Renaissance des Getreideanbaus

Peter Frank: „Auch Landecker Betriebe sind Genossenschaftsmitglieder in der Aufbereitungsanlage.“ RS-Foto: Archiv

Landecker Bauern an Getreideaufbereitungszentrum beteiligt

 

In Landeck wird auf 30 Hektar Getreide angebaut. Wenn der Bezirk dem tirolweiten Trend folgt, sollte es mehr Fläche werden. Landecker Bauern haben jedenfalls Anteile am Getreideaufbereitungszentrum in Flaurling gezeichnet.

 

Von Daniel Haueis

 

Seine Hochblüte erlebte der Getreideanbau in Tirol in den Nachkriegsjahren: Wurden 1950 noch auf 14000 Hektar Getreide angebaut, waren es im Jahr 2014 nur mehr 600 Hektar (auf 42 Prozent der heutigen Getreidefläche ist es Speisegetreide). Der Getreide-Eigenversorgungsgrad liegt in Tirol bei einem halben Prozent – aber es ist ein Aufwind zu spüren: „Wir erleben in Tirol eine Renaissance des Getreideanbaus – vor allem bei den alten Landsorten aus der Genbank des Landes Tirol“, sagt LH-Stv. Josef Geisler. Das Interesse sei groß, sowohl bei KonsumentInnen als auch bei Brauereien oder Bäckereien. „Alte Getreidesorten sind eine Zukunftsaktie für die Landwirtschaft, die regionale Wirtschaft und auch die Gastronomie“, ist sich Geisler sicher. Getreideanbau-Hochburgen sind die Bezirke Innsbruck-Land, Imst, Landeck und Lienz. In Landeck sind (Stand 2016) etwa 1 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Äcker – 164 Hektar. Auf 30 Hektar wird Getreide angebaut (auf 32 ha Silomais und auf 12 ha Erdäpfel). „Die Anbaugebiete im Bezirk sind vorwiegend im Talkessel von Landeck und im Ober-gricht. Hier gibt es ebene Flächen und gute Standortbedingungen“, weiß Landwirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Ing. Mag. (FH) Peter Frank. Getreideanbau sei auch für die inner-alpine Trockenlage wie im Bezirk geeignet. Die vermehrte Nachfrage nach regionalem Getreide begrüßt auch er, u.a. weil Getreideanbau ideal für Nebenerwerbsbetriebe ist und ein Eigenversorgungsanteil von weniger als 1 Prozent natürlich die Frage nach Versorgungssicherheit aufwirft.

 

GETREIDEAUFBEREITUNGSZENTRUM. Die „Renaissance des Getreideanbaus“ hat bereits konkrete Auswirkungen: 70 Jahre nach Gründung der Tiroler Saatbaugenossenschaft entsteht am Standort Flaurling um 1,3 Millionen Euro ein topmodernes Getreideaufbereitungszentrum zur Trocknung, Lagerung und Aufbereitung von Speisegetreide in biologischer und konventioneller Qualität. „Mit dem neuen Getreideaufbereitungszentrum schaffen wir die Basis für eine gezielte Vermarktung regionaler Getreidesorten und eröffnen zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für die Landwirtschaft“, freut sich der Tiroler Agrarlandesrat. EU, Bund und Land unterstützen das Vorzeigeprojekt mit über 500.000 Euro. Beteiligt sind auch Bauern aus dem Bezirk: „Auch Landecker Betriebe sind Genossenschaftsmitglieder in der Aufbereitungsanlage in Flaurling“, weiß Peter Frank. Mit der neuen Anlage wird die Vermarktung von Speisegetreide und Braugerste professionalisiert. Dort wird das Getreide gewogen und von gröberen Unreinheiten befreit, im Falle des Falles getrocknet und dann in Silos oder Kisten befördert. Nach Intensivreinigung wird es nach Kundenwunsch sortiert und abgepackt. Das so genannte Ausputzgetreide wird als Tierfutter, Einstreu in Rinder- oder Hühnerställen verwendet oder in einer nahen Biogasanlage zur Energiegewinnung genutzt.

 

AUCH FISSER GERSTE WIRD VERMEHRT. Stolz ist der Obmann der Tiroler Saatbaugenossenschaft, Josef Trenkwalder: „Unsere Mitglieder stehen voll dahinter und sind auch finanziell in Vorlage getreten.“ Nach einer längeren Pause wird heuer auf 15 ha Anbaufläche erstmals wieder Saatgut der alten Landsorten „Fisser Gerste“, Sommergerste Alpina, Rinner Winterweizen, St. Johanner Winterweizen, Tiroler Sommerroggen und Steiner’s roter Tiroler Kolbendinkel für das kommende Jahr vermehrt. Das Vorstufenmaterial für die Vermehrung stammt aus der Genbank des Landes, die Saatgut von rund 1000 alten Landsorten, davon über 700 Getreidesorten, beherbergt. Rund 500 Tonnen Getreide können in der neuen Getreidehalle in 36 Trichtersilos zwischengelagert werden. „Wenn sich die Nachfrage und der Anbau von regionalen Getreidesorten weiterhin so gut entwickelt, können wir die Kapazität noch erhöhen“, erklärt Saatbaugenossenschaft-Geschäftsführer Reinhard Egger. In Betrieb gehen soll die Anlage im Sommer rechtzeitig vor der Getreideernte.

 

Neue Chancen

Koordinatorin regionaler Sortimente bei „Grissemann“

Nachhaltigkeit, Innovation und Regionalität sind Teil der Philosophie von „Grissemann“ in Zams. Geschäftsführer Thomas Walser (er ist auch Bauer) hat daher ein Projekt zur Leader-Förderung eingereicht, um Verkauf und Vermarktung regionaler Produkte zu forcieren: Durch eine neue Mitarbeiterin sollen die Zusammenarbeit mit Landwirten aus der Region ausgebaut und neue Produkte in das Sortiment aufgenommen werden (gefördert wird Julia Spöttl im Ausmaß von 20 Wochenstunden über 12 Monate – 40 Prozent von 21.615 Euro Projektvolumen). Thomas Walser denkt etwa an Gans, Ente, Gemüse oder Fleisch. Nachsatz: „Es wird nicht einfach“, denn es wurden schon bisher regionale Produzenten gesucht, umgesetzt werden konnten allerdings nur einige Projekte wie das Zammer Sonntagshendl, das Pitztaler Berglamm oder das Kaunertaler Wild. Oftmals scheiterten die Initiativen daran, Produzenten bzw. Bauern zur Erzeugung bestimmter Produkte zu gewinnen, die Produzenten zu koordinieren und die notwendige Qualität in der Produktion sicherzustellen. Dies soll Julia Spöttl (noch bei der Landwirtschaftskammer beschäftigt) bewerkstelligen. Der Grissemann will so auch die Erschließung neuer, wirtschaftlicher Produktlinien für Landwirte vorantreiben. LH-Stv. Josef Geisler freut der Nutzen: Versorgung mit regionalen Lebensmitteln und daher auch Wertschöpfung in der Region. Er lobt auch den Regionalentwicklungsverein regioL um Gerald Jochum, Simone Reimair & Co.: Der Bezirk habe mittlerweile „sehr viele Initiativen in Gang“.

Julia Spöttl, ab Juni Koordinatorin regionaler Sortimente bei „Grissemann“ RS-Foto: Haueis