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Die weltweite Wirtschaftskrise scheint sich im Tiroler Oberland auf das Jahr 2009 beschränkt zu haben. Zwar müssen wir noch immer kräftig rudern, doch die größten Wellen scheinen gebrochen. Schulungsmaßnahmen konnten etliche Arbeitslose höher qualifizieren, wobei die Summe an Förderungen bis 2011 ebenfalls abebben wird. Die Ausnahme: die Schulung zum medizinischen Masseur. |
Von Thomas Parth
Der Vergleich des ersten Halbjahres 2010 mit jenem von 2009 fällt durchaus positiv aus, was die Zahl der Beschäftigten betrifft. So waren 2009 im Vergleichszeitraum 23.427 Personen in Beschäftigung, während 2010 bereits 24.172 Beschäftigte verzeichnet wurden. 2010 waren durchschnittlich 105 Personen weniger arbeitslos gemeldet als 2009. "Beide Faktoren wirken sich auch positiv auf die Arbeitslosenquote aus, die im ersten Halbjahr 2009 noch bei 8,2 Prozent lag, während sie heuer auf 7,6 Prozent gesunken ist", bestätigt AMS-Bezirksstellenleiter Erwin Klinger. "Im Durchschnitt waren 1.194 Männer und 787 Frauen als arbeitslos gemeldet", ergänzt Luise Mungenast. In Summe, so ist sich das Imster AMS-Team sicher, ist das Jahr 2009 als "Krisenjahr" zu bewerten. 2010 habe sich der Trend in eine positive Richtung entwickelt. "Da müsste schon Außergewöhnliches passieren, um diese Tendenz noch umzukehren", bestätigt Klinger.
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| RS-Foto: Parth |
TOURISMUS IST RESISTENT. Zurückzuführen sei die Imster Krisensicherheit auf den Tourismus, der schon als gesamtes System einbrechen müsste, um Effekte hervorzurufen, wie sie in Industrieregionen verzeichnet werden, wo auf einmal hunderte Arbeitnehmer auf der Straße stehen, wenn ein Betrieb zusperren muss. "Wir sind hier massiv geschützt. Die Buchungslage lässt auch nicht darauf schließen, dass ein massiver Tourismus-Einbruch bevorsteht", beruhigt Klinger. Mungenast weist darauf hin, dass sich die Sommersaisonen in unserer Region eher verkürzen, während sich die Wintersaisonen tendenziell verlängern. "Im Sommer spielt das Wetter die größte Rolle bei den Buchungen. Durch die Bank berichten die Touristiker, dass Buchungen immer kurzfristiger, vielfach online, erfolgen. Auch die Dauer der Urlaube wird kürzer. Und das Thema ‚Sparen‘ wird bei den Gästen immer wichtiger", weiß Mungenast und ergänzt, dass bei 62 Arbeitstagen oder weniger kein Anspruch auf zusätzliche Arbeitslosentage entsteht. "Sonst muss der Saisonbedienstete mit dem restlichen Arbeitslosengeld bis zur Wintersaison durchkommen. Wenn die Arbeitslose aufgebraucht ist, greift die Notstandshilfe, für die jedoch kein Berufsschutz gilt. Da kann es passieren, dass ein Oberkellner einen Küchenhilfeposten anzutreten hat", sieht Mungenast das Problem: "Je kürzer die Saisonen, desto schwerer bringen die Saisonbediensteten ihre Anwartschaft auf Arbeitslosengeld zusammen." Jeder Fall müsse einzeln geprüft werden, weil einige im Winter kürzer und dafür im Sommer länger arbeiten oder weil jemand das Arbeitslosengeld länger in einem Berechnungszeitraum in Anspruch genommen hat als ein anderer.
HEIMHELFER GUT AUSGEBILDET. Die im Fachjargon "GEM"-Tätigkeiten stehen für "gemeinnützige" Tätigkeiten. Das Ganze ist ein Projekt von AMS und Land Tirol, welches vor allem Frauen wieder in Beschäftigung stellen soll. "Wir bekommen eine Fördersumme von 80 Prozent des Gehalts zusammen. 13,3 Prozent zahlt das Land und 66,6 Prozent das AMS. Die Dienstgeber, meist Gemeinden, kommen für die restlichen 20 Prozent auf", weiß AMS-Leiter Klinger über durchwegs positive Erfahrungen zu berichten. Anders verhält es sich mit dem in die Schlagzeilen geratenen "Heimhelferkurs". "Wir fördern eine Maßnahme und gehen davon aus, dass die TeilnehmerInnen danach in Beschäftigung treten", fasst Klinger den Wunsch des AMS zusammen. Für den angesprochenen Kurs gab es vorab eine Bedarfsstudie des Landes Tirol in Kooperation mit der Landesgeschäftsstelle des AMS Tirol, welche allen KursteilnehmerInnen gute Chancen am Arbeitsmarkt bescheinigte. "Wenn nun Weiterbildungswillige für sich eine Förderschiene durchdrücken wollen, die so nicht vorgesehen war, hätten wir vom AMS zumindest gern eine einjährige Arbeitsphase dazwischen gehabt. Aber vielleicht geht’s ja doch", zeigt Klinger auf. Fest stehe jedenfalls, dass die Heime mit den KursabgängerInnen sehr zufrieden sind. Diese seien "sehr gut ausgebildet". Jedenfalls rechnet man in Imst, dass mit 2011 die Schulungsmaßnahmen generell eine Budgetkürzung um rund zehn Prozent erfahren werden. "Wir werden die Schulungen schon 2010 langsam zurückführen", bestätigt Klinger.
BEDARFSORIENTIERTE FÖRDERUNG. Aus diesem (Kürzungs-)Trend schert lediglich ein Spezialkurs aus, der "keine 08/15-Ausbildung, sondern eine profunde, qualitativ hochwertige Ausbildung" darstellt. Die Rede ist vom Kurs zum "medizinische/n MasseurIn". "Das AMS Imst demonstriert damit, dass wir auch bereit sind, in wirtschaftlich schwierigen Situationen längerfristige Schulungen durchzuführen", untermauert Erwin Klinger. Für die angesprochene Spezialausbildung hat ein AMS-Partner, die Künig GmbH, welche künftig für das Kurhotel in Umhausen verantwortlich zeichnet, bereits Anstellungszusagen für 50 Prozent der KursteilnehmerInnen gemacht. Auf die kritische RUNDSCHAU-Frage, was denn mit den restlichen 50 Prozent geschehe und ob das AMS nicht "Überkapazitäten" fördere, steht der Imster AMS-Leiter Rede und Antwort: "Diese Ausbildung lässt nach oben hin alle Entwicklungsmöglichkeiten offen. Wir sind der Meinung, dass sich alle interessierten, vor allem jungen Leute, die im Umhauser Tagespendel-Umfeld wohnhaft sind, gute Chancen auf eine Anstellung ausrechnen dürfen. Zumal es sich bei einem 200-Betten-Haus um ein sicheres Arbeitsumfeld handelt. Wenn ich weiß, die Ausbildung dauert 12 Monate und die Kuranstalt geht in gut einem Jahr in Betrieb, dann fördere ich auf diesen Zeitpunkt. – Einige werden sich wohl gleich zum Heilmasseur fortbilden. Ich bin sicher, dass wir den Rest sehr wohl im Bezirk unterbringen werden!"
AMS ONLINE. Das Arbeitsmarktservice Österreich hat das Ziel, bis 2014 rund 50 bis 60 Prozent seiner Dienste "online", also via Internet, abzuwickeln. Derzeit werden diese Angebote bereits, wenngleich vereinzelt, genutzt. "Die Kunden können ihre Bewerbungsdaten freischalten. Die Betriebe können sich aussuchen, wen sich wann zum Vorstellungsgespräch laden, auch können sie die Anträge auf Beschäftigungsbewilligung zu Hause am Computer stellen", informiert Luise Mungenast. Um ein Stellenprofil online zu stellen, braucht es keine "Spezialkenntnisse", sondern nur die Anmeldung als AMS-Kunde. "Logisch geben wir nach wie vor auch telefonisch Hilfestellungen und halten so den persönlichen Kontakt zu den Kunden aufrecht. Aber die Qualität der Anträge und damit die Abwicklungsgeschwindigkeit erhöhen sich. – Die gewonnene Zeit aus einer Verwaltungstätigkeit kann dann der AMS-Berater in aktive Beratungszeit investieren", so jedenfalls die Hoffnung des Imster AMS-Teams.
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