SeneCura Haiming stockt auf

Das SeneCura-Pflegezentrum zollt der großen Nachfrage Tribut und will das Haus in Haiming um 20 Vollbetten erweitern. RS-Foto: Suitner

Heimerweiterungspläne und Verleihung des „Schmerzzertifikats“

Mit ganz besonders positiven Schlagzeilen macht das Sozialzentrum SeneCura der Region Ötztal aktuell von sich reden – zum einen wurden zwei der hochwertigsten Zertifizierungen an die Heime in Haiming und Oetz vergeben, zum anderen wird aufgrund des entsprechenden Bedarfs die Bettenkapazität in Form eines Zubaus in Haiming aufgestockt. Im Zuge des schon traditionellen „Candle Light Dinners“ für die Heimbewohner wurde diesen und den anwesenden Angehörigen der Hintergrund des kürzlich erworbenen „Zertifikats der Deutschen Schmerzgesellschaft“ erläutert, mit dem „Nationalen Qualitätszertifikat“ konnte dazu das vom Ministerium ausgestellte Gütesiegel der höchsten Qualitätsstufe für die kommenden drei Jahre erworben werden.

Von Wolfgang Suitner

Über 120 Personen waren an der festlichen Tafel in Haiming versammelt, als Karlheinz Koch, Leiter des Sozialzentrums der Region Ötztal, stolz das vor kurzem von der Deutschen Schmerzgesellschaft verliehene Zertifikat präsentieren konnte und den dahinter verborgenen enormen Aufwand darlegte: „Unser erklärtes Ziel war die größtmögliche Minimierung und Reduktion der Schmerzen für unsere Heimbewohner. Wir wollten keine Urkunde erlangen, sondern einen praktischen Nutzen generieren und den Weg zu einem schmerzfreien Pflegeheim umsetzen, was in erster Linie dem Verdienst unseres ausgezeichneten Pflegepersonals zuzuordnen ist.“

Wissenschaftliche Herangehensweise.

Im Jahr 2011 begannen dazu die wissenschaftlichen Arbeiten in Kooperation mit Professor Jürgen Osterbrink, Institutsvorstand der Medizinischen Paracelsus Universität in Salzburg, um in einem ersten Schritt herauszufiltern, welche Erhebungsmöglichkeiten es bereits für die Schmerzmessung bei alten Menschen gibt. Nachdem das Ergebnis ernüchternd ausfiel, war man gefordert, neue Wege zu beschreiten und eigene Methoden zu kreieren. „Die größte Herausforderung dabei war, auch Informationen von Menschen mit Demenz-Erkrankung zu erhalten, die nicht bzw. kaum in der Lage sind, sich zu artikulieren“, so Koch. Als erfolgreiches Resultat der gemeinschaftlichen Bemühungen konnte man Skalen auf Basis von Verhaltensbeobachtung ausarbeiten, mit denen in weiterer Folge zielgerichtete, paramedizinische Behandlungsmethoden und Pflegemaßnahmen zur Schmerzreduktion eingeleitet wurden. Ein weiterer wichtiger Baustein war die Einbindung und Schulung der Hausärzte, die sensibilisiert wurden, sich aufgrund von Entspannungszeichen ihrer Patienten an die richtige Medikamenten-Dosierung heranzutasten.

„Pain-Nurse“- Ausbildung.

„Auch wenn der wörtlich übersetzte Begriff ,Schmerzschwester‘ doch recht hart klingt, so ist der praktische Wert dieser speziell geschaffenen Ausbildung unbezahlbar“, berichtet Karlheinz Koch. Dabei handelt es sich um einen Fernlehrgang, der von der Deutschen Schmerzgesellschaft mit einer abschließenden PC-Prüfung angeboten wird und allen Absolventen das gleiche Basiswissen im Bereich der Schmerztherapie verschafft. Mittlerweile nehmen in den 78 SeneCura-Einrichtungen bereits über 90 Prozent der diplomierten Pfleger an dieser Ausbildung teil, die eine enorme Erleichterung für die Bewohner der Heime im Alltagsleben darstellt. Auch die in Pflegedokumentationen eingebauten Assessments, die jeder Heimbewohner individuell durchläuft, stellen eine gute Basis für die bewusste und zielgerichtete Schmerzbehandlung dar.

Qualitätsjahr 2017 mit Pilothaus in Haiming.

Nachdem bereits seit vier Jahren in Haiming und Oetz erfolgreich an der Umsetzung eines schmerzfreien Pflegeheims gearbeitet wurde und man dadurch einen gewissen Vorsprung gegenüber den anderen Einrichtungen generieren konnte, war die Einreichung bei der Deutschen Schmerzgesellschaft die logische Konsequenz. „Mit dieser Auszeichnung waren wir europaweit die ersten, in der Zwischenzeit sind es zwölf Heime, denen dieses Zertifikat ebenfalls übereicht wurde“, berichtet Karlheinz Koch. Dass das Jahr 2017 den Begriff „Qualitätsjahr“ mehr als nur verdient, ist dem Umstand geschuldet, dass auch das „Nationale Qualitätszertifikat“ für die Dauer von drei Jahren vom Ministerium in Wien ausgestellt wurde. „Wir hatten zwei Tage durchgehend zwei Prüfer im Haus, die sich alles bis ins kleinste Detail angeschaut und viele Interviews geführt haben. Mit diesem Siegel sind wir das erst vierte Heim von insgesamt 87 Einrichtungen in Tirol, welches sich über diesen hohen Standard, noch dazu freiwillig umgesetzt, freuen darf“, so Koch.

Pflegebedarf steigt enorm.

Aufgrund der in den letzten Jahren in Haiming und Oetz eingegangenen Anmeldungen war abzulesen, dass der vorhandene Platz mit der aktuellen Bettenanzahl nicht mehr ausreicht. Aus den fünf Verbandsgemeinden Umhausen, Sautens, Roppen, Oetz und Haiming haben über 30 Personen um Aufnahme in eines der beiden Pflegeheime angesucht, worauf Sozialzentrumsleiter Karlheinz Koch die betroffenen Bürgermeister informierte. Auch diese sahen akuten Handlungsbedarf gegeben, was zu einem Treffen mit Gesundheitslandesrat Tilg und dem obersten Beamten der Abteilung Soziales beim Land Tirol, Hofrat Johann Wiedemair, in Innsbruck führte. „Trotz des bestehenden Pflege- und Strukturplans des Landes für 2012 bis 2022 gelang es, „diesen Deckel aufzuschnüren“ und innerhalb eines einstündigen, konstruktiven Gesprächs eine Genehmigung für weitere 20 Betten zu erhalten“, freut sich Koch über die Unterstützung auf Landesebene.

20 weitere Vollbetten fix in Planung.

Basis für die rasche Zusage des Landes waren die in diesem Jahr erfolgte Zwischenevaluierung und das „Feintuning“, wie es Karlheinz Koch bezeichnet, um die genaue Planung der Vollbettenauslastung statistisch auszuwerten. „Dass der bestehende Pflege-Rahmenplan adaptiert wird und man die Genehmigung für einen weiteren Ausbau innerhalb der Gültigkeitszeit bis zum Jahr 2022 erhält, ist dem absolut hineinpassenden Projekt und dem gegebenen Bedarf geschuldet“, weiß Koch zu berichten. In Kürze soll das Vorhaben innerhalb des Gemeindeverbandes für Wohn- und Pflegeheime der fünf Gemeinden des vorderen Ötztales bestätigt werden, sodass einer baulichen Umsetzung in Form des Aufbaus eines zusätzlichen Stockwerks in Haiming nichts mehr im Wege steht. Aber auch der Umbau selbst unterliegt besonderen Umständen, die es zu berücksichtigen gilt, müssen doch Ruhezeiten für die Heimbewohner penibel eingehalten werden, um den Alltag reibungslos weiterlaufen lassen zu können.

Erfolgsgeschichte „SeneCura“.

Anhand der beiden Heim-Aushängeschilder in Oetz und Haiming wird die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens „SeneCura“ mehr als deutlich, wie Karlheinz Koch schildert: „Grundgedanke bei der Gründung war die Idee, kein ,klassisches Pflegeheim‘ zu entwickeln, sondern dieses auf Basis eines Hotelbetriebs zu sehen und umzusetzen.“ Gutes Essen, eine schöne Einrichtung, hervorragend ausgebildete Mitarbeiter mit „freundlichen Gesichtern“ sind wesentliche Eckpfeiler der Unternehmensphilosophie. Neben fachlichem Know-how sind Menschlichkeit, Wertschätzung und Respekt die zentralen Inhalte, die die tägliche Arbeit in den SeneCura-Häusern prägen. „Im September bieten wir unseren Bewohnern zudem die Möglichkeit, in anderen Heimen Urlaub zu machen und sich einer ,Luftveränderung‘ zu unterziehen. Dieses Programm, das mit täglichen Ausflügen ,garniert‘ wird, findet großen Anklang, ebenso die speziell entwickelten Ernährungskonzepte“, freut sich Karlheinz Koch über die hohe Qualität seiner Häuser, die sich nicht zuletzt in der zweifachen Auszeichnung manifestiert hat.

Präsentierten stolz die Auszeichnung mit dem „Zertifikat der Deutschen Schmerzgesellschaft“ – Karlheinz Koch (Sozialzentrumsleiter Ötztal), flankiert von den beiden Diplompflegerinnen Lydia Holzknecht (l.) und Sabrina Allneider (r.). RS-Fotos: Suitner
Heimleiter Karlheinz Koch im angeregten Gespräch mit einigen Heimbewohnern.
Die im Haus herrschende Herzlichkeit zeigt sich anhand der guten Stimmung beim nachmittäglichen Plauderstündchen.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.