Nachhaltige Hilfe

Dr. Ludwig Knabl (mit einem Medikamentenpaket): Durch die Pektinkur konnte die Cäsium137-Aktivität um durchschnittlich 45,6 Prozent gesenkt werden.          RS-Foto: Archiv

 

Der Verein „Tirol hilft den Kindern von Tschernobyl“ hat bisher 3730 Kinder zum Gesundungsurlaub eingeladen

 

Heuer hat die 26. Ferienaktion für Tschernobylkinder stattgefunden – seit 1992 hat der Verein „Tirol hilft den Kindern von Tschernobyl“ 3730 betroffene Kinder aus der verstrahlten Zone Weißrusslands zum Gesundungsurlaub eingeladen.

 

Von Daniel Haueis

 

Heuer waren von 5. Juni bis 11. Juli 64 Kinder und acht Betreuer aus dem Bezirk Rogatschow knapp einen Monat bei 19 Gasteltern in 13 Gemeinden in den Bezirken Landeck, Imst, Reutte, Innsbruck-Land und auch Dornbirn auf Erholung. In den letzten 26 Jahren waren 3730 Kinder zum Gesundungsurlaub in Tirol und Vorarlberg. Die Kosten allein für Transport mittels Mietbus, Versicherung der Kinder und Organisation der Ferienaktion (Visa, Dolmetscher) betrugen heuer 17.809 Euro. Während des Aufenthaltes wurden die Kinder vom Krankenhaus Zams sowie von Oberländer Ärzten (Zahnärzten, praktischen Ärzten und Fachärzten) teilweise kostenlos behandelt. Gesundheitsfördernd sind aber nicht nur der Aufenthalt im Oberland und der Genuss unverstrahlter Lebensmittel – der Verein bemüht sich in verschiedenen Projekten um nachhaltige Wirkung.

 

PROJEKTE. „Medikamentenpakete für Tschernobylkinder und deren Familien“ wird seit 25 Jahren durchgeführt. Heuer wurden den urlaubenden Kindern 72 Pakete mitgegeben – seit 1992 waren es 4105. Sie enthalten die wichtigsten Medikamente, die eine Familie im Laufe eines Jahres benötigt. Das Projekt „Vitamine für Säuglinge in der Zone“ wird seit 21 Jahren durchgeführt. Heuer wurden Vitamine für 26 Schwangere und 30 Säuglinge nach Weißrussland geschickt – seit 1996 waren es Vitamine für 1193 Schwangere und 1975 Säuglinge in 105 Dörfern. Unterstützung vom Verein um Obmann Dr. Ludwig Knabl erhalten auch Krankenhäuser und Ambulanzen in Weißrussland: „Im Jahr 2017 wurden das Krankenhaus im Dorf Kisteni und die Ambulanz im Dorf Sborov mit Verbandsmaterial und Medikamenten versorgt“, weiß der Internist aus Fließ. Diverse Hygieneartikel sind an das Sozialpädagogische Institut in der Stadt Rogat-schow gegangen. „Unterstützung der Schulen der Partnerdörfer“ ist ein weiteres Projekt: Sechs Schulen wurden für das kommende Schuljahr dank Unterstützung der Tiroler Wirtschaftskammer mit 350 kg Kakao versorgt – Kakao hat einen hohen Kaliumgehalt und vermindert dadurch die Aufnahme des radioaktiven Cäsium 137 über die Nahrung. In den Jahren 2004 bis 2017 wurden 6650 kg Kakao in die betroffene Region gebracht.

 

PEKTIN. Ein sehr wichtiges Projekt ist die Entgiftung mit Pektin: „Bei kurmässiger Einnahme dieses speziell zubereiteten Präparates kommt es zu einer Verkürzung der biologischen Halbwertszeit, d.h. beschleunigten Ausscheidung des Radionuklids Cäsium 137 und anderer Schwermetalle aus dem Körper“, weiß Knabl. Heuer konnte durch die Pektinkur die Cs137-Aktivität bei den in Westösterreich urlaubenden Kindern im Durchschnitt um 45,6 Prozent gesenkt werden. Die Kosten (inklusive zwei Messungen) belaufen sich auf knapp 21 Euro pro Person. Bisher (1999–2017) kamen 2271 Kinder in den Genuss der Pektinkur. Ein Pektinprojekt wird aber auch im Bezirk Rogatschow in Weißrussland durchgeführt: In Zusammenarbeit mit dem Strahleninstitut „Belrad“ in Minsk werden im Dorf Velikje Strelki 35 Schüler und zehn Lehrer für die Dauer von einem Schuljahr (ab September 2017) mit dem Präparat Vitapekt versorgt. Die drei Kuren pro Kind und Schuljahr kosten insgesamt 600 Euro.

Darüber hinaus leistet der Verein zahlreichen hilfsbedürftigen Familien in den Städten Minsk, Rogatschow und den Dörfern der verstrahlten Zone Weißrusslands finanzielle, materielle und medizinische Unterstützung.

Das Spendenkonto: Raiba Oberland, BLZ 36359, Kt.Nr. 1428754 „Tschernobylkinder“ , Verein „Tirol hilft den Kindern von Tschernobyl“, IBAN: AT04 3635 9000 01428754. Nähere Informationen über die Tätigkeit des Vereins gibt’s auf: www.tschernobylkinder-tirol.at.