Bruno Füruter – ein touristischer Tausendsassa
 
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Der Pitztaler Bruno Füruter ist ein touristischer Tausendsassa. Er ist Besitzer mehrerer Hotels, Geschäftsführer einer Helikopterfirma, Chef von verschiedenen Lawinenkommissionen, Wirtschaftskammerfunktionär, TVB-Funktionär,... Anlässlich seines 50. Geburtstages lud ihn die Rundschau zu einem Gespräch über sein Schaffen und die Zukunft des Tourismus in unserer Region. Von Martin Muigg-Spörr

RUNDSCHAU: Gratulation zum 50. Geburtstag. Wie sieht die persönliche Bilanz nach einem halben Jahrhundert aus?
Füruter: Eigentlich wollte ich Schifahrer werden und habe die Internatsschule für Schisportler in Stams besucht. Ich war Klassenkollege von Armin Kogler und Hubert Neuper, mit denen ich bis zum heutigen Tag gut befreundet bin. Nachdem aber dieser Traum nach einer Verletzung mit 17 Jahren geplatzt ist, bin ich nach dem Abschluss meiner Schulausbildung in den elterlichen Betrieb (Sporthotel Seppl) eingestiegen. Gesundheit und Zufriedenheit erachte ich als die wichtigsten Güter in meinem Leben. Beides ist mir bislang vergönnt gewesen, sodass ich mich über die letzten fünfzig Jahre nicht beklagen kann.
Foto: Muigg-Spörr
Foto: Muigg-Spörr


RS: Sie sind Gastronom aus Leidenschaft und Besitzer mehrerer Hotels. Wie sehen Sie die Entwicklung im Tourismus in den letzten Jahrzehnten?
Füruter: Mit meinen Betrieben Belmont, Seppl und Piz Hotel habe ich die Entwicklung in den unterschiedlichen Gästeschichten gut mitverfolgen können. Zudem war ich bis 2006 25 Jahre lang aktiver Hüttenwirt am Taschachhaus und führe noch heute im Winter die Pitztaler Schihütte (Taschachalm). Insgesamt muss man sagen, dass sich die Hotellerie vom Käufer- zum Verkäufermarkt verändert hat. Das heißt, dass früher wenige Betten für viele Gäste da waren. Inzwischen hat sich das Angebot für den Gast vervielfacht und der Touristiker muss seine Produkte aktiv verkaufen, um am Markt erfolgreich sein zu können. Die Gäste sind heute wesentlich mobiler und auch das Buchungsverhalten hat sich sehr verändert. Waren vor zwanzig Jahren noch zweiwöchige Aufenthalte die Regel, so muss man heute froh sein, wenn der Gast für eine Woche bleibt. Etwa dreißig Prozent aller Buchungen in unseren Häusern passieren inzwischen online und ich denke, dass dieser Anteil in den nächsten Jahren durch ausgefeiltere Buchungssysteme regelrecht explodieren wird.

RS: Das Tiroler Oberland ist stark touristisch geprägt. Was sind aktuelle Probleme und in welche Richtung sollte sich die Tourismusbranche weiterentwickeln?
Füruter: Wir müssen die Randzeiten wie Vor- und Nachsaisonen intensiver bewerben und nutzen. Dass der Sommer wichtig ist, haben inzwischen alle erkannt und bauen das Angebot auch entsprechend aus. Gemeinsame Angebote und regionsübergreifende Kartenangebote sind unverzichtbar. Wir müssen dem Gast heute mehr bieten, als einfach unsere wunderschöne Natur. Wir brauchen Side-Events wie zum Beispiel den Gletscher-Marathon oder das Geo-Caching, um der nachrückenden Internet-Generation einen Anreiz zu bieten, zu uns zu kommen, denn für diese ist ein althergebrachtes Wanderangebot einfach ein bisschen zu wenig.

RS: Sie sind im Pitztal aktiv, das in ständiger Konkurrenz mit dem benachbarten Ötztal steht. Wie sehen Sie diesen Wettstreit?
Füruter: Für mich gibt es da keinen Wettstreit. Man muss in Bezug auf Kapazität und Intensität beim Ötztal sicher vom großen Bruder sprechen, aber wir hier im Pitztal haben auch eine ganz andere Gästeklientel und ich hoffe, dass wir in einigen Jahren miteinander in einem großen Schigebiet Schi fahren werden. Hier liegt der Ball derzeit bei uns hier im Pitztal, da die Ötztaler mit ihren Anlagen schon überall am Grat stehen. Ich hoffe, dass dieses Projekt innerhalb der nächsten drei Jahre umgesetzt wird.

RS: Viele Einheimische beklagen, dass Urlaub in der Heimat kostspieliger sei als eine Fernreise. Täuscht diese Volksmeinung?
Füruter: Ein Tirol-Urlaub ist natürlich qualitativ hochwertig. Eine Bettenburg in Spanien oder in der Türkei hat es da wesentlich leichter, über den Preis Kunden zu lukrieren. Bei uns sind Nebenkosten und die Errichtung um ein Vielfaches aufwändiger als in anderen Teilen Europas. Die Region muss versuchen, in Zukunft wieder mit günstigen Schulschiwochen, Familien-Hotels und Jugend-Unterkünften zu punkten, denn der einheimische Gast ist uns sehr wichtig. Wir müssen auch wieder verstärkt daran arbeiten, dass sich die einheimische Bevölkerung als Teil der Tourismusregion fühlt, denn es ist unabdingbar, dass alle Tiroler hinter dem Wirtschaftsmotor Tourismus stehen.

RS: Sommer- und Wintertourismus stehen bei uns nicht auf der gleichen Ebene, obwohl unser Land gerade auch im Sommer sehr viel zu bieten hat. Wie kann Tirol im Sommertourismus noch stärker bei den Gästen punkten?
Füruter: Wir müssen die Natur mehr in Szene setzen und sie dem Gast erklären. Themen-Wanderwege und Naturparks, in denen Geschichte, Fauna und Flora erklärt werden, sind ein Schritt in die richtige Richtung. Wir müssen mit unseren Produkten mehr in die Tiefe gehen. Wir haben beispielsweise begonnen, Geologie, Geomorphologie, unsere Tier- und Pflanzenwelt für den Gast aufzubereiten und so interessanter zu machen. Man muss dem Gast Input für Körper und Geist anbieten, um dem Rechnung zu tragen, dass die Bildung besser und das Freizeitverhalten unserer Gäste anders als vor einigen Jahrzehnten ist. Natürlich ist auch der sportliche Aspekt nicht zu vernachlässigen. Ich denke, dass unter dem Motto "Weg von der Playstation – hinaus in die Natur" noch einiges an Potenzial vorhanden ist.

RS: Oft stehen touristische Konzepte unter Beschuss von Umweltschützern. Dass unsere Umwelt unser Kapital ist, steht außer Frage, aber ist trotz der strengen Umweltauflagen noch eine Weiterentwicklung im Tourismus möglich?
Füruter: Wer schon einmal ein naturschutzrechtliches Verfahren mitgemacht hat, weiß, wie streng bei uns hier die Auflagen sind. Es muss schon noch Entwicklungsmöglichkeiten für den Tourismus geben. Wir sind hier sicher stark an der Grenze, strenger dürfen die Regeln in diesem Bereich nicht mehr werden. Man muss die Touristiker, die Geld haben, investieren lassen. Sonst werden Projekte irgendwann nicht mehr bei uns, sondern eben im benachbarten Ausland realisiert werden, wo die Auflagen weniger streng sind und Genehmigungsverfahren einfacher und schneller abgewickelt werden. Aufgabe der Landesregierung muss es sein, solche an und für sich durchaus sinnvolle Verfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen.

RS: Der Klimawandel ist in den letzten Jahren für jeden persönlich spürbar. Was wird sich dadurch im Tourismus verändern und wie muss man als Gastronom darauf reagieren? Ist die Erwärmung vielleicht in mancher Beziehung sogar ein Vorteil? Man kann jetzt zum Beispiel sogar hier in Mandarfen im Sommer am Abend vor der Tür sitzen.
Füruter: Ich glaube nicht, dass wir hier in den höher gelegenen Alpenregionen große Sorgen in Bezug auf Schneesicherheit haben müssen. Da machen mir die inzwischen häufiger auftretenden Starkniederschläge mit daraus resultierenden Vermurungen größeres Kopfzerbrechen. Positive Aspekte kann ich beim Klimawandel für unsere Region keine erkennen. Es wird meiner Meinung nach nicht so sein, dass wir hier im hinteren Pitztal beispielsweise einen Badesee mit Strandlandschaft brauchen werden.

RS: Welche Visionen und Wünsche hat der Hotelier Bruno Füruter für das nächste halbe Jahrhundert?
Füruter: Die politischen Rahmenbedingungen sollten ein bisschen investitionsfreundlicher werden und auch bei den Bergbahnen brauchen wir einen anhaltenden Investitionsschub, der z. B. im Pitztal mit dem "Snowmaker" ja schon in die richtige Richtung weist. Eines meiner Ziele ist, zu einem Gesamtpaket beizutragen, sodass Winter- und Sommertourismus annähernd gleich attraktiv sind. Ganz persönlich wird es eine herausfordernde Aufgabe sein, meine laufenden Projekte, die gut angefangen haben und gewachsen sind, zu einem runden Abschluss zu bringen.

RS: Die Wirtschaftskrise hat einige Betriebe bereits in den Ruin getrieben. Wurde es hier den Touristikern zu leicht gemacht, große Kredite, die nun nicht mehr bedienbar sind, aufzunehmen?
Füruter: Eine generelle Schuldzuweisung an die Banken ist mir ein zu einfacher Weg. In Zeiten der Wirtschaftsoffensive waren alle Touristiker auf Fremdkapital angewiesen und froh, dass man ihnen umfangreiche Kredite genehmigt hat. Es hat aber sicher nicht geschadet, dass wir im Tourismus ein bisschen "zurück vom Gas" mussten und uns auf unser eigentliches Kerngeschäft besinnen müssen. Wichtig ist jetzt, dass wir wieder näher zusammenrücken und unser Geld in heimische Betriebe investieren. Dazu müssen wir auch regionale Firmen wie zum Beispiel Tischler oder andere Handwerker an den eigenen Investitionen beteiligen, auch wenn sie vielleicht, oberflächlich betrachtet, nicht immer die Billigstbieter sind. Außerdem muss es Touristikern erleichtert werden, aus dem eigenen Betrieb auszusteigen. Momentan kann ein Hotelier es sich kaum leisten, in den Ruhestand zu gehen. So ist bei einem Verkauf der Veräußerungsgewinn so hoch, dass danach das Finanzamt fast den gesamten Rest für sich beansprucht. Vielen bleibt momentan nur der unangenehme Weg in den Privatkonkurs.

RS: Wenn Sie sich selbst beschreiben müssten, welche Charaktereigenschaften würden Sie nennen?
Füruter: An erster Stelle zurückhaltend. Man sagt mir nach, einen trockenen Humor zu haben. Ich bin in jedem Lebensbereich sehr ausdauernd. Hilfsbereitschaft und Ehrlichkeit sind mir sehr wichtig. Ich denke Dinge oft ein bisschen anders an als mein Umfeld. Viele Leute sagen, dass ich für mein Alter viel zu viel Power habe.

Danke für das Gespräch!