"Zuerst habe ich mir gedacht, das ist ein Witz"
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Der 35-Jährige Sammy Koejoe ging bereits für den FC Wacker Innsbruck, den SC Freibug oder Dynamo Dresden auf Torejagd. Kommende Saison wird der Niederländer im Dress des SV Reutte zu bewundern sein. Unmittelbar vor der Partie des SV Reutte gegen den Hamburger SV sprach der sympathische Stürmer mit der Rundschau. Von Fabian Haider

Rundschau: Sammy, du bist nun seit ca. zwei Wochen in Reutte. Wie waren die ersten Eindrücke, wie hast du dich eingelebt?
Koejoe: Die ersten Eindrücke waren sehr positiv. Alles wirkt in etwa so, wie ich es mir erwartet habe. Im Verein bin ich sehr gut aufgenommen worden, aber ich weiß natürlich auch, dass ich mich anpassen muss. Man muss sich auch als Ex-Bundesligaprofi ganz normal verhalten und darf nicht den großen Star spielen. Insgesamt fühle ich mich bisher sehr wohl hier in Reutte.

Rundschau: Bei deinem Ex-Verein Dunajska Streda warst du Stammspieler und hast in der ersten Slowakischen Liga auch einige Tore erzielt. Warum hast du den Verein verlassen?
Koejoe: Es ist so, dass ich in der Slowakei nur für 10 Monate unterschrieben habe. Obwohl der
RS-Foto: Dallapozza
RS-Foto: Dallapozza
Verein in der ersten Liga spielt, passte dort einiges nicht. Es gab große finanzielle Schwierigkeiten, Gehälter wurden nicht pünktlich gezahlt. Deswegen konnte ich dort meine Leistung nie unter guten Bedingungen abrufen. Mein Ziel dort war es, unter die Top5 der Liga zu kommen und einfach immer konzentriert zu spielen. Die Umstände bei dem Verein haben das nicht zugelassen. Ich wollte den Fans dort etwas bieten, im Cup sind wir auch ziemlich weit gekommen. Als der Klub finanzielle Probleme bekam, wollte ich dann so schnell wie möglich weg, weil man sich einfach nicht mehr auf seine Arbeit konzentrieren konnte.

Rundschau: Würdest du das Umfeld beim SV Reutte sogar professioneller einschätzen?
Koejoe: Das kann ich jetzt noch schwer einschätzen. In der Slowakei wurden aber ganz einfach Abmachungen schlichtweg nicht eingehalten. Der SV Reutte ist zwar ein Amateurclub, hier wird aber ordentlich gearbeitet und jeder macht seine Sache. Hier kann man vielleicht nicht so viel zahlen wie in Profiligen, das Geld, das zur Verfügung steht, wird aber dann auch ausbezahlt, was ich sehr schätze. Bei Dunajska Streda hatten viele Spieler zum Schluss einfach keinen Bock mehr, hier in Reutte ist jeder motiviert. Das sind eben dann die Unterschiede. Als ich zum SV Reutte gekommen bin, habe ich an meine Zukunft gedacht. So eine Erfahrung wie in der Slowakei will ich nicht noch einmal machen. Lieber weniger Geld und dafür mehr Spaß an der Arbeit.

Rundschau: Gab es auch Angebote anderer Vereine?
Koejoe: Ich hätte sofort nach Thailand oder nach Vietnam wechseln können, wo ich noch sehr viel verdient hätte. Das Risiko eines weiteren Transfers zu einem Club, den ich nicht wirklich kenne, wollte ich aber nicht noch einmal eingehen. Zudem habe auch noch eine Familie. Meine Tochter ist jetzt acht und ich habe sie im vergangenen Jahr nicht oft gesehen, das wollte ich auch ändern. Wir wohnen in Kematen, das heißt, dass ich jetzt mehr Zeit mit meiner Familie verbringen kann, was mich natürlich glücklich macht.

Rundschau: Wann hat dich der SV Reutte kontaktiert?
Koejoe: Bereits im Winter. Zuerst habe ich mir gedacht, dass das Ganze ein Witz sein soll. Ich fragte mich, was ein Amateurclub mit mir anfangen will. Als die Gespräche dann intensiver wurden, kam bei mir Interesse auf. Vor allem in Hinblick auf die Zukunft. Ich berate den Verein auch. Thomas Hackl, der Obmann, hat mich einfach so überzeugt, dass ich letztenendes zum SV Reutte gekommen bin. Der SV Reutte hat auch Ambitionen, höherklassig zu spielen, vielleicht irgendwann in der zweiten Liga. Das taugt mir.

Rundschau: Was erwartest du dir in dieser Saison?
Koejoe: Ganz einfach. Ich bin nach Reutte gekommen, um die ersten fünf Plätze mitzuspielen. Ich bin noch fit und könnte noch locker in der Bundesliga spielen, davon bin ich überzeugt. Auch mit meinen 35 Jahren will ich noch etwas erreichen.

Rundschau: Die Mannschaft des SV Reutte ist sehr jung. Wie schätzt du das Team ein?
Koejoe: Die Mannschaft ist letztes Jahr Meister geworden, das ist gut. Ich weiß aber auch, dass das Team sehr jung ist und eben auch viele Amateure dabei sind, viele müssen noch an sich arbeiten. Ich bin aber erst seit kurzem hier. Die Stimmung passt auf alle Fälle, der Trainer ist sehr gut. Wir werden sehen, wer nun in der höheren Liga mithalten kann. Am Ende des Tages werden nur die Besten überleben – das ist eben so, wenn man nach oben will. Aber zwei Wochen ist eben noch eine zu kurze Zeit, um das Niveau einschätzen zu können. Der erste Eindruck passt.

Rundschau: Gibt es nach der kommenden Saison einen neuen Tiroler-Liga-Torerekord von Sammy Koejoe?
Koejoe (lacht): Ich werde Gas geben, ich werde alles geben. Ich möchte in dieser Liga keine Lachnummer sein. Um das zu erreichen, muss man aber einfach immer versuchen, professionell zu arbeiten. Früh ins Bett gehen, immer konditionell fit bleiben, dann kann ich schon noch etwas erreichen. Aber ein Torrekord – lassen wir uns überraschen.

Rundschau: In Reutte bist nicht nur Spieler, sondern auch Nachwuchstrainer. Machst du eine Trainerausbildung?
Koejoe: Ja, auf jeden Fall. Ich will die Ausbildung von ganz unten auf machen, ich will einfach alles lernen.

Rundschau: Selbst hast du die holländische Fußballschule durchgemacht. Wie hat diese Schule den Trainer Sammy Koejoe geprägt?
Koejoe: Selbst bin ich ein Spätstarter. Ich habe erst mit 13 wirklich begonnen, ernsthaft Fußball zu spielen. Ich habe aber viele Erfahrungen als Spieler gemacht und versuche das auch in die Nachwuchsarbeit einfließen zu lassen.

Rundschau: Vielen Dank für das Gespräch.