Erwartungen an den neuen Bürgermeister
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Die Bürgermeisterwahl in der Marktgemeinde ist ein Thema, das nicht nur den einfachen Wähler beschäftigt. Auch die Wirtschaft ist naturgemäß äußerst daran interessiert, wer der neue Gemeindechef sein wird. Die Rundschau hat deshalb mit einem Spitzenvertreter der heimischen Wirtschaft über dieses Thema gesprochen. Von Richard Dallapozza

Rundschau: Herr Schweiger, Sie sind Vorsteher der Außerferner Autohändler in der Wirtschaftskammer in Innsbruck. Wie stellt sich die heimische Wirtschaft ihrer Meinung nach den neuen Bürgermeister vor?
Johann Schweiger: Grundsätzlich sollte der neue Bürgermeister zum Wohle der Gemeinde und deren Bürger seine Arbeit verrichten, er sollte dazu beitragen, dass alle an einem Strang ziehen und das selbe Ziel im Auge haben. Er sollte die Anliegen der Gemeindebürger ernst nehmen und versuchen für jeden das Bestmögliche zu erreichen. Er sollte nach der Wahl aufhören Wahlkampf zu betreiben und die Bevölkerung offen und ehrlich informieren und nicht, aus welchen Gründen auch immer, Unwahrheiten verbreiten. Das wäre meine Vorstellung von einem neuen Bürgermeister. Als Vertreter der Wirtschaft bin ich der Meinung, dass Reutte in den letzten Jahren massiv an Wirtschaftskompetenz verloren hat. Die Marktgemeinde wird immer weniger zum wirtschaftlichen Zentrum des Bezirkes. Das ist wirtschaftlich gesehen eine bedenkliche Entwicklung.
RS-Foto: Dallapozza
RS-Foto: Dallapozza


Rundschau: Was meinen Sie damit konkret?
Schweiger: Die Reuttener Wirtschaftstreibenden leiden zunehmend darunter, dass immer weniger Menschen aus dem Bezirk ihre Einkäufe in Reutte erledigen. Sie kaufen längst woanders ein. Die Menschen müssen hier bei uns in Reutte wieder ihr Einkaufserlebnis genießen können. Wir erwarten uns deshalb vom neuen Bürgermeister, dass er mithilft Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Unternehmen ermöglichen trotz notwendiger Investitionen, die Sicherheit zu erlangen, längerfristig überleben zu können. Reutte sollte für Unternehmen wieder attraktiv und für die Bevölkerung wieder das lebenswerte Zentrum des Bezirkes sein.

Rundschau: Wenn Sie sich einen Bürgermeister wünschen dürften, wie müsste der sein?
Schweiger: Der neue Bürgermeister müsste ständig mit den Bürgermeistern der Talkesselgemeinden in Verbindung stehen. Er sollte der Motor dafür sein, um gemeinsame Ziele zu erreichen, um gemeinsame Projekte zu erarbeiten. Er sollte dazu in der Lage sein, die gemeindeeigenen Mitarbeiter zu motivieren, nicht zu demotivieren. Er müsste zum Beispiel auch dafür sorgen, dass das gemeindeeigene Unternehmen EWR schnellst möglich aus den Negativschlagzeilen der letzten Monate verschwindet, damit die Mitarbeiter der EWR wieder stolz auf ihr Unternehmen sein können, wie sie es bis vor wenigen Jahren sein konnten und auch waren.

Rundschau: Wie sollte der neue Bürgermeister als EWR-Chef agieren?
Schweiger: Er sollte bei öffentlichen Auftritten nicht als großer Präsident und Machthaber der EWR auftreten, um dann, wenn es darum geht Missstände und Fehlverhalten der Führungsetage zu beseitigen der kleine Lehrling zu sein, der angeblich nichts verändern kann. Er muss sich schon seiner Verantwortung bewusst sein und daran denken, dass er schließlich und endlich der ist, der die Verträge der Direktoren verlängert. Der neue Bürgermeister müsste auch verhindern, dass Aufsichtsräte der EWR für ihre Unternehmen Aufträge bekommen, ohne dass diese ausgeschrieben wurden. Dass sie für Leistungen enorme Honorare kassieren, die von den EWR selbst mit geringem Aufwand erledigt werden könnten. So nach dem Motto, hilfst du mir, so helf` ich dir.

Rundschau: Auf einen kurzen Nenner gebracht, der "Neue" müsste ...
Schweiger: Der neue Bürgermeister müsste generell dafür sorgen, dass alle Missstände der Vergangenheit beseitigt werden.

Rundschau: Wie sollte der "Neue" politisch agieren?
Schweiger: Der neue Bürgermeister muss meiner Meinung nach mit allen Mandataren zusammenarbeiten. Man darf nicht alle diejenigen von der Mitarbeit ausschließen, die einem nicht zu Gesicht stehen. Außerdem sollte er stets den Kontakt zur Bevölkerung suchen und nicht eigenmächtig tun, g’rad was er will. Die Menschen haben gute Ideen. Und damit meine ich alle, nicht nur die Wirtschaftstreibenden. Da darf man nicht drüber stehen und alles negieren, nur weil es nicht auf dem eigenen Mist gewachsen ist.

Rundschau: Eine Frage aus ganz aktuellem Anlass, wie soll der "Neue" mit Ausschreibungen umgehen?
Schweiger: Ganz grundsätzlich, Ausschreibungen muss es geben. Ob die EU da Schlupfwinkel vorsieht oder nicht, jeder wirtschaftlich Denkende erwartet sich, dass Aufträge ausgeschrieben werden. Alles andere hat einen schalen Beigeschmack, der nicht dem entspricht, was sich wirtschaftlich Denkende erwarten. Natürlich ist es wünschenswert, wenn heimische Firmen die Aufträge bekommen. Was diese gesamte Thematik angeht, sollte ein neuer Bürgermeister für Transparenz und Korrektheit sorgen, das erwartet sich die heimische Wirtschaft.

Rundschau: Herr Schweiger, Ihre Wahlempfehlung?
Schweiger: Es steht mir nicht zu Wahlempfehlungen abzugeben. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Wähler in Summe die richtige Entscheidung treffen. Da braucht es keine Empfehlungen, weder von mir noch von irgend jemand anderem. Die Wähler werden die Weichen stellen für eine wirtschaftlich neu ausgerichtete Marktgemeinde, was einen gesunden Aufschwung zur Folge haben wird. Ich würde mir nur wünschen, dass sich die drei Kandidaten vor den Spiegel hinstellen und sich selber in die Augen schauen. Und dann sollte nur der antreten, der das auch ohne schlechtes Gewissen kann. Es sollte nur der antreten, der sich zutraut den Wünschen der Bevölkerung gerecht zu werden. Aus unzähligen Gesprächen mit Reuttener Bürgern habe ich den Eindruck gewonnen, dass es in Reutte einen Wechsel an der Gemeindespitze geben wird. Aber wie gesagt, die Entscheidung liegt bei den Reuttener Wählerinnen und Wählern.

Rundschau: Herr Schweiger, Danke für dieses offene und ehrliche Gespräch