Schließungswelle im Anrollen

Das Asylheim Kaifenau wird geschlossen – der Vertrag läuft bis Ende Februar 2018. RS-Foto: Tiefenbacher

Im Bezirk Landeck werden in den nächsten drei Monaten drei Asylquartiere aufgelassen – weitere könnten folgen

 

Im Bezirk Landeck werden in den nächsten drei Monaten drei weitere Asylquartiere aufgelassen: das Asylheim Kaifenau sowie die Flüchtlingsunterkünfte in Pfunds und Zams (ehemaliger Milchhof). Weitere Schließungen sind nicht ausgeschlossen.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Mitte Jänner erklärte Georg Mackner von der Tiroler Soziale Dienste GmbH gegenüber der RUNDSCHAU (Nr. 3) noch: Bis auf die Standortbeendigungen in Schönwies (Widum Ende Jänner und Zangerl-Haus Ende Juli) stehen im Bezirk Landeck keine anderen konkreten Schließungen von Flüchtlingsunterkünften zur Diskussion. Dem ist nicht so. Deshalb überrascht auch die neueste Meldung, dass in den nächsten drei Monaten im Bezirk drei Flüchtlingsquartiere geschlossen werden. Auf der Schließungslis-te steht das Asylheim Kaifenau, wo derzeit 58 Flüchtlinge leben. Der Vertrag endet Ende Februar. Am 31. März wird die Unterkunft in Pfunds (zwei Personen) aufgelöst. Und für die Unterkunft „Milchhof“ (11 Personen) in Zams ist das Ablaufdatum der 30. April.

 

SCHLIESSUNGSKANDIDATEN. Mögliche Schließungskandidaten, auf Grund der bis Jahresende auslaufenden Verträge, sind die Unterkünfte in Serfaus, Strengen, Tobadill, Ried, Fließ-Nesselgarten und Galtür. „Hier müssen wir schauen, wie es weiter geht“, erklärte Mackner. Fix bestehen bleiben die Unterkünfte in Ried, Prutz, St. Anton, Pians und die zweite Unterkunft in Zams. „Für uns ist es eine schwierige Situation. Wir stehen unter Druck, Standorte reduzieren zu müssen“, sagte Mackner. Dies ist darauf zurückzuführen, dass einerseits die große Flüchtlingswelle vorbei ist und andererseits die aktuellen Asylverfahren und Berufungen schneller abgeschlossen werden. Das heißt, die Zahl der Flüchtlinge ist rückläufig und die Vorgabe ist, aus betriebswirtschaftlichen Gründen die Kapazitäten aktuell dem Bedarf anzupassen. „Viele Standorte sind nur zu zwei Drittel belegt“, informierte Georg Mackner. Aktuell sind im Bezirk Landeck in den Unterkünften der Tiroler Soziale Dienste GmbH 197 geflüchtete Menschen untergebracht. Gerechnet wird, dass sich die Zahl der Asylwerber in ein bis eineinhalb Jahren bei etwa 100 einpendeln wird.

 

HAT SICH BEWÄHRT. Die Schließung des Asylheimes Kaifenau brachte Bgm. Dr. Wolfgang Jörg dem Landecker Gemeinderat in der jüngsten Sitzung zur Kenntnis. „Als Stadt hätten wir keinen Einwand gegen eine Vertragsverlängerung ge-habt. Die Stadt lebt seit 14 Jahren gut mit dem Flüchtlingsheim und es hat sich bewährt“, so Jörg. Zu den Gründen sagte der Bürgermeister: Ihm sei seitens der Tiroler Soziale Dienste GmbH mitgeteilt worden, dass die Schließung vor allem aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen, den sinkenden Flüchtlingszahlen und den fälligen Sanierungskosten erfolge. „Das Gebäude stammt aus den 1930er-Jahren. Wie man mir sagte, würde die Sanierung an die 200.000 Euro kosten und das sei zuviel“, berichtete Jörg.

 

EMPÖRUNG. Für Aufregung sorgte die Schließungsmeldung bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Heimes in der Kaifenau. „Die Schließung erfolgt auf dem Rücken der Asylwerber“, empörte sich eine ehrenamtliche Mitarbeiterin. Mit der Schließung gehe nicht nur die zentrale Anlaufstelle für die Flüchtlinge des gesamten Bezirkes verloren, es sei auch fraglich, ob jene, die in einem Lehr- bzw. Beschäftigungsverhältnis stehen, dann noch ihren Lehr- bzw. Arbeitsplatz halten können. Sie sei auch besorgt, dass die Flüchtlinge durch die Schließungsmaßnahme kaum mehr gemeinnützige Tätigkeiten ausüben können. „Dies schmälert ihr Einkommen“, gibt die ehrenamtliche Mitarbeiterin zu bedenken. Und was sie besonders aufregt: All die jahrelange engagierte Aufbauarbeit, in der ein Netz aus Kontakten und 90 Ehrenamtlichen geschaffen wurde und die das Leben der Asylwerber nachhaltig verbesserte, geht mit einem Federstrich verloren.

 

PROBLEMATIK BEWUSST. Georg Mackner ist die Problematik bewusst, die durch die Schließung des Heims in der Kaifenau entsteht. „Für die drei hauptberuflichen MitarbeiterInnen und den Zivildiener braucht es eine respektvolle Lösung“, sagte Mackner und versprach zu schauen, dass die vorher genannten weiterhin im Bezirk Landeck beschäftigt werden können. So gut wie möglich will Mackner die Ehrenamtlichen weiterbeschäftigen. Mackner: „Ihre Arbeit ist unbezahlbar.“ Für die HeimbewohnerInnen wird eine Prioritätenliste erstellt: Jene, die eine Arbeit haben oder eine Lehre machen, können im Bezirk Landeck bleiben. „Wir werden versuchen so viele BewohnerInnen wie möglich hier im Bezirk unterzubringen. Ich möchte aber nicht ausschließen, dass einige in den Bezirk Innsbruck-Land oder nach Imst übersiedeln müssen“, sagte Mackner.

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