Wohnbaupläne in der Kritik
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Bewusst nicht als Wahlkampfthema wollen die Anrainer des geplanten Wohnbaus auf den Madergründen in Stams ihren Widerstand gegen das Bauvorhaben verstanden wissen. Sie fürchten um ihre Wohnqualität und den Wert ihrer Eigentumswohnungen. Vorwürfe, die Bürgermeister Franz Gallop und der Projektträger, die Wohnbaugesellschaft "Modernbau" aus Innsbruck, zurückweisen. Von Thomas Ploder

Im Herzen von Stams, westlich der Schule, liegt eine rund ein Hektar große, derzeit unverbaute Fläche. Obwohl niemand davon ausgehen durfte, dieses Terrain würde für immer unbebaut bleiben, überschreitet ein geplantes Vorhaben die Toleranzgrenzen der Anrainer deutlich. Zwischen der bestehenden Bebauung in Schöneck und dem bestehenden Obstgarten soll auf dem von Süd nach Nord ca. 11 Meter abfallenden, rund 3.000 Quadratmeter großen Gelände ein Wohnbau errichtet werden.
70 Meter lang und 14 Meter hoch, warnen die Projektgegner, kürzer und mit neun Metern deutlich niedriger entgegnet der Projektträger, der einen vierteiligen, gestuften Bau mit zwei Abschnitten aus EG und OG, zwei weitere mit zusätzlichem ausgebautem Dachgeschoss plant. Elf Meter "vor unserer Nase", beschreiben die betroffenen Bewohner des Hauses Schöneck 4 ihre als unzumutbar empfundene Situation, weil sie dann auf eine durchgehende weiße Betonwand schauen würden. "Der Abstand beträgt mindestens 20 Meter", nennt Bgm. Franz Gallop seinen aktuellen Informationsstand.
Foto: privat
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WEICHENSTELLUNG FIX. Die Weichen scheinen gestellt, rechtlich bindende Fakten zum Bau eines Wohnblocks auf den Madergründen nächst der Schule in Stams liegen allerdings noch nicht vor. Gesellschafter und Geschäftsführer der Modernbau, Kommerzialrat Ing. Josef Rohrmoser, bestätigte auf Rückfrage, dass bereits konkrete Pläne vorliegen und die Raumordnungsfragen geklärt seien. Bislang habe sein Unternehmen das in Frage kommende Grundstück allerdings noch nicht erworben. Bgm. Franz Gallop bestätigte das Vorliegen von Plänen, die Eröffnung des formellen Genehmigungsverfahrens sei allerdings erst nach Vorliegen eines gültigen Kaufvertrages für das betreffende Gelände möglich. Fakten, auf die die Anrainer, allen
Quelle: Dellemann/Repro: Ploder
Quelle: Dellemann/Repro: Ploder
voran die BewohnerInnen des Hauses Schöneck 4, ihre Hoffnungen stützen, das Vorhaben in seiner derzeitigen Form doch noch verhindern zu können. Der Widerstand richtet sich gegen den Verkäufer des Grundstücks, den Bürgermeister, den Bauträger und den zuständigen Raumplaner, denen vorgeworfen wird, "mit Gewalt eine ungeeignete Lösung zum Nachteil der Anrainer umsetzen zu wollen". Bereits am 17. April 2009 listet der Baufachmann Ing. Reinhold Dellemann in einem Schreiben an den Gemeinderat eine Reihe von Fakten auf, die gegen eine Realisierung des Vorhabens in seiner derzeitigen Form sprechen. Darunter u. a. die Verkehrsanbindung und das Fehlen eines Umkehrplatzes. "Diese Punkte wurden in den bestehenden Plänen bereits berücksichtigt", beruhigt KR Ing. Josef Rohrmoser. Schwere Vorwürfe werden auch gegen den Raumplaner DI Bernd Egg erhoben, würde er doch durch seine positive Bewertung des Entwurfes gegen seine eigenen im Raumordnungskonzept formulierten Grundsätze verstoßen. "Wir wehren uns nicht generell gegen einen Wohnbau", betont Gabriela Kluibenschädl im Namen der betroffenen Anrainer, "halten aber die gewählte Lösung für die schlechtestmögliche." Als Alternativen würde sich ein um 90 Grad gedrehter Bau am Nord- oder Südrand des Grundstücks anbieten, meinen die Gegner des Vorhabens, was eine bessere Verkehrslösung und den Wegfall ihrer Beeinträchtigung durch die Abschattung zur Folge hätte. Weil allerdings der Grundbesitzer mit Hinweis auf den Ertragsverlust seines Obstgartens diese Flächen nicht zum Kauf anbietet, eine wohl unwahrscheinliche Variante.

WOHNBAU SEI "WICHTIGES POLITISCHES ZIEL". Das Argument, der Bau sei generell nicht nötig, weil in der Gemeinde kein Wohnungsbedarf gemeldet sei, weist Bgm. Franz Gallop zurück. "Alle wahlwerbenden Listen haben den Wohnbau als ein wichtiges politisches Ziel genannt", so der Bürgermeister, "deshalb gehe ich davon aus, dass der nächste
Gemeinderat eine entsprechend positive Lösung finden wird." Wie diese in der Praxis aussehen wird, werden die kommenden Verhandlungen zeigen. "Widerstandslos werden wir dieses Vorhaben nicht hinnehmen", zeigt sich Gabriela Kluibenschädl kämpferisch, "und im Genehmigungsverfahren als Parteien unsere Möglichkeiten ausschöpfen." Angesichts der Möglichkeit, es könnten bei Bauwerber und Projektgegnern unterschiedlicher Informationsstand über die geplante Ausführung vorliegen, bemüht sich Bgm. Franz Gallop um Deeskalation. "Die aktuelle Variante wurde bereits deutlich abgespeckt und orientiert sich an den Förderkriterien und der Bauordnung", betont Bgm. Franz Gallop, "deshalb erwarte ich einen für alle Beteiligten tragbaren Kompromiss." Ob sich Grundbesitzer und Bauträger auf eine der vorgeschlagenen Alternativen einigen werden, bleibt ebenso offen, wie die Frage, ob der kommende Gemeinderat die ablehnenden Argumente der Anrainer politisch unterstützen kann und wird.