„Pop darf ruhig die Überschrift sein“

Beehren am 22. März den Imster Stadtsaal: Gabriel Fröhlich (Cajon, Schlagzeug, Gesang), Paul Slaviczek (Gitarre, Gesang) und Florian Ritt (Steirische Harmonika, Gesang) von der oberösterreichischen Band „folkshilfe“. Foto: Grünwald

Florian Ritt von „folkshilfe“ im Exklusiv-Gespräch mit der RUNDSCHAU – Konzert am 22. März im Imster Stadtsaal

Was vor wenigen Jahren als kleiner Urlaub samt Instrumenten begann, füllt heute mühelos die Festivalwiesen und lädt über Radio-Ultrakurzwellen zum Mitsummen ein – hingelegt haben diesen musikalischen Senkrechtstart die drei Oberösterreicher Paul Slaviczek, Gabriel Fröhlich und Florian Ritt von „folkshilfe“. Am 22. März gastiert das Trio im Imster Stadtsaal. Zuvor telefonierte Ritt als Harmonika-Drittel der „folkshilfe“ mit der RUNDSCHAU und plauderte über den Unterschied zwischen Straßenmusik und großen Festivalbühnen, persönliche Musikvorlieben und wie es seiner kleinen „Quetschn“ aus Kindheitstagen gelingt, dem „folkshilfe“-Sound ihren Stempel aufzudrücken.

Von Manuel Matt

Die erste Begegnung – ein schüchterner Blickkontakt, ein zaghaftes Kennenlernen und beide Parteien ziehen wieder ihrer Wege. Ein Wiedersehen ist noch ungewiss, steht in den Sternen. Was bleibt, ist das geweckte Interesse an dem, was womöglich unter der sympathischen Oberfläche schlummern könnte – oder auch nur schwitzige Hände…

„Hat sich einfach so entwickelt.“

Stetig anziehende Anziehungskraft spielt’s aber freilich nicht nur beim menschlichen Balzverhalten, sondern auch beim musikalischen Anbandeln mit der „folkshilfe“. Zunächst verführt durch eingängige Melodien, offenbart sich dem Hörer alsbald das vielschichtige Wesen des Trios aus der oberösterreichischen Landeshauptstadt: Knackige Gitarren-Riffs treffen auf raffinierte Perkussion, während eine Steirische Harmonika samt sphärischen Synth-Klängen selbstbewusst dazwischenfunkt. Die gesungenen Zeilen schleichen sich dank unaufdringlichem Humor, Tiefgründigkeit und oberösterreichischem Dialekt ins Gehör, das nach anfänglicher Überraschung die Harmonie der drei Stimmen in bester „Bee Gees“-Manier zu schätzen lernt. Wie es zu diesem gelungenen Balance-Akt zwischen den Genre-Stühlen kam? „Das hat sich einfach so entwickelt“, meint Florian Ritt im RUNDSCHAU-Gespräch mit hörbarem Schmunzeln am anderen Ende der Telefonleitung.

Nichts zu verbergen.

Gemeinsam musikalisch unterwegs ist das Trio schon seit mehreren Jahren, eigentlich seit der gemeinsamen Schulzeit am Oberstufengymnasium Linz. Anstatt die Takte im Proberaum verstreichen zu lassen, zog es Paul, Gabriel und Florian aber nach draußen, auf die Straße. Das Konzertieren im öffentliche Raum bleibt auch nach zwei veröffentlichten Alben weiterhin eine Leidenschaft, auch wenn zwischen Studioaufnahmen und dem Musikerleben auf Tour nur wenig Zeit bleibt. „Es ist aber immer wieder eine Herausforderung. Keine Bühne, kein Platz zum Verstecken – auf der Straße lassen sich die Menschen nur mit Musik einfangen“, erklärt Ritt. Aus diesen Anfängen – und einem gemeinsamen Faible für frühe Folkmusik – ergab sich dann auch eines Tages der Name „folkshilfe“, verrät Ritt und verweist mit unsichtbarem Augenzwinkern auf die Doppeldeutigkeit des Wortes, das sich auch mit „Leute“ oder eben „Volk“ übersetzen ließe: „Wir helfen dem ,folk‘!“

Einflüsse.

Die eigentliche Geburtsstunde der „folkshilfe“ schlug dann wenig später, während eines Urlaubs an sonnigen Gestaden. Diese gemeinsame Auszeit wurde dank mitgebrachter Instrumente zum „Tourlaub“ und zum Grundstein für die erste EP unter demselben Namen. Bei den selbstgeschriebenen Songs herrscht seit jeher fruchtende Zusammenarbeit. „Das Schreiben passiert immer gemeinsam. Am Anfang stehen viele Ideen, die dann am Ende des Tages irgendwie zusammenkommen“, so Ritt, der auch einen kleinen Einblick in die musikalischen Vorlieben der Bandmitglieder gewährt. Gitarrist Paul sei dem Funk verfallen, Drummer Gabriel tendiere in Richtung Singer-Songwriter, während Ritt selbst deutschen Hip-Hop, als studierter Jazz-Gitarrist aber auch flinke Legenden wie John Mayer schätzt.

Klein, aber mächtig.

Das auffälligste Alleinstellungsmerkmal der „folkshilfe“ dürfte aber in den Händen von Florian Ritt selbst ruhen. Sein Instrument ist eine Steirische Harmonika, auch „Quetschn“ genannt, ein Relikt aus Kindheitstagen. Alpenländische Weisen könne er zwar nicht so recht spielen, meint Ritt – dafür stellt das Handzuginstrument aber eine hervorragende Alternative zu Bassgitarre und Synthesizer dar. „Echt ein geiles Instrument“, schwärmt Ritt, „auch ohne Tracht!“

In nächster Nähe.

In welche begriffliche Schublade ließe sich diese österreichische Musik-Ausnahmeerscheinung denn nun einordnen? Natürlich „Quetschn-Synth-Pop“, klärt Ritt schmunzelnd auf, gewährt aber auch Freiheit in der Kategorisierung: „Die Überschrift darf ruhig Pop sein.“ Eine Gelegenheit zum endgültigen, hautnahen Kennenlernen bietet sich mit dem „folkshilfe“-Konzert am 22. März im Imster Stadtsaal. „Danach kennt man uns“, garantiert Ritt und verspricht ein „emotionsgeladenes, hitziges Konzert“. Vom Enthusiasmus der oberösterreichischen Truppe zeugt auch ein kleiner, persönlicher Gruß in Videoform, den die RUNDSCHAU natürlich gerne weitergibt: