Pflegezentrum Gurgltal am Wort

Für Freude im Alltag und gute Lebensqualität werden im Pflegezentrum Gurgltal auch einige Hundehaare am Boden in Kauf genommen. Pflegedienstleiter Thurner: „Man muss da einfach Prioritäten in Richtung Wohlbefinden unserer BewohnerInnen setzen.“

Hausleiterin Andrea Jäger zu Pauschalierung, Kontrolle, Verbesserungen

Ursprünglich ging es um das Thema „Therapiehunde und Tiere im Heim“, wir werden berichten. Aus aktuellem Anlass, nämlich der Tatsache, dass seitens der Volksanwaltschaft auch in Tiroler Senioreneinrichtungen Missstände festgestellt wurden (nicht so in Imst!), wendete sich die Leiterin des Hauses, Mag. Andrea Jäger, an die RUNDSCHAU. Eingangs sei klargestellt, dass sich Beanstandungen der Volksanwaltschaft nicht gegen die Einrichtung „Pflegezentrum Gurgltal“ richten, Jäger und Pflegedienstleiter Harald Thurner nehmen generell Stellung zu diesem Thema und wollen sich vor allem vor die vielen MitarbeiterInnen in den Heimen stellen, die mit großem Einsatz ihre Arbeit machen.

Von Peter Bundschuh

Die Tiroler Landesregierung reagierte auf den Prüfbericht der Volksanwaltschaft, der auch Missstände in Tiroler Senioreneinrichtungen aufzeigt, aktuell mit einem Maßnahmenplan für Pflege. Der Katalog, der grundsätzlich zu begrüßen ist, umfasst die drei Hauptpunkte Neuorganisation der Aufsicht, eine Reform der Gehälter in Alten- und Pflegeheimen und Analyse der Missstände in einzelnen Tiroler Einrichtungen durch eine ExpertInnenkommission, die bis Ende Mai ihre Ergebnisse vorlegen soll. Der zuständige Landesrat Tilg und der Sprecher der Arge Tiroler Altenheime, Robert Kaufmann, gegenüber Medien: Dem teilweise alarmierenden Bericht der Volksanwaltschaft messe man große Bedeutung zu, die Causa sei sehr ernst zu nehmen und Handlungsbedarf sei zweifelsohne gegeben, daher werde der vorliegende Maßnahmenkatalog vorgelegt. Die grundsätzlich gute Arbeit in Tiroler Pflegeeinrichtungen dürfe aber nicht in Frage gestellt werden. Vergleicht man nun die „Kritikpunkte“ einschließlich „Wunschkatalog“ des Imster Gemeindeverbands-Wohn- und Pflegeheimes mit den Vorhaben des Landes, kann man einiges an Übereinstimmung feststellen, das durchaus zu Optimismus im Bereich Seniorenbetreuung Anlass gibt.

Vorsicht vor Pauschalierung.

Die Ansicht, dass nur schlechte Nachrichten gute sind, bestimmt nach wie vor Teile der Medienlandschaft, ist halt eben so. Pauschalisierenden Grobdarstellungen von zweifelsohne in bestimmten Fällen gravierenden Missständen ist aber entschieden entgegenzutreten. Mag. Andrea Jäger: „Es muss klar differenziert werden, wir haben sehr viele engagierte und hoch motivierte MitarbeiterInnen im Bereich der Betreuung und Pflege, die sich aktuell vermehrt pauschaler und gänzlich ungerechtfertigter Kritik ausgesetzt sehen. Vorwürfe nach dem ,Gießkannenprinzip‘ anzubringen, verschlechtert das Image der Pflegeberufe und macht es zukünftig noch schwieriger, geeignetes Personal zu finden.“

Kontrollwut?

Grundsätzlich ist Kontrolle notwendig und erwünscht. Besonders in sensiblen Gebieten, bei denen es um pflegebedürftige und vielfach eingeschränkte Menschen geht. Pflegedienstleiter Harald Thurner spricht aber vom grassieren einer „Kontrollwut“, so wäre im Gurgltalzentrum in den vergangenen Jahren gleich neunmal kontrolliert worden. Reine Kontrollmaßnahmen kann Thurner nicht als adäquates Mittel zur Qualitätssteigerung ansehen, Ergebnisse seien auch teilweise widersprüchlich und in Gesamtheit nicht durchgehend nachvollziehbar. Das Vorhaben des Landes geht hingegen in Richtung kürzerer Intervalle für die Heimeinschauen, allerdings vereinfacht durch zentrale Beauftragung des Amtes der Landesregierung.

Handlungsbedarf.

Im Rahmen der Strukturmaßnahmen sollten einheitliche Leistungsvorgaben für alle einschlägigen Institutionen im Bereich des Lebensalltages und der Pflege in Wohnheimen geschaffen werden. Am Wesentlichsten wäre, dass für die Betreuung im psychosozialen Umfeld mehr Zeit zur Verfügung stünde. Oder anders gesagt: Zeit für den einzelnen Menschen haben, ohne dabei rein pflegerisch tätig zu sein. „Einfach einmal da sein und zuhören“, wie Andrea Jäger erklärt. Dazu seien attraktivere Arbeitsbedingungen für die MitarbeiterInnen in Pflegeeinrichtungen zu schaffen und die zersplitterten Kontrollen der Senioreneinrichtungen neu zu organisieren.

Couragierte Leitungsebene.

Es geht über den rein pflegerischen Bereich und die Versorgungstätigkeit hinaus, um die Lebensqualität unserer BewohnerInnen. Jäger und Thurner auf Nachfrage der RUNDSCHAU: „Ja, die Frage nach Haustieren im Heim trifft das Thema sehr gut. Dass alte Menschen zum allergrößten Teil Freude am Kontakt mit Tieren haben, ist bekannt. Wir haben MitarbeiterInnen, die ihren Hund zum Dienst mitbringen und das freut die Menschen im Haus sehr. Katze Minki lebt mit Frau Luise in ihrem Zimmer und ist, wie sie meint, ihr ,Ein und Alles‘. Natürlich haben Einrichtungen wie die unsere einen hohen Hygienestandard einzuhalten, aber ein paar Tierhaare am Boden nehmen wir für ein gutes Lebensgefühl im Haus einfach in Kauf. Arbeit mit Menschen erfordert auch in manchen Bereichen die Bereitschaft kalkulierbare Risiken samt etwas Mehraufwand anzunehmen.“

Faktum ist.

Von 28 kontrollierten Einrichtungen gab es bei nur einer unter Aufsicht stehenden Einrichtung einschneidende Probleme, die auf die Personalstruktur zurückzuführen waren. Personelle Konsequenzen wurden seitens des Trägers gezogen. Die zweite Beanstandung richtete sich gegen eine private Unterbringungseinrichtung, die nie Heimstatus hatte. Der mancherorts als Skandal bezeichnete Zustandsbericht der Volksanwaltschaft kann sich letztlich zu einem ganz wesentlichen Impuls zur Veränderung von Rahmenbedingungen in Seniorenheimen wenden. Hier sind Dinge in Bewegung gekommen und das ist gut so!

Leiterin Mag. Andrea Jäger: „Ein großes Anliegen wäre uns, mehr Zeit für den psychosozialen Bereich zu haben oder anders gesagt einfach auch einmal für den Menschen da sein zu können, ohne unmittelbar pflegerische Handlungen zu setzen. Das ist aber eine Frage des Personalaufwandes und somit des Budgets.“ RS-Fotos: Bundschuh

 

„Stubentigerin“ Minki lebt mit Frau Luise in ihrem Wohnheim-Zimmer und ist, wie die alte Dame meint, ihr „Ein und Alles“.

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.