Pflegeenquete

Bundesratspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann und Tirols Pflegelandesrat Bernhard Tilg setzten sich bei der Pflege-Enquete für schaffbare, sichtbare und leistbare Pflege ein. Auch auf die Nöte und Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen soll mehr eingegangen werden. Foto: Topf/ Parlamentsdirektion

Pflege soll schaffbar, sichtbar und leistbar sein

(sas) Unter Vorsitz – und auch auf Initiative der Tirolerin  Sonja Ledl-Rossmann – fand am Mittwoch, dem 5. April, in Wien die parlamentarische Enquete „Die Zukunft der Pflege: schaffbar, sichtbar, leistbar“ statt. Neben Sozialminis-ter Stöger, Finanzminister Schelling und Gesundheitsministerin Rendi-Wagner hielt Tirols Pflegelandesrat Bernhard Tilg als Vertreter der Bundesländer ein politisches Impulsreferat.

Sonja Ledl-Rossmann liegt das Thema persönlich sehr am Herzen, daher hat sie es zum Motto ihrer Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2017 erkoren.

Stellungnahmen. „Obwohl das Thema Pflege so viele Menschen betrifft, werden die Bedürfnisse und Nöte der Betroffenen und ihrer Angehörigen, die ein Schattendasein in unserer Gesellschaft führen, sehr oft nicht ausreichend gewürdigt“, stellte Bundesratspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann fest.
Für Finanzminister Hans Jörg Schelling stand die langfristige Absicherung des Pflegesystems, das sich rechtzeitig auf den demographischen Wandel einstellen muss, im Vordergrund der Diskussion.
Gesundheitsministerin Pamela merkte an, dass Teamwork und Interdisziplinarität eine ganz wichtige Säule  im Pflegebereich darstellen. „Damit die Menschen nicht nur an Jahren älter werden, sondern dabei auch möglichst lange gesund bleiben, sollen vor allem Prävention und Gesundheitsförderung gezielt ausgebaut werden“, so die Worte der Ministerin.
LR Tilg begrüßte die Weiterführung des von Bund, Ländern und Gemeinden gemeinsam finanzierten Pflegefonds. „Die neuen Vorgaben für die Länder, möglichst einheitliche und nachvollziehbare Regeln für die Kostentragung im Bereich der Pflege einzuführen, sind wichtig und richtig“, führt der Landesrat zum Thema aus. In Zukunft werde auch die Primärversorung eine bedeutende Rolle spielen, der ambulante Sektor gestärkt und mobile Leistungen oder die 24-Stunden-Pflege müssen weiter ausgebaut werden.

Integriert und vernetzt. Die Zukunft der Pflege liegt in der integrierten Versorgung, das heißt in der Vernetzung der Gesundheits- und Pflegeangebote. Wie das funktioniert, stellt Tirol bereits mit der demnächst landesweiten Palliativ- und Hospizversorgung unter Beweis. Die schrittweise Etablierung von Primärversorgungseinheiten ist ein Muss, um die stationäre Gesundheits- und Pflegeversorgung wirksam zu entlasten.
Rolle der Sozialversicherungen stärken. LR Tilg sprach sich für die Stärkung der Rolle der Sozialversicherungen als Finanziers aus. „Sowohl die stationäre Pflege in den Heimen als auch die ambulante Pflege zu Hause erfordern immer mehr medizinische Pflegeleistungen.
Künftig sollten alle diese Leistungen durch die Sozialversicherungsträger finanziert werden. Um dafür einen möglichst barrierefreien Zugang zu schaffen, ist von Einzelverordnungen abzusehen. Vorstellbar wäre etwa, dass häufig anfallende medizinische Pflegeleistungen von den Sozialversicherungen mit den – an die jeweilige Pflegestufe gekoppelten – Pauschalbeträgen  ersetzt werden“, so die klare Botschaft Tilgs.

Unterstützung durch den Bund. Schließlich forderte LR Tilg namens der Bundesländer zusätzliche finanzielle Unterstützung des Bundes und der Sozialversicherungsträger für den Ausbau der mobilen Dienste, der Tagesbetreuung, der 24-Stunden-Betreuung sowie für den vermehrten Einsatz neuer Technologien zur Unterstützung der mobilen Pflege ein.