Denken mit der Hand
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Am 16. Juli fand auf Schloss Landeck die Vernissage von "Handgedacht" statt. In der Ausstellung werden ausgewählte Möbel und Objekte aus unbehandeltem Massivholz von Hans Peter Zangerl präsentiert. Diese sollen auf die Werte des Kunsthandwerks aufmerksam machen und das Bewusstsein für Qualität stärken.
RS-Fotos: Kolp
RS-Fotos: Kolp
Von Othmar Kolp

Die Vernissage wurde von Kulturreferentin und "Schlossherrin" Eva Lunger miteröffnet. Die Ausstellung findet in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Stadt Landeck und dem Institut für Kunstgeschichte sowie mit dem Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck statt. Zahlreiche Besucher fanden trotz hochsommerlicher Temperaturen den Weg ins Schloss, viele unter ihnen haben selber Stücke von Hans Peter Zangerl in der Wohnung. Lunger ist stolz, die Ausstellung zeigen zu dürfen, da im Schloss fast alle Möbel und Fenster aus der Werkstatt von Hans Peter Zangerl stammen. Er ist dadurch im Schloss quasi allgegenwärtig. Ao. Univ.-Prof. Joachim Moroder erläuterte die Entstehungsgeschichte der Ausstellung: nämlich aus einer Diplomarbeit über Hans Peter Zangerl am Institut für Kunstgeschichte von Dr. Maria Magdalena Hauser. Die Idee dafür hatte sie von ihrem Neffen, der ein Praktikum bei Zangerl absolvierte. Allen
voran interessierte sie sich für das Denken des Handwerkers und sie brachte zudem Wissenschaft und Handwerk in einen fruchtbaren Dialog. In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunstgeschichte hat das Institut für Gestaltung, Studio 2 der Architekturfakultät der Universität Innsbruck dann das Projekt "Handgedacht" ins Leben gerufen. Das Projektteam besteht aus Arch. Dr. Benno Simma aus Bozen, der als Kurator der Ausstellung fungiert und daneben auch Herausgeber des Begleitkataloges ist, sowie aus Dr. Maria Magdalena Hauser, Arch. DI Jörg Streli und ao. Univ.-Prof. Joachim Moroder (Projektleitung), die den inhaltlichen Teil erarbeitet haben.

KATALOG. Im Begriff "Handgedacht" ist die kommunikative Vernetzung zwischen Denken und Machen herauszulesen. Das Projekt soll die Bedeutung dieses Prozesses aufzeigen. Die Botschaft sind exemplarisch die Möbel von Hans Peter Zangerl, die in dieser Ausstellung zu sehen sind. Mit diesem Projekt wollte das Projektteam die Inhalte des Designs und dessen Bedeutung für den Menschen und für die Gesellschaft begreifbar machen. Im Projekt steht nicht nur die Form für sich im Vordergrund, sondern es werden auch die handwerklichen und wahrnehmungspsychologischen Werte mit dem Wohlfühlen und der Lebensqualität in Zusammenhang gebracht. Allerdings endet das Projekt nicht in Landeck, sondern wird nächstes Jahr in Südtirol ausgestellt. Dadurch und durch den Ausstellungskatalog (erschienen im Folio Verlag Bozen) soll die Botschaft weitergeleitet werden, dass nur mit der Hand und mit dem Denken etwas Neues entstehen kann.


BIOGRAPHIE. Hans Peter Zangerl wurde 1949 in Zams geboren. Als Tischlermeister bildete er ab 1975 Lehrlinge und Gesellen aus. 1987 erhielt er den Bayerischen Staatspreis für beste handwerkliche Leistungen in Form einer Goldmedaille von der Bayerischen Staatsregierung. Von Beginn an entschied er sich dafür, ausschließlich massives Weich- und Hartholz zu verarbeiten. Alle Möbel, Einrichtungsgegenstände und Objekte wurden nach seinen eigenen Entwürfen gefertigt und sind Unikate. Wesentliche Merkmale seiner Arbeit sind die sichtbar gearbeiteten Holzverbindungen, höchste Qualität in der Verarbeitung und die unbehandelten Oberflächen. Unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des Menschen und im Zusammenspiel der Sinneswahrnehmung muss sich die Form von Gebrauchsgegenständen als Antwort auf die Sinnesreize entwickeln. Die Entstehung der Designobjekte als Ganzes ist somit mit dem Denken, Fühlen und Machen verbunden. Hans Peter Zangerl: "Der Weg vom Material zu den Gestaltungen hat das Ziel, Ordnungen zu schaffen, Schablonen zu sprengen, Individualität zu leben, die Natur einzubinden. Ich mag Holz. Die Maserung, die Astigkeit, die Farbenvielfalt, die Härte, das Alter. Ich versuche dem Werkstoff Holz, der so lebendig und immer anders ist, mit meiner Arbeit gerecht zu werden." Zu sehen sind die Möbel und Objekte auf Schloss Landeck bis 15. August 2010 (täglich von 10 bis 17 Uhr).