Ötztaler Qualitätswein

Markus Strigl mit seinen beiden Sorten, die als qualitätsgeprüft gelten. Der Weingarten befindet sich direkt hinter dem Wohnhaus, gilt doch der Müller-Thurgau als anspruchsvolle und pflegeintensive Rebe. RS-Foto: Parth

Markus Strigl hat es geschafft: Er produziert den ersten Qualitätswein im Ötztal

Sautens, das Dorf der unbegrenzten Möglichkeiten? Kein Scherz und keine Häme, bitte, denn im Anbau von Reben sowie im Keltern und Ausbau von Wein trifft dies offenkundig zu. Die strenge staatliche Qualitätsprüfung erteilte dem Zweigelt sowie dem Müller-Thurgau aus dem Hause Strigl ihren Segen für die Vermarktung – und das weit rascher als gedacht!

Von Thomas Parth

„Dass alles so schnell gegangen ist, hat mich selber überrascht“, gibt Markus Strigl, der erste und bislang einzige Winzer des Ötztals gern zu: „Die Hilfe durch den Tiroler Weinbauverband unter Peter Zoller hat einiges dazu beigetragen, schließlich bekommen wir Tiroler den Weinbau nicht, wie die Steirer oder Burgenländer, in die Wiege gelegt.“ Seit 2011 hat Strigl damit begonnen, in Sautens Weinreben zu pflanzen. „Nach dem Setzen dauert es weitere drei Jahre bis zur ersten Ernte“, weiß Strigl zu berichten: „Der 2014er war noch wenig ertragreich und zum Eigenverbrauch gedacht. Bekanntlich steigt der Gehalt des Weines mit zunehmendem Alter des Rebstockes an. Je tiefer die Wurzeln ins Erdreich reichen, desto mehr Mineralstoffe und damit mehr Charakter finden sich im Wein wieder. Durch Ertragsreduzierung oder die Laubarbeit werden die Trauben gezielt umsorgt. Man belässt z.B. mehr Blätter an der Seite, die der Nachmittags- und Abendsonne zugewandt ist und nimmt mehr Blätter auf der weniger intensiven Morgensonnen-Seite weg.“ Der Weinbauer hat sich sein Fachwissen durch die Lektüre etlicher Bücher, aber auch durch Schulungen und Weinbaukurse angeeignet. „Bei engbeerigen Trauben schneidet man das untere Drittel ab. Die Traube wächst weiter, bekommt aber mehr Luft. Man beugt so Fäulnis und Pilzgefahren vor“, weiß Strigl. Den 2015er-Jahrgang des Zweigelt hat der Sautner über 16 Monate im Stahltank und Holzfass ausgebaut und zusammen mit dem 2016er Müller-Thurgau bei der Prüfkommission eingereicht.

Handarbeit.

„Für beide Weine habe ich heuer im Frühjahr die Prüfnummer erhalten“, freut sich Markus Strigl sichtlich über diesen Erfolg. Jetzt darf er den Wein aus dem Ötztal mit der Rot-Weiß-Roten Banderole versehen. „Dem Tourismus habe ich angeboten, den Wein mit dem Ötztal-Logo zu versehen. Das war allerdings zu kompliziert“, konstatiert Strigl. Sein Qualitätsprodukt hat jedenfalls sowohl den Labor- als auch den sensorischen Test einwandfrei bestanden. „Drei Prüfer testen, ob der Wein Fehler hat oder ob sich Rückstände darin befinden. Und am Ende bekommt man die Prüfnummer für eine Sorte und für eine Saison, was das Ganze zu einer jährlichen Prozedur macht, will man sich qualitativ behaupten“, ist dem Sautner völlig klar. Heuer rechnet er mit einem heftigen Ertragseinbruch wegen der langen Frostperiode im Frühjahr. Dennoch lässt Strigl nicht locker: „Am Ende hätte ich gerne vier bis fünf Weine im Repertoir. Momentan gedeihen bei uns Chardonnay, Müller-Thurgau und Zweigelt recht gut. Ein Rosé und ein Cuvée stehen noch auf meinem Wunschprogramm“, hat Strigl gut lachen. Die Flaschen werden händisch verkorkt, die Etiketten von Hand geklebt und ebenso ehrlich ist auch der Traubensaft: „Der Müller-Thurgau ist ein junger, frischer und sommerlicher Wein, der sich gut zu Fischgerichten oder als klassischer Aperitifwein eignet. Der Zweigelt ist mir offenbar gut gelungen, wie mir befreundete Weinkenner bestätigt haben. Er ist gehaltvoll und braucht sich sicher nicht vor der Konkurrenz verstecken – schon erstaunlich, was in Sautens alles möglich ist!“