Objekt der Begierde

Objekt der Begierde: Wer blind ist, braucht keine Bilder? RS-Foto: Buchner

Premiere „Die Nadel der Kleopatra“ in der Bühne Imst Mitte

Das Theaterforum Humiste bringt mit seiner aktuellen Produktion „Die Nadel der Kleopatra“ eine Komödie mit Tiefgang: Gaunerkomödie trifft Liebesgeschichte.

Von Lia Buchner

Szenen aus dem schauspielerischen Prekariat: Sophie, eben mit der Schauspielschule fertig, quält sich durch die Vorsprech-Maschinerie der Theaterwelt. Eine Absage nach der anderen nagen an ihrem Selbstvertrauen und am Budget. Mietrückstand, Telefon abgedreht, seit Tagen nichts zu essen mehr im Haus. Wenig hilfreich ist ihr Taugenichts-Freund Marc, der außer flotten Sprüchen und endlosen Ausreden wenig zur Beendigung der Misere beiträgt. Die branchentypischen Not-Jobs lehnt sie ab: „Ich bin keine Vorlese-Tante. Ich will die Julia spielen!“

Am Ende der Naivität geht sie doch als Vorlese-Tante zu der wohlhabenden, blinden Witwe Charlotte Bergmann, um dieser das kürzlich wieder aufgetauchte Tagebuch ihrer verlorenen Jugendliebe vorzulesen. Diese tragische Liebesgeschichte beschäftigt die alte Dame bis heute und auch Sophie kann sich diesem längst vergangenen Drama nicht ganz entziehen. Unglücklicherweise hängt ein Original-Monet bei der Witwe und als der Taugenichts und sein kleinkrimineller Kumpel Jeff von diesem Bild Wind kriegen, ist für beide klar: Das ist die Chance unseres Lebens.

Große Gefühle.

Diese Mischung aus Gaunerkomödie und Liebesgeschichte hat Regisseur Christian Reiter von Anfang an fasziniert: „Ich wollte auch das Aufeinanderprallen dieser beiden Lebenswelten zeigen – hier chaotisches WG-Feeling mit hochfliegenden Plänen, dort wohlhabendes Bürgertum und nichts als Bedauern über die Vergangenheit.“ Dafür nimmt Reiter sechs Umbauten in Kauf.

Große Theaterleidenschaft.

Das ausgesprochen junge Ensemble des Theaterforum Humiste zeigt in dieser – für ein reines Laienensemble sehr ambitionierten – Produktion eine durchaus solide Leistung. Matthias Wilhelm legt seinen Jeff etwas klischeehaft an, Roswitha Matt spielt die rückwärtsgewandte Witwe beklemmend farblos. Max Heiss gibt seinem oberflächlichen Marc mit treuherzigem Blick viel Charme und Publikumsliebling Nora Winkler entwickelt ihre Figur der Sophie vom grenzenlos naiven Dummchen zu einer mitfühlend entschlossenen jungen Frau.

Das ganze Ensemble treibt eine große Theaterleidenschaft, die spürbar auf das Publikum überspringt. Die Zuschauer bedanken sich beim ganzen Humiste-Team mit Standing Ovations. „Die Nadel der Kleopatra“ ist noch bis Ostern auf der Bühne Imst Mitte zu sehen.

Mietrückstand, Kühlschrank leer: Max Heiss und Nora Winkler. RS-Fotos: Buchner
Taugenichts und Kleinkrimineller hecken den Plan ihres Lebens aus.

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