"Steinzertrümmerer klingt doch sehr negativ"
Atelier Egger
 
 
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Die satte Schlagzeile in der RS-Ankündigung zum Steinbildhauersymposium im Pitztal war für die TeilnehmerInnen ein Schlag in die Magengrube. "Wir zertrümmern doch nicht, wir schaffen", klärt Rudolf Kaltenbach aus Berlin gleich zu Beginn des Lokalaugenscheins auf. Bei teilweise strömendem Regen beweisen die internationalen KünstlerInnen, dass sie nicht nur marktschreierischen Überschriften trotzen, sondern auch dem "Segen von oben". Von Thomas Parth

"Ich bin a bissl später angereist und war gleich von der Mure im Pitztal ausgesperrt", schildert Symposiumsteilnehmer Paul S. Feichter aus Südtirol. Der aus dem Ahrntal stammende Künstler ist die Berge zwar gewöhnt, doch ist die Bergwelt seiner Heimat "weit weniger direkt". "Mir ist die Form wichtig. Der Stein soll mich ansprechen. Ich arbeite nicht gegen den Stein. – Der Widerstand ist wichtig. Er erzeugt Spannung und stellt zwangsläufig einen Dialog mit dem Künstler her!"
RS-Foto: Parth
RS-Foto: Parth


"Der Stein verzeiht nichts, das man hinterher rückgängig machen könnte", weiß der Österreicher Josef Baier. Er stellt derzeit auch auf der "Holland-Papier-Biennale" aus. Über diesen Kontrast meint Baier: "Macht ja nix! – Außerdem: Papier umwickelt Stein ..." Baier zeigt mehrere Steininstallationen. Eine Steinumschlichtung in der Landschaft und bis jetzt eine im Wasser der Pitze. Petra Lange zeigt eine "Steinblumenwiese". Sie bearbeitet mehrere Findlinge und würde sie am liebsten "mit nach Hause nehmen". Der gebürtigen Dortmunderin, die u. a. in Ancona lebt und arbeitet, kommt das Gestein im Pitztal entgegen. "Ich mag dunkle Hartsteine. Ich finde, im Wasser sehen sie noch schöner aus." – Davon gab’s vergangene Woche jedenfalls genug. Nicht vom Regen abschrecken ließ sich auch die polnische Teilnehmerin Dominika Griesgraber. Sie spannt den Bogen vom Stein zum Menschen. Ihre Arbeit wird von den Handmühlen aus Stein inspiriert. Als eines der ersten Kulturwerkzeuge dienten Steinhandmühlen zum Mahlen von Getreide und Gewürzen und machten "Leben" möglich. Sie widmet ihre Arbeit der Beziehung zwischen Natur und Mensch. Der Berliner Rudolf Kaltenbach setzt seine Koordinatenkreuze - Bohrkerne aus Steinen aller Kontinente – auf eine Lawinen-Schutzmauer. "Wir wollen ja nichts zerstören, sondern etwas Positives eingehen", zeigt Kaltenbach auf: "Ich habe die ganze Welt in meine Installation einbezogen.". Bob Budd aus Großbritannien stellt den tausende Jahre alten Steinen den jungen Binärcode gegenüber. Seine Installation "Null und Eins" ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, sondern wird erst vom anderen Flussufer aus wahrgenommen. "Wenn der Binärcode einmal nicht mehr funktioniert, sind die Steine immer noch da", schließt Budd.

VERNISSAGE. Die Vernissage findet diesen Freitag, dem 30. Juli, in Mandarfen/Pitztal um 16 Uhr statt.