesung und ein großes Angebot an hochwertiger Musik rücken den „Rahmen“ ganz schön ins Zentrum des Geschehens an den drei Kunststraßen-Wochenenden.

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.