Liaison mit Hindernissen

Sie gestalteten bei der Kulturzeit eine amüsante szenische Lesung: Sonja Kofelenz und Andreas Schretter präsentierten den Roman „Marie-Madeleine – Schwiegermutter süß-sauer“. RS-Foto: Gerrmann

Kulturzeit: eine heitere Lesung in der Reuttener Bücherei


Würde man eine Hitliste der beliebtesten Sujets der Populär-literatur aufstellen – die Schwiegermutter wäre wohl ganz oben mit dabei. Eine weitere Variante konnte man am Freitagabend in der Bücherei in Reutte erleben.

Im Rahmen der 28. Kulturzeit der Außerferner Kulturinitiative Huanza präsentierten Sonja Kofelenz und Andreas Schretter mit einer szenischen Lesung J.M. Waldeggers heiteren Erstlings-Roman „Marie-Madeleine – Schwiegermutter süß-sauer“.
Es ist die Chronik einer österreichisch-französischen  Liaison und ihrer zeitweiligen Irrungen und Wirrungen, geprägt von viel Situationskomik, die der Tiroler Autor mit leichter Feder und einem permanenten Augenzwinkern präsentiert.
Und diese heitere Atmosphäre setzten auch die beiden Reuttener Akteure des Abends glänzend um: Andreas Schretter als Pleitier und frischgebackener Ex-Ehemann Martin, für den Eloïse das rettende Ufer im tosenden Meer des Alltags ist und der zunächst etwas rumeiern muss, um seine wahren Verhältnisse etwas positiver zu präsentieren, als sie wirklich sind. Hauptsächlich der Mama seiner Angebeteten gegenüber.
Und da brillierte Sonja Kofelenz sogar in einer Doppelrolle: mal ist sie die total in ihren Neuen verschossene Frau, mal deren skeptische Mutter (und spätere Schwiegermama), der auch ein gewisser Hang Dominanz nicht abzusprechen ist. Und der Reuttener Büchereileiterin gelingt es grandios, von einer Sekunde auf die andere von der einen in die andere Haut zu schlüpfen. Die immer wieder von leisem Schmunzeln oder lautem Lachen des Publikums begleitete Lesung war mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt: sei es am Strand, beim Saunabesuch, der zum Familientreffen entartet oder bei der Baustelle für den Pool – die beiden Akteure des Abends hatten stets die passenden Kostüme und richtigen Accessoires bei sich und banden auch ihre Zuhörerschaft mit ins Geschehen ein.
Und so konnte Eduard-Florian Reisigl, ein Breitenwanger, der jetzt im Elsass lebt und selbst Autor ist („Blut der Pharaonen“), seinem Freund J.M. Waldegger nur Erfreuliches von diesem Abend berichten: Dessen Werk kam bestens an und es gab nicht nur viel Beifall, sondern (was für einen Autor noch wichtiger ist) es nahmen auch viele Besucher der Buchpräsentation ein Exemplar mit nach Hause.
So unterhaltsam die Geschichte ist, so einen ernsten Hintergrund hat sie auch: Reisigl und Waldegger (er stammt aus Natters) lernten sich bei einer Psoriasis-Kur kennen. Doch während der Außerferner, der sich als „literarischer Ziehvater“ seines Kollegen sieht, nur leichter betroffen ist und sich an die Öffentlichkeit traut, scheut der Roman-Debütant, der in Südfrankreich lebt, diesen Schritt. Vielleicht sollte man hinzufügen: noch. Denn dieser Abend hatte auch eine hoffnungsvolle Botschaft bereit: Auch wenn man unter einer Krankheit leidet, die einen derart einschränkt, braucht die Leichtigkeit und Heiterkeit des Herzens nicht verloren zu gehen. Und man kann sich auch wieder hinaus ins Leben wagen. Denn auch davon erzählt diese Geschichte, und sei es nur zwischen den Zeilen.
Sonja Kofelenz und Andreas Schretter ließen dies auf jeden Fall durch ihr Lesen und Spielen spüren, das weit mehr als nur ein Textvortrag war. Nämlich eine Rezitation mit viel Herzblut.

Von Jürgen Gerrmann