Der Barock ist tot – Es lebe der Barock!
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In Haiming auf "Christl’s Hof" entsteht etwas. Nicht irgendetwas, etwas ganz Besonderes: eine Kapelle. Hofherr Christian Kopp hat sie in Auftrag gegeben und gemeinsam mit Kunstmaler Martin Juen aus Rietz geplant. Das Besondere an der Kapelle ist, dass sie ein Deckenfresko im barocken Stil erhielt. Mitte Mai ist die offizielle Eröffnung geplant. Von Maria Stecher

Christian Kopp ist ein gläubiger Mensch, hat Höhen und Tiefen erlebt. Mit "Christl’s Hof" läuft es prima. Gäste gönnen sich Urlaub am Bauernhof. Einheimische kaufen gerne im hofeigenen Bioladen wertvolle Produkte wie Speck, Marmelade, Kürbisse
RS-Foto: Stecher
RS-Foto: Stecher
u.v.m. aus Eigenproduktion ein. Christian Kopp ließ die Kapelle errichten, um "Vergelt’s Gott!" zu sagen. "Wir dürfen nicht immer nur fordern, sondern müssen auch einmal Vergelt’s Gott! sagen", so der 38-jährige Landwirt. Christian Kopp sagt auf seine ganz persönliche und eigene Art und Weise "Danke!" und lässt auf seinem Grundstück eine Kapelle errichten. Die Kapelle soll nicht nur für ihn und seine Familie ein Ort der Ruhe sein, ein Ort, um dem oft so hektischen Alltag zu entschwinden, sondern jeder Freund von "Christl’s Hof" soll darin eine Zufluchtstätte für die Seele finden. "Auch für diejenigen, die auf meinen Feldern Kürbisse und Gemüse stehlen, ist die Kapelle gedacht. Sie können dann dort um Vergebung bitten", schmunzelt Christian Kopp. Entworfen und geplant haben die Kapelle Christian Kopp und Kunstmaler Martin Juen aus Rietz. Errichtet wurde sie von einer Projektgruppe der HTL Imst. Der Entwurf und die Ausführung für die barocke Deckenmalerei kommt von Martin Juen. Tiefenwirkung, kontraststarke, leuchtende Farben und Naturalismus geben dem Barock als künstlerische Stilepoche seine Bedeutung.

WARUM GERADE BAROCK? "Es ist ganz einfach eine persönliche Vorliebe. Es passt am besten zum Rest, zu Tirol. Der Barock strahlt Freude und Fröhlichkeit aus und wirkt stets positiv", so Christian Kopp. Eine barocke Deckenmalerei erhält
Martin Juen eher selten als Auftrag, aber immer öfter. "Die Tendenz hin zu sakraler Kunst steigt", erklärt der Kunstmaler. Die Freskenmalerei ist ein totvermutetes Handwerk, vor allem in Österreich. Es gibt auch nur wenige, die Fresken malen, einer davon ist eben Martin Juen. Aufträge wie diesen erhält er aber in letzter Zeit immer öfter. Juen war schon immer fasziniert von der Freskenmalerei. Aufmerksam wurde er darauf vor allem durch den Historienmaler Heinrich Kluibenschädl aus Rietz. Vom barocken Stil glaubt er, dass er moderner denn je ist. Das Moderne und Abstrakte rückt eher wieder in den Hintergrund und der Barock gewinnt durch seinen Realismus wieder an Bedeutung. Ein Teil der Deckenmalerei in der in Haiming entstehenden Kapelle ist tatsächlich ein Fresko. Das bedeutet, dass die Farben auf den frischen (it.: al fresco = ins Frische) noch feuchten Putz aufgetragen wird. Ein totales Fresko hätte allerdings das Wetter und seine kühlen Temperaturen nicht zugelassen, deshalb ist der Großteil "secco", also auf trockenem Untergrund entstanden. Ein Altarbild, das der seit 13 Jahren freischaffende Künstler Juen bereits vor Jahren angefertigt hat, wird die Kapelle ebenfalls schmücken. Und noch viele andere Details sollen hinzukommen, die an dieser Stelle aber noch nicht verraten werden. Mitte Mai kann sich dann jeder selbst ein Bild von der Marienkapelle in Haiming bei deren offizieller Eröffnung machen.