Das Wasserkraft-Roulette
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Die "Player" im Geschäft mit der Kraft des Wassers ziehen auf Anfrage der RUNDSCHAU Zwischenbilanz zum Stand der jeweiligen Projekte. Sölden gegen TIWAG, TIWAG mit Sellrain/Silz, Kaunertal II und vielleich mit Tumpen/Habichen. ÖBB allein gegen alle. – Eines ist fix: Das Ötztaler Wasser ist gefragt wie nie! Von Thomas Parth

Die ÖBB haben bereits eine Studie zur Machbarkeit ihres Projektes im Ötztal durchgeführt. Eine Wasserfassung im Bereich Tumpen soll bekanntlich per Druckstollen das Wasser der Ötztaler Ache nach Stams leiten, wo es in einem Krafthaus abgearbeitet
RS-Fotos: Archiv
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werden soll. Sowohl in ökologischer, technischer und wirtschaftlicher Sicht erwiesen sich die Planungen als durchführbar und im vergangenen November 2009 reichten die Bundesbahnen ihr Projekt zur Vorprüfung nach dem Wasserrechtsgesetz und dem Umwelt-Verträglichkeitsprüfungsgesetz ein. Das 200-Millionen-Euro-Projekt hat eine Leistung von etwa 70 Megawatt und produziert etwa 230 Gigawatt-Stunden pro Jahr. Laut ÖBB warte man derzeit die Ergebnisse dieser behördlichen Vorprüfung ab. Fix ist: Die ÖBB haben weiterhin ein klares Interesse daran, "dieses effiziente Projekt umzusetzen, da Tirol aktuell ein Importland für Bahnstrom ist. Bei 233.000 MWh Bahnstrombedarf haben wir nur 75.000 MWh Eigenerzeugung", heißt es von Dr. Johann Pluy, dem Leiter des Geschäftsbereiches Kraftwerke der ÖBB-Infrastruktur AG. Man habe den sieben betroffenen Gemeinden bereits ein Beteiligungsmodell präsentiert. Bei den ÖBB ist man sich sicher: "Wenn die Bürger sehen, dass sie von diesem Projekt einen direkten Nutzen haben, ergibt sich eine klassische win-win-Situation."
Foto: ÖBB
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BOHRUNGEN IN TUMPEN. Bürgermeister Jakob Wolf sitzt mit Umhausen, seinem Kollegen Hansjörg Falkner und der Gemeinde Oetz sowie mit dem Bauunternehmer Klaus Auer in einem Boot, was die Realisierung eines Kraftwerkes an der Ötztaler Ache bei Habichen betrifft. Erst kürzlich kam erneut Bewegung in das Ansinnen, da Erkundungsbohrungen der Spezialfirma Reisinger weitere Ergebnisse – im wahrsten Sinn des Wortes – zu Tage fördern sollten. "Wir haben ja das Projekt bereits bei der Wasserbehörde eingereicht. Dieses wird derzeit optimiert", informiert Bgm. Jakob Wolf: "Die Bohrungen waren nötig, da es Bedenken gab, der Grundwasserspiegel im Bereich von Tumpen könnte sich durch einen Rückstau heben. Durch die Bohrungen wird geklärt, ob die Sicherheit trotz Kraftwerk gegeben ist. Falls sich die Bedenken erhärten sollten, muss das Kraftwerk eventuell umgeplant werden. Die Sicherheit geht hier klar vor!" Projektpartner Bgm. Hansjörg Falkner sieht sich und seine Gemeinde Oetz gut eingebunden: "Wir sind fix dabei und werden gleich nach der konstituierenden Sitzung des neuen Gemeinderates nach den Wahlen weiter am Ball bleiben!"


NICHT ALLES IST SINNVOLL. Mit ins Boot der drei Kraftwerkswerber soll ein vierter kräftiger Ruderer geholt werden: die TIWAG. "Wir diskutieren mit den drei Projektwerbern, wie wir uns gemeinsam beteiligen können", zeigt DI Wolfgang Stroppa auf. Er sieht ein Kraftwerk Tumpen/Habichen trotz der beiden TIWAG-Ausbaustufen von Sellrain/Silz und Kaunertal II möglich. "Unser Projekt verträgt sich nicht mit dem Großkraftwerk der ÖBB, welches auch der area47 Wasser entziehen würde!", mahnt Bgm. Jakob Wolf. – Im Clinch mit der TIWAG befindet sich Sölden. "Bei unserem Projekt ist derzeit alles auf stand-by gestellt. Die Juristen beschäftigen sich mit den Einwänden der TIWAG gegen unser Kraftwerk in Sölden, da es den Überlegungen der TIWAG, das Ötztaler Wasser ins Kaunertal abzuleiten, entgegenläuft", informiert Bgm. Ernst Schöpf, der glaubt, "die Juristen" würden gerade die Zuständigkeiten klären. "Momentan liegt noch nichts am Tisch", so Schöpf. Als Präsident des Gemeindeverbandes hat er eine klare Meinung zum viel diskutierten "Kriterienkatalog" der Landesregierung. "Dazu gibt es eine Stellungnahme des Gemeindeverbandes. Wir halten den Kriterienkatalog für schlicht entbehrlich, da unserer Ansicht nach bereits Raumordnung und Naturschutz alle Bereiche ausreichend regeln und steuern können." Hier stimmt Schöpf mit der TIWAG überein, da sich auch TIWAG-Chef Bruno Wallnöfer äußerst kritisch zum Kriterienkatalog geäußert hat. DI Stroppa dazu: "Der Katalog schneidet in die Unternehmensstrategie der TIWAG ein. Der Stellungnahme von Direktor Wallnöfer ist von meiner Seite nichts hinzuzufügen."