NHT-Zukunftsbaustelle in Obsteig

Bei der Planerbesprechung für die NHT-Bauten in Obsteig steht der Modellcharakter ganz oben auf der Agenda. Fotos: NHT

Wegweisendes Holzbau-Projekt für sozialen Wohnbauträger

Derzeit baut die Neue Heimat (NHT) in Obsteig 24 Wohnungen in drei baugleichen Gebäuden. Alle Gebäude werden über eine gemeinsame Tiefgarage erschlossen. Das Beachtliche: Die Stiegenhäuser und Tiefgarage werden zwar in herkömmlicher Massivbauweise errichtet, doch die Gebäudehülle, Zwischenwände, Decken und Dächer der Anlage werden in Holz-Passiv-Bauweise gefertigt. Damit haben die drei NHT-Gebäude in Obsteig Vorbildwirkung für künfige Anlagen, wie NHT-GF Hannes Gschwentner im RS-Interview bekundet.

Von Thomas Parth

RUNDSCHAU: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Objekte in Holzbau zu realisieren?

Hannes Gschwentner: Derzeit werden zirka zehn Prozent des Bauvolumens der NHT in Holz- bzw. Hybridbauweise umgesetzt. Generell nimmt der Anteil an Holzbauten besonders bei Wohngebäuden deutlich zu. Der Holzbau hat in vielen Bereichen Europas, besonders auch in Tirol eine lange Tradition. Bei Einfamilienhäusern hat sich die Zahl der in Holz errichteten Objekte in den letzten 20 Jahren fast verdoppeln können. Auch im mehrgeschossigen Wohnbau kann sich das Baumaterial Holz aufgrund von neuen und verbesserten Technologien immer mehr durchsetzen. – Das will die NHT auch für ihre Objekte nutzen und wird daher versuchen, den Holzbauanteil in den nächsten Jahren weiter zu erhöhen.

Um das Bauvorhaben umzusetzen und dem Wohnbedarf in Obsteig gerecht werden zu können, hat die NHT von den Bundesforsten ein Baurecht erhalten. Daher war es naheliegend, das Projekt in Holzbauweise zu errichten. Durch die Umsetzung des Projektes in Holzbauweise und die Gestaltung der Gebäudehülle und der Fassade bettet sich der Wohnbau sehr gut in die umliegende naturbelassene Landschaft ein.

 

RS: Der Bau in Obsteig wurde als „Modellfall für Folgeprojekte“ angekündigt, wobei Sie bereits Erfahrungswerte aus Teilholzbauten gesammelt haben: Mit welchen (neuen) Herausforderungen rechnen Sie?

Gschwentner: Im Holzbau kann nicht auf die gleichen Erfahrungswerte zurückgegriffen werden wie bei herkömmlichen Bauweisen. Trotzdem gibt es mittlerweile viele Detaillösungen, wodurch auch der Holzbau den bauphysikalischen Anforderungen gerecht werden kann.

Für die NHT und das Planerteam liegt aktuell die Herausforderung darin, den Holzbau so zu konzipieren, dass dieser kostenneutral zum Massivbau wird.

Wir wollen mit der Planung der Wohnanlage in Obsteig Aufbauten erarbeiten, die als Standard für künftige Wohnbauten der NHT herangezogen werden können.

Eine weitere Herausforderung liegt darin, den Standard so zu definieren, dass er von möglichst vielen Holzbaubetrieben angeboten und umgesetzt werden kann und wir somit besseren Wettbewerb schaffen können. Im Moment ist es so, dass die meisten Holzbaubetriebe ein „eigenes“ System anbieten. Das erschwert die Ausschreibung und die Preisgestaltung.

 

RS: Wer begleitet Sie bei der Umsetzung (wissenschaftlich bzw. fachlich)?

Gschwentner: Fachplaner mit Holzbauerfahrung, wie bereits erwähnt. Zu unserer Planung holen wir auch die Fachmeinung von Holzbauunternehmen ein, wobei sich die NHT nicht nur auf eine Firma und ihre Erfahrungswerte verlässt, sondern sich von unterschiedlichen Unternehmen Meinungen einholt.

 

RS: Wie steht es generell um die Öko-Bilanz bei NHT-Bauten, wie in diesem Falle?

Gschwentner: Als einer der größten Bauträger in Österreich ist es natürlich unsere Pflicht auf die Ökologie unserer Gebäude zu achten, einen großen Schritt in diese Richtung haben wir mit unserer Entscheidung getätigt, ausschließlich in PH-Bauweise zu bauen. In Europa werden 40 Prozent der Energie über den Gebäudesektor verbraucht. Durch den Passivhausstandard weisen die Gebäude nunmehr einen sehr kleinen Heizwärmebedarf auf, wodurch sehr viel Energie eingespart wird.

Der nächste Schritt in die ökologische Richtung ist es nun, vermehrt auf Naturbaustoffe zu setzen, weshalb wir den Anteil des Holzbaus steigern wollen. Auch im Bereich der Sanierung werden wir in naher Zukunft ein ökologisches System, basierend auf der Holzleichtbauweise, welches von der Universität Innsbruck entwickelt wurde, einsetzen. Auch hier werden hochgedämmte Fassadenelemente vorgefertigt, um vor Ort rasch montiert werden zu können.

 

RS: Was veranlasst Sie, sich stärker im ökologisch orientierten, nachhaltigen Bau zu engagieren?

Gschwentner: Der Einsatz von ökologischen Materialien ist ressourcenschonend, wirkt sich positiv auf das Raumklima aus und auch in der Wiederverwertung weisen natürliche Materialien eine sehr positive Öko-Bilanz auf.

 

RS: Wie sind Sie mit Ihren Ideen in Obsteig aufgenommen worden?

Gschwentner: Das Projekt wurde im Sommer 2015 in der Gemeinde Obsteig vorgestellt. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass das Projekt in Holzbauweise umgesetzt werden soll. Die Architektur und die Konstruktionsweise wurden von den Interessenten sehr positiv aufgenommen. Hier war, gleich wie in der privaten Bauwirtschaft, die hohe Akzeptanz für den Baustoff Holz zu erkennen. Die Ausschreibung für dieses Projekt erfolgt Ende April. Ende Mai wird feststehen, welche Firmen das Projekt realisieren werden.

 

RS: Welches Feedback z.B. im Vertrieb der Wohnungen bekommen Sie bzw. wollen Sie erzielen?

Gschwentner: Viele unserer Mieter sind in Wohnungen untergebracht, die einen sehr niedrigen Heizwärmebedarf aufweisen: Niedrigenergiehäuser, Passivhäuser, sanierte Wohnbauten. Auch wenn viele dem Passivhaus skeptisch gegenüber stehen, können in unseren Wohnanlagen die Vorteile dieser Bauweise deutlich gemacht werden. Durch die Ausstattung der Wohnungen mit einer Komfortlüftung ist ein gutes Raumklima gesichert. Zusätzlich fallen die Heizkosten sehr gering aus.

Durch den Einsatz von Holzbaustoffen können wir den Mietern zusätzlich ein angenehmes und ökologisches Wohnklima schaffen, welches auch bei den „privaten Häuselbauern“ sehr geschätzt ist.

 

RS: Wie sieht die Fördersituation für die MieterInnen bzw. für Sie als Bauträger aus?

Gschwentner: So wie alle anderen Projekte wird auch das Projekt in Obsteig mit Mitteln der Tiroler Wohnbauförderung umgesetzt (Verringerung der Miete um ca. 40 Prozent). Der Holzbau als solches wird von der Tiroler Wohnbauförderung nicht zusätzlich gefördert. Entsprechende Zuschüsse können über Zertifizierungen für die ökologische Bauweise lukriert werden.

NHT-GF Hannes Gschwentner setzt mit dem Projekt in Obsteig auf eine weitere Ökologisierung künftiger Bauten.