„Oberland unterversorgt“

NR Selma Yildirim: „Super“ wäre ein Frauenhaus für die Bezirke Landeck, Imst und Reutte. RS-Foto: Archiv

NR Selma Yildirim will mehr Frauenhausplätze

 

Mehr Frauenhausplätze im Oberland, möglichst sogar ein eigenes Frauenhaus für die Bezirke Landeck, Imst und Reutte wünscht sich NR Selma Yildirim.

 

Von Daniel Haueis

 

Im Jahr 2016 wurden 6206 von Gewalt betroffene Frauen in den vom Land Tirol unterstützten Einrichtungen beraten, im Tiroler Frauenhaus, von der Initiative Frauen helfen Frauen, dem Verein Dowas für Frauen, dem Verein Evita und dem Osttiroler Frauenzentrum. Aktuell stehen in den Frauenhäusern und Wohngemeinschaften sowie Notwohnungen 76 Plätze zur Verfügung, 32 für Frauen und 44 für Kinder. Im Rahmen des Betreuten Wohnens im Frauenbereich gibt es weitere 69 Plätze. Das bestehende Tiroler Frauenhaus ist aber weder räumlich noch baulich zeitgemäß – es wird daher aufgelassen und an einem anderen Ort neu errichtet. „Mit dem Neubau werden weitere 14 Plätze für schutzsuchende Frauen und deren Kinder in Tirol geschaffen“, berichtet LR Christine Baur. Erleichtert angesichts des Neubaus ist SP-Landesfrauenvorsitzende NR Selma Yildirim, aber: „Das Angebot in Tirol reicht bei Weitem nicht.“ Der Europarat empfehle einen Frauenhausplatz pro 10000 Einwohnern. Das wären in Tirol rund 75 Plätze. Aktuell fehlten in Tirol demnach an die 40 Plätze in Einrichtungen, die den Schutzkriterien entsprechen. Der Neubau des Frauenhauses könne voraussichtlich Anfang des Jahres 2019 bezogen werden. „Dann gibt es immer noch knapp 25 Plätze zu wenig. Tirol bleibt also Notstandsgebiet“, so Yildirim. Die SPÖ hat daher im Landtag einen Antrag für einen flächendeckenden Gewaltschutzplan eingebracht. Dieser sei allerdings auf Ende des Jahres 2018 verschoben worden.

 

MEHR FÜRS OBERLAND. „Neben zwei Frauenhäusern gibt es in Tirol Notwohnungen in Kuf-stein und Lienz“, sagt Yildirim – die Notfallwohnung in Landeck zählt also nicht zu den offiziellen Notwohnungen. „Es ist super, dass Bgm. Bertl Stenico damals die Notwendigkeit gesehen hat. Und es ist wichtig“, sagt Yildirim, aber es sei eben eine vorläufige Lösung gewesen: „Das Tiroler Oberland ist gänzlich unversorgt. Das führt dazu, dass viele Frauen nicht aufgenommen werden können und auf Wartelisten für einen Frauenhausplatz stehen. Das ist untragbar“, kritisiert Yildirim. Im Oberland müssten einfach mehr Frauenhausplätze zur Verfügung stehen, „super“, so Yildirim, wäre ein eigenes Frauenhaus in Westtirol. Auch VP-Frauen-Chefn Elisabeth Pfurtscheller meint: „Wir haben festgestellt, dass gerade beim Ausbau von Hilfseinrichtungen bzw. Frauenhäusern – besonders in den periphären Bezirken Tirols – durchaus Aufholbedarf besteht.“ 2017 tourten die VP-Frauen mit ihrer Veranstaltungsreihe „respekt.für.frauen.“ durch die Bezirke, um aufzuzeigen, dass Gewalt gegen Frauen nicht nur in fernen Ländern passiert, sondern in der Nachbarschaft oder in den eigenen Familien. Die VP-Frauen werden die Verbesserung der Situation und die dazu notwendigen finanziellen Mittel weiterhin einfordern, so Pfurtscheller zur Situation in Tirol.