Irland ist weit
t4y
 
 
site created by kwnet.at
 
Teilen Irland ist weit
 
Anlässlich der Premierenfeier von Beauty Queen vergangene Woche eröffnete Bgm. Christian Härting die Tiroler Volksschauspiele, die im kommenden Jahr ihr dreißigjähriges Bestands-Jubiläum feiern. 28 Mal wählten die Volksschauspiele Telfs als Aufführungsort und "prägen damit ein Stück der Telfer Identität", wie Härting verlautete. Dass dabei der Begriff von Volkstheater eine neue Bedeutung abseits gängiger Klischees erfahren hat, zeigt sich erneut in dem Drama Beauty Queen von Martin McDonagh. Mit Julia Gschnitzer und Katharina Brenner in der hochkarätigen Besetzung werden Gefühle bis zum Exzess hochgeschaukelt. Von Eva Lechner

Irland. Eine abgelegene Behausung. Nass, kalt, viel Nebel. Etwas, wobei gewöhnlich der Alkohol tröstet. Aber da sind diese senile Alte und ihre Tochter, die sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen. Ihr Alltag ist von gegenseitigem Widerwillen vergiftet, gewohnheitsmäßig. Keine trifft Schuld. Weil sonst ist ja niemand da, an dem sich die Emotionen reiben könnten. Die nicht enden wollenden Tage werden zu Jahren. Eine schier unerträgliche Situation, welche im Fachjargon lapidar als Beziehungs- oder Generationenkonflikt bezeichnet wird. Was sie nicht weniger besitzergreifend, quälend, zerstörerisch macht. Wer da über das Wie, Warum, Weshalb allzu viel nachzudenken beginnt bekommt nur Kopfweh. Wie gut, dass Irland weit weit weg ist.
RS-Fotos: Lechner
RS-Fotos: Lechner


HYPERREALISTISCHES STÜCK. Was Oscar-Preisträger Martin McDonagh da in Szene setzt, ist ein meisterhafter Blick auf menschliche Verhältnisse, ein hyperrealistisches Stück, schonungslos mit deftigen Dialogen aus dem Leben gegriffen. Dabei ist nichts Schwächliches, Nachgiebiges. Genauso wie das Gänse-Tranchieren mit dem Hackbeil am Küchentisch. Kraftvoll, animalisch. Wenn eine großartige Julia Gschnitzer als bösartige Alte, in dicken Filzpatschen und mit Wollhaube, verschlagen einer Katharina Brenner auch den letzten Funken Hoffnung auf ein persönliches Glück raubt.


Wenn Katharina Brenner, Tochter der Schauspieler Susanne Kappeler und Hans Brenner, vergebens wähnt, dieses Glück gewaltsam gewinnen zu können. Eine Paraderolle für die Mimin. Mutter und Tochter? Man glaubt es ihnen. "Wer den Schalk im Nacken hat, der kann alles spielen, vom Mephisto über Gretchen", so Katharina Brenner und bezeichnet es als "Geschenk" mit Julia Gschnitzer auf der Bühne zu stehen. Erstmals. Privat würden sie sich großartig verstehen, aber auf der Bühne gelingt ihnen der familiäre Feldzug großartig. In einer hinreißenden Leistung werden Tragik und nuancierte Komik ausgespielt. Unter der Regie von Christine Wipplinger überzeugen weiters Stefan Riedl alias Pato als Liebhaber in spe und Edwin Hochmuth als Botenjunge Ray mit burschikosem Charme. Schlussendlich gipfelt die Handlung, indem die Tochter als exaktes Abbild ihrer Mutter in deren Schaukelstuhl Platz nimmt. Der Abend entlässt den Zuschauer in eine Realtität, wovon er in der Regel gar nichts wissen will. Keine leichte Kost, gewiss, aber Obmann Markus Völlenklee ist überzeugt: "Es stimmt einfach nicht, dass die Leute nur unterhalten werden wollen, sie wollen auch gefordert sein …"