Kick it like Beckham, Zidane, Pelé und Ronaldo
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Bald könnte es auch im Oberland Schulkooperationen mit dem Tiroler Fußballverband geben, wie sie bereits in Wörgl angelaufen sind. "Wir wollen auch im Oberland Fußballklassen installieren. Auch den Mädchen soll es hier offen stehen, diese zu besuchen", lässt Anneliese Martin keinen Zweifel daran, dass "The Game" auch weiblich ist! Von Thomas Parth

"Als ich vor fünfeinhalb Jahren die Funktion übernahm, war es mein Ziel, den Tiroler Frauenfußball vom Hobbyniveau auf eine sportliche Ebene zu bringen. Teilweise ist mir das auch gelungen, aber es gibt noch viel zu tun!", gesteht sich Martin ein. Um die Tiroler U-16-Auswahlmannschaft steht es nicht so schlecht, kann sie sich doch öster- reichweit sehr gut behaupten und hält z. Zt. den 3. Rang hinter Wien und Niederösterreich. "Wir nutzen auch den Trend in Vereinen, wo es zu wenige Burschen gibt. Hier können wir die Lücken mit Mädchen füllen, wobei die Vereine sehr rasch erkennen, dass unsere Mädels nicht nur gut für die Ersatzbank sind. Im Gegenteil haben etliche von ihnen tragende Funktionen in den Mannschaften übernommen und konnten sich nicht selten zur Kapitänsschleife emporkämpfen." Dass die Mädchen bei den Burschen mitspielen, davon hat auch die Auswahlmannschaft sehr profitiert, weil aus solchen Mannschaften die besten Spielerinnen kommen.
Foto: C. Walch
Foto: C. Walch


FUSSBALLKLASSE. Der neueste Coup wäre eine Fußball-Klasse in der Neuen Mittelschule Imst-Oberstadt. Ein Erstgespräch mit HS-Oberstadt-Direktor Dr. Franz Haselwanter hat sich als positiv herausgestellt, da die HS Oberstadt ein großes Einzugsgebiet hat. "Die Kinder könnten so in die Schule gehen, hätten einen Mittagstisch und eine Nachmittagsbetreuung und würden von der Schule direkt auf den Sportplatz zum Kicken gehen", so die Wunschvorstellung der engagierten Frauenfußball-Referentin. Sie bemüht sich, dass auch im Oberland die Frauen bald auf dem Großfeld ihre Spiele austragen. Die Frauen spielen derzeit noch auf kleineren Feldern mit ca. 16 mal 16 Metern, die mit Hütchen vom Großfeld abgegrenzt werden. "Der Trend geht eindeutig Richtung Großfeld, hin zu mehr Professionalität und weg vom reinen Hobby", weiß Martin.
RS-Foto: Parth
RS-Foto: Parth


DIE ZUKUNFT. Wenn der Schweizer FIFA-Präsident Sepp Blatter davon spricht, dass "die Zukunft des Fußballs weiblich" ist, hat er nicht Unrecht. Die Steigerungsraten können sich sehen lassen, so hat sich z. B. in Deutschland seit 1990 die Zahl der Spielerinnen vervierfacht! Der Sport wird zum Familiensport, weil die Frau dem Fußball stets verbunden bleibt und diese Liebe zum Spiel auch an ihre Kinder weitergibt. "Wenn die Frau auf den Fußballplatz geht, kann sie es auch ihrem Mann kaum verbieten", schmunzelt Anneliese Martin, die selbst Spielerin und Trainerin war und mittlerweile Funktionärin ist. "Bei uns kann man im Frauenfußball nichts verdienen, da muss man schon nach Bayern gehen", gibt Martin zu und sieht den Stellenwert des Frauenfußballs noch immer (zu Unrecht!) auf niedrigem Niveau. "Wenn ein Mädchen Fußball spielen möchte", so Martin, seien meist die Mütter dagegen. Auch hier müsse ein Umdenken – was das "traditionelle Mädchenbild" betrifft – stattfinden. Im Frauenfußball-Ranking macht sich Österreich im internationalen Vergleich auf Platz 39 nach FIFA-Ranking nicht so schlecht, wenngleich andere, noch kleinere Staaten, wie z. B. Island (Platz 18) noch vor der Alpenre-publik gereiht sind – Weltranglistenführer sind übrigens die USA vor Deutschland, Brasilien und Schweden. Ein Vergleich: Die österreichische Fußballnationalmannschaft der Herren liegt auf Platz 56 (Stand vom 8. 3. laut FIFA-Homepage).


MIT LIST UND SPUCKE. Die aus Haiming stammende Anneliese Martin verbrachte ihre Kindheit am Fußballplatz, da ihr Vater Franz Kern gänzlich vom Fußballfieber infiziert war und diese Leidenschaft an seine Tochter weitergegeben hat. "Ich selbst habe drei Kinder. Alle drei sind Burschen und alle drei haben Fußball gespielt. Ich habe eine Zeit lang in Wiener Neustadt gelebt und bin dort zum Frauenfußball gekommen, habe selbst in einer Mannschaft gespielt und bin nach meiner Rückkehr nach Tirol Trainerin einer Frauenmannschaft gewesen", erinnert sich Martin. Als sie ihre Tätigkeit vor fünfeinhalb Jahren angetreten hat, brannte "überall" der Hut. Doch mit viel Geschick und Beharrlichkeit konnte Anneliese Martin seither einiges in Bewegung setzen.
Über Umwege erfuhr Anneliese Martin, dass das Tiroler Bildungsinstitut den coolen Film "Kick it like Beckham" an den Tiroler Schulen zeigen wird. "Da habe ich mich dann drangehängt und einen kurzen Film vom Tiroler Frauenfußball gezeigt und danach mit den Schulklassen diskutiert", lächelt Martin. Auch den Lehrerinnen seien vom Tiroler Fußballverband Ausbildungsstunden angeboten worden. "Mädchen haben von vornherein ein Startdefizit. Während die Burschen schon seit Sandkisten-Zeiten mit dem Fußball spielen, hatten bislang nicht einmal die Turnlehrerinnen eine Fußballausbildung", so Martin.
Für die Euro08 hatte der damalige Sport-Staatssekretär Reinhold Lopatka eine eigene Schülerinnenliga initiiert. "Durch das Kick-it-Programm hatten wir bei mancher Schule Ansprechpartnerinnen – auch im Oberland –, die sofort mitmachen wollten. Wir haben in Tirol acht Mannschaften zusammengebracht, die dann in Imst die Landes-Schülerinnen-Meisterschaft am 19. Mai 2009 ausgetragen haben", freut sich Martin über einen großen Erfolg. "Mir tut es heute noch in der Seele weh, dass zwei aussichtsreiche Mädchen-Mannschaften mangels Trainer von heute auf morgen einfach aufgelassen wurden", hegt Martin Unverständnis über so manchen Rückschlag: "Die Vereine haben gesagt, dass sie keine Trainer vom Himmel schütteln könnten." Heuer findet die Landes-Schülerinnen-Meisterschaft am 18. Mai in Ried im Zillertal statt. An ihr werden fünf Mannschaften mehr gegenüber dem Vorjahr teilnehmen. "Unter den 13 Mannschaften hat die Hauptschule Längenfeld sehr gute Aussichten", attestiert Martin.

GUTE MOTIVATION. Über den Tiroler Schulsportservice können Turnlehrer beantragen, dass sie von Fußballtrainern unterstützt werden. "Die Trainer bekommen lediglich ein Fahrtgeld. Ich werde mich bemühen, dass die Trainer aus der näheren Umgebung kommen, damit sich die Ausgaben für die Anreise möglichst niedrig halten", informiert Martin. Letztes Jahr absolvierten erstmals neun Spielerinnen den "Nachwuchsbetreuer-Lehrgang". Danach müssen sie ein Jahr lang eine Nachwuchsmannschaft trainieren, um am Trainerlehrgang des Landesverbandes teilzunehmen. Der TFB veranstaltet auch immer wieder "Trainerförder-Seminare" für Frauenmannschaften, um die neuesten Erkenntnisse weiterzugeben. Besonders freut Anneliese Martin, dass die Mannschaft, die einst ihr Sohn Ingo in Haiming als U-15-Mannschaft trainierte, eine ausgezeichnete Frauenmannschaft geworden ist. "Das Geschehen verfolge ich natürlich immer gespannt mit. Heuer haben die Haimingerinnen die Möglichkeit, in die 2. Liga aufzusteigen, wenn sie das wollen und auch finanzieren können. Sie müssten sich in der Relegation dem Vorarlberger Meister stellen", weiß die Wahlimsterin. Klarerweise sei eine höhere Liga nur mit einem Mehraufwand "zu knacken". – "Wenn acht Mannschaften aus Oberösterreich sind, heißt das viel Fahrerei", gesteht Martin ein. Wie bereits in den vergangenen Jahren will Anneliese Martin weiterhin dem Fußball treu bleiben und mit Ausdauer für den Frauenfußball kämpfen. Vielleicht gibt es ja schon bald eine Fußballklasse in Imst.