Richtig fette Staatsdiät

Liebe Freunde von Abmagerungskuren!

Ihr kennt das: Du sitzt beim Frühstück und schmierst dir Butter aufs Brot. Mindestens ein Familienmitglied verheißt dir Unglück. Papa, du isst zu fett, bei deiner mangelnden Bewegung machen wir uns Sorgen! Oder du sitzt mit Freunden beim Mittagessen. Statt gemeinsam zu genießen zieht einer der Kollegen die Belehrungskeule: Ob dich deine Ernährung alt werden lässt, wage ich zu bezweifeln!

Bisher war das mein privates Problem. Doch neuerdings wird die Sache staatstragend. Beinahe täglich höre ich von obersten Vertretern der Politik die Drohung: Wir brauchen einen schlankeren Staat! In der Tat beunruhigt mich das. Wenn ich mir diese neuen Typen anschaue, dann bekomme ich Angst. Lauter abgemagerte, ausgezehrte Marathonmänner. Und auch die Frauen hager, ohne Pölster an den richtigen Stellen. Harte Mienen, kaum Lächler. Ich muss annehmen: Die meinen das ernst mit dieser radikalen Kur.

Anfang nächsten Jahres, nach den letzten Abendmahlen zu Weihnachten, fällt der letzte Hüftspeck. Jedenfalls in Gestalt des Wiener Bürgermeisters. Häupl war alles andere als dieser gleichnamige Salat. Diese geniale Kombination aus Fiaker und Heurigenwirt könnte der letzte Vertreter der aussterbenden Spezies Genussmensch gewesen sein. Echt fett wird in Erinnerung an den geselligen Michl mit Sympathie und Originalität verbunden bleiben. Wir müssen uns auf nichtrauchende drahtige Sportler, Gemüse und Obst verspeisende Vollkornpolitiker einstellen, die uns das Nulldefizit als Hauptspeise servieren. Und das in einer Zeit, in der uns täglich neue wissenschaftlich hinterlegte Halbwissensstudie in Sachen Ernährung völlig verunsichern. Das Fett, so lese ich, sei unerlässlich für unsere Hirnfunktion. Speziell die Nüsse, weniger das Schweineschmalz. Irgendwie ist dieses Leben eine harte Nuss. Daher bleibe ich persönlich beim Abnehmen vorsichtig. Vielleicht bin ich noch froh um meine Reserven!

Meinhard Eiter


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