„Mitfahrbank´ln“ als Freundschaftsdienst

Mobilitätslandesrätin Ingrid Felipe gab in Reith gemeinsam mit Bürgermeister ­Dominik Hiltpold den Start für die „Mitfahrbank´ln“. Foto: Harthauser

„Die Mobilitäterinnen“ träumen von einem Tiroler Netzwerk – Mitfahrgelegenheiten in Reith und Oberperfuss

Die Gemeinden Oberperfuss und Reith sind auf dem besten Weg, Tiroler Vorreiter in Sachen Mobilität zu werden, denn dort haben die ersten orangefarbenen Mitfahrbänke in der Region „ihren Betrieb aufgenommen“. Unterstützt von der Kulturabteilung des Landes Tirol (2016 Siegerprojekt bei „Kunst im Öffentlichen Raum“) und der Universität für angewandte Kunst in Wien lassen die so genannten MobilitäterInnen gemeinsam mit den Gemeinden eine alte Tradition wieder aufleben. Denn früher war es eine Selbstverständlichkeit, Nachbarn oder Bekannte, die kein Auto hatten, in die Stadt, zum Einkaufen oder einfach nur mal so mitzunehmen. 

„Das Auto wird als ein Ort der Begegnung wieder entdeckt. Und wo Begegnung stattfinden darf, passiert Integration“, so die Initiatorin der Aktion, Carmen Brucic. In Deutschland ist das Modell mit den Mitfahrbänken schon ein gutes Stück voran gekommen, vor allem in ländlichen Gebieten und dort, wo es keine Bahn gibt und der öffentliche Verkehr nur hin und wieder vorbeikommt: „Wer auf dem Land wohnt und kein Auto hat, ist aufgeschmissen, wenn kein Bus fährt“, war in der „Zeit“ zu lesen. Inzwischen hat es sich aber in einigen Dörfern herumgesprochen: Wer auf einer (meistens orangen) Mitfahrbank sitzt, signalisiert, dass eine Mitfahrgelegenheit gesucht wird. Also kann jeder, der mit seinem Auto an einer orangen Mitfahrbank vorbeikommt und sieht, dass jemand auf dem Bankl wartet, stehenbleiben und diejenige oder denjenigen mitnehmen.

TOLLE IDEE. Und was in Deutschland geht, könnte ja auch in Österreich funktionieren, dachten Reiths Vize-Bgm. Friedl Berger sowie seine Bgm.-Kollegin Johanna Obojes-Rubatscher („eine super Idee“), als sie von der Idee erfuhren. Seither unterstützen sie die Initiative der Mobilitäterinnen in vollem Umfang. Mehr als 50 engagierte Freiwillige hat Brucic bisher um sich gesammelt, die ehrenamtlich mitwirken und das Projekt unterstützen, mit dabei auch Mobilitätslandesrätin Ingrid Felipe („ein gutes Projekt“) oder der „Herr Reindl“ vom ORF Tirol. Ursprünglich war in erster Linie daran gedacht, Flüchtlingen zu helfen, erstens mobiler zu werden und zweitens sich besser zu integrieren. Inzwischen wurde die Idee ausgeweitet auf ältere und junge Menschen und sozial schwache Mitbewohner, die nicht mobil sind. Der Traum von Brucic ist, in etwa zwei Jahren ein flächendeckendes Netzwerk aufzubauen, nach ersten Kontakten vielleicht  auch bald mit Seefeld und der Leutasch, mit orangefarbenen Bänken, (Regen-)Schirmen und Rucksäcken, die alle signalieren: Hallo, nimm mich bitte mit! Und auf der gemeinsamen Fahrt soll es dann zu einem (kulturellen) Austausch kommen, wünscht sich Brucic.

GROSSES INTERESSE. Das Interesse an den Mitfahrbank´ln ist jedenfalls groß. Sowohl bei der Segnung durch Pater Bernhard in Reith als auch bei einer ersten größeren Info-Präsentation in Oberperfuss kamen zahlreiche Interessierte und Neugierige, um zu sehen, was es mit den Bankerln auf sich hat. Um zu erfahren, ob und wie das alles funktioniert, haben die MobilitäterInnen auch eine Kontaktadresse geschaffen: Über mobilitaeterinnen.org kann man seine Erfahrungen oder Vorschläge weitergeben. Aber auch persönliche Kontakte sind erwünscht, z.B. in Reith über die Leiterin der Flüchtlingsbetreuung, Martina Lechner (Tel 0699 16340 241).

Von Gerd Harthauser

Feierstunde in Oberperfuss mit Bürgermeisterin Johanna Obojes-Rubatscher (r.) und Carmen Brucic.RS-Foto: Schnöll

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