„Managemententscheidung war richtig“

Die Betonarbeiten für das neue Krafthaus sind bereits abgeschlossen – der Großteil des Komplexes befindet sich nach der Fertigstellung unterirdisch. RS-Foto: Zangerl

Bauarbeiten des Gemeinschaftskraftwerks Inn laufen auf Hochtouren

An der Grenze zwischen der Schweiz und Österreich entsteht seit Herbst 2014 mit dem Gemeinschaftskraftwerk Inn (GKI) das derzeit größte in Bau befindliche Ausleitungskraftwerk im Alpenraum. Ein im Frühjahr vollzogener Auftragnehmerwechsel führt zu einer Zeitverschiebung und Kostenerhöhung – die Gesamtinvestitionssumme von Tiwag, Engadiner Kraftwerke und Verbund beträgt nun 534,5 Mio. Euro – die Inbetriebsetzung ist für Anfang 2020 vorgesehen. Die Bauarbeiten auf der Kraftwerksbaustelle laufen auf Hochtouren.

Um zwei Jahre wurde die für 2018 angesetzte Inbetriebnahme des Gemeinschaftskraftwerks Inn verschoben. Der Grund: Der Bauvertrag zur Errichtung des Triebwasserweges mit der Hochtief Infrastructure GmbH wurde aufgelöst: „Im Herbst 2016 sind erstmals bauliche Schwierigkeiten aufgetreten, zu Weihnachten fiel die Entscheidung, den Auftragnehmer zu wechseln – dieser erfolgte dann mit 15. Februar“, informierte Tiwag-Vorstand Johann Herdina kürzlich im Rahmen einer Baustellenbesichtigung. Diese Managementscheidung definierte Herdina als „richtig“: „Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung der Baustelle.“ Konkret wurde vor wenigen Wochen bereits mit der Installation der Generatoren im neuen Krafthaus bei Prutz begonnen, die beiden Maschinen werden nach der Fertigstellung des Kraftwerks gemeinsam über 400 Gigawattstunden (GWh) Strom pro Jahr erzeugen. „Dies entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch von etwa 90.000 Haushalten“, so der GKI-Geschäftsführer Johann Herdina.

 

Wehranlage, Triebwasserstollen & Krafthaus.

Neben dem Krafthaus besteht das Gemeinschaftskraftwerk Inn noch aus den Elementen des Stauraums und der Wehranlage sowie dem Triebwasserstollen. Die Wehranlage entsteht im Grenzgebiet zwischen Martina und Nauders mit einem 15 Meter hohen Wehr zur Wasserfassung. Vom gestauten Wasser werden bis zu 75 m3/s in den 22,8 Kilometer langen Triebwasserstollen geleitet, der dann in den Druckschacht zu den Turbinen im Krafthaus führt. Durch zwei leistungsstarke Maschinensätze, bestehend aus je einer Francis-Turbine und einem Generator, wird dort umweltfreundlicher Strom erzeugt – das abgearbeitete Wasser fließt dann anschließend durch einen unterirdischen Kanal wieder zurück in den Inn.

 

August-Bohrungen knacken an 1000 Meter-Marke.

Nachdem die Betonarbeiten für das neue Krafthaus bereits abgeschlossen sind, laufen die Vortriebsarbeiten für den zukünftigen Triebwasserstollen auf Hochtouren: „Wir werden im August möglicherweise knapp (oder ganz knapp nicht) die 1.000 Meter-Marke erreichen“, informierte Herdina am 30. August über das Ergebnis der Bohrungen im Laufe des Monats August – an diesem Tag waren’s bereits 923 Meter. „Die beiden Tunnelbohrmaschinen legen derzeit bis zu 40 Meter täglich zurück“, führte Herdina weiters aus. Insgesamt sind bereits rund 5,7 Kilometer ausgebrochen: „Wir fahren mit beiden Maschinen gleichzeitig einen geregelten Vortrieb“, informieren die Projektleiter. Unterdessen werden im Bereich des Krafthauses die Innenbauarbeiten im Gegenvortrieb des Triebwasserstollens bis zum Umgehungsstollen fertiggestellt. Summa summarum zieht GKI-Geschäftsführer Herdina eine zufriedene Zwischenbilanz: „Insgesamt spürt man auf der Großbaustelle einen ordentlichen Zug. Die Mannschaften sind hoch motiviert und ziehen an einem Strang. Insofern sind wir auch zuversichtlich, Anfang 2020 mit unserem neuen Kraftwerk in Betrieb gehen zu können.“

GKI-Geschäftsführer und Tiwag-Vorstand Johann Herdina und Projektleiter Franz Gappmaier vor dem Krafthaus in Prutz. RS-Fotos: Zangerl
Die Francis-Turbine sorgt zusammen mit einem Generator für umweltfreundlichen Strom.

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