Respekt und Einbeziehung

Das Team der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin mit KH-Chef Bernhard Guggenbichler (M.) und dem Ärztlichen Leiter Ewald Wöll (r.) RS-Foto: Haueis

Psychiatrische Ambulanz eröffnet am Krankenhaus Zams – Tagesklinik (im Juni) und Station (2020) folgen

 

Mit einem erfahrenen Psychiater, der auch Psychotherapeut ist, einem sympathischen Team und einem modernen Konzept schlägt das Krankenhaus St. Vinzenz in Zams ein neues Kapitel medizinischer Versorgung im Oberland auf. Gestartet wird am 18. April mit Eröffnung der psychiatrischen Ambulanz, die Tagesklinik steht ab Juni zur Verfügung, stationäre Betten gibt es ab 2020.

 

Von Daniel Haueis

 

„Wir freuen uns, mit dem erweiterten Leistungsangebot endlich die Versorgungslücke für Psychia-triepatienten zu schließen“, erklärte Bernhard Guggenbichler, Geschäftsführer des Krankenhauses in Zams, bei der Vorstellung von Univ.-Doz. Dr. Martin Kurz und seinem Team. Denn am 18. April eröffnet die Ambulanz der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin. Ende Juni steht auch die tagesklinische Infrastruktur zur Verfügung. Nach Fertigstellung des Erweiterungsbaus – im Jahr 2020 – gibt es zudem 24 vollstationäre Behandlungsplätze. Der 53-jährige Psychiater und Psychoanalytiker Martin Kurz aus Innsbruck (er pendelt) ist bereits seit einem Jahr Konsiliararzt am Krankenhaus St. Vinzenz, auch auf der „Internen“, wo der ärztliche Leiter Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll Primar ist und sich ebenfalls freut, dass ein zeitgerechter Start dieses abgestuften Versorgungskonzepts gelungen ist.

 

„PHILOSOPHIE“. Kurz sieht die Abteilung als Ergänzung zu bestehenden Einrichtungen im Oberland (zwei niedergelassene Fachärztinnen, regionale psychosoziale Zentren der Gesellschaft für psychische Gesundheit sowie Psychosozialer Pflegedienst): „Wir sehen das Projekt als große Chance moderne lebensweltorientierte und partnerschaftliche Psychiatriekonzepte in der Region gemeinsam mit den Systempartnern zu entwickeln.“ Die kurzfristig verfügbaren Termine in der Ambulanz wird es demnach nur auf Zuweisung der Kooperationspartner geben. In der Ambulanz wird dann entschieden, ob Patienten vollstationär (bis 2020 im Landeskrankenhaus Hall) oder in der Tagesklinik aufgenommen werden. „Unsere Behandlungsschwerpunkte liegen auf sehr schweren und komplexen Fällen, erstmals psychisch Erkrankten oder Menschen in akuten Krisen mit dringendem Hilfsbedarf und deren Bezugspersonen. Die zentralen Aufgaben bestehen in einer umfassenden Diagnostik auf mehreren Ebenen sowie der daraus folgenden Therapieplanung und Therapieeinleitung in enger Ko-operation mit den Zuweisern“, sagt Dr. Kurz. Das wesentliche Element aller Behandlungen sei „die Haltung des Respekts und ein partizipatives Vorgehen“, also die größtmögliche Einbeziehung der Betroffenen in alle Entscheidungsprozesse der Therapieplanung.

 

ZIELE. Ziele sind in erster Linie die Reduktion und Linderung von Beschwerden, aber auch die Verbesserung der Lebensqualität und die Steigerung der Autonomie und Selbstbestimmung der Betroffenen. An Behandlungsmethoden stehen u.a. Psychopharmaka, psycho- und soziotherapeutische Interventionen, Unterstützung in Fragen der Arbeitsfähigkeit bis hin zu schadensbegrenzenden Methoden bei Abhängigkeitserkrankungen sowie die Erstellung individueller Krisenpläne zur Verfügung. Kurz rechnet mit rund 800 Menschen jährlich in der Ambulanz und 200 bis 300 in der Tagesklinik.

 

TEAM. Der Ansatz ist multiprofessionell: Betroffene werden von Experten der Bereiche Medizin, Pflege, Psychologie, Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Ergotherapie etc. behandelt. Zur Verfügung stehen neben Kurz (und weiteren noch zu findenden Fachärzten – in „Zams“ kann dann auch die Facharztausbildung absolviert werden) derzeit psychiatrische Krankenschwestern, Psychologinnen und Sozialpädagoginnen. Erstmals in Tirol kommt eine psychiatrieerfahrene Genesungsbegleiterin zum Einsatz: Sie hat Erfahrung mit Krankheit und Genesung und wird diese Erfahrungen in die Behandlung einbringen. „Das bereichert unsere Arbeit enorm“, sagt Kurz. Aktuell gibt es zehn MitarbeiterInnen, mit Fertigstellung der Tagesklinik Ende Juni sind 15 Dienstposten vorgesehen.

Univ.-Doz. Dr. Martin Kurz steht für moderne lebensweltorientierte und partnerschaftliche Psychiatriekonzepte. RS-Foto: Haueis