Simone Turra

Die Kunsthistorikerin Elisabeth Maireth im Gespräch mit der RUNDSCHAU über Werdegang und Werke des Ausnahmekünstlers Simone Turra aus Trient. Für sie ist Simone Turra ein „besonders gutes Beispiel mit und in seinem Kunstwollen für einen gelungenen und gelebten Austausch“. RS-Foto: Bundschuh

Skulpturen und Zeichnungen des Trienter Bildhauers in Imst

Die Galerie Theodor von Hörmann beginnt das Galeriejahr 2018 mit einer archaisch anmutenden Ausstellung, mit Bildhauereien und Radierungen, die der Zeit entrückt zu sein scheinen. Die RUNDSCHAU traf die Kunsthistorikerin Elisabeth Maireth zum Austausch über den herausragenden Künstler.

Von Friederike Bundschuh

Es war ein spannender Nachmittag gefüllt mit Themen wie „Warum“ Simone Turra in Imst, Werdegang und Entwicklung des Künstlers und seiner Werke, Einflüsse, Arbeitsmaterialien und vielem mehr. Elisabeth Maireth ist Mitglied im Galeriebeirat Imst, kannte den Künstler von früheren Ausstellungen und schlug seine Werke – passend auch zu den freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen Tirol und dem Trentino im politischen Alltag gepflegt werden – für die „Startvernissage“ vor. Ein Brückenschlag der besonderen Art, ist Simone Turra doch ein „besonders gutes Beispiel mit und in seinem Kunstwollen für einen gelungenen und gelebten Austausch“, wie die Kunsthistorikerin erklärt.

Werdegang.

Simone Turra, 1969 in Transacqua (Trient) geboren, besucht von 1983 bis 1988 die Kunstoberschule in Pozza die Fassa in Trient und schließt daran das Studium der Bildhauerei an der Brera-Kunstakademie in Mailand an, das er 1992 bei Prof. Giancarlo Marchese abschließt. Schon während dieser Zeit knüpft er freundschaftliche Kontakte zu Südtiroler Künstlern, allen voran zum Bildhauer Lois Anvidalfarei, mit dessen künstlerischer Tradition sich Simone intensiv auseinandersetzt. Auch die Lehrmeinungen der bekannten österreichischen Bildhauer Fritz Wotruba oder Joannis Avramidis sind ihm nicht fremd, beziehen sich doch beide auf die Verdichtung der menschlichen Figur bei gleichzeitiger Abstraktheit der Form. Insofern können die Zeichnungen, Radierungen und Skulpturen von Simone Turra als archaisch, klassisch und modern, einfach „der Zeit entrückt“ klassifiziert werden und bilden eine außergewöhnliche Ausstellungslandschaft zu „Im Moment – Mensch – Sein“. Der Künstler lebt und arbeitet in Tonadico di Primiero.

Turras Werk.

Simone arbeitet mit verschiedenen Werkstoffen wie Holz, Terrakotta, Marmor oder Bronze und schafft damit ein Nebeneinander von glatten oder aufgebrochenen, beinahe verletzt wirkenden Oberflächen. Anstatt Materie einem (Marmor-)Block wegzunehmen, fügt er Materie kontrastreich in Form von Bronze, Holz oder Gips dazu. Die Skulpturen wirken so, als ob sie der harten Arbeit eines Holzfällers entwachsen. Es entstehen primitive menschliche Figuren, denen eine „sehr wirkungsvolle vitale Energie innewohnt, Figuren, mit welchen sich Turra zum Archäologen seiner selbst macht“, wie Gino die Maggio den Künstler charakterisiert. Die Figuren, Köpfe oder Torsi werden auch in Gruppen unter Einbeziehung vegetabiler Elemente – vornehmlich Bäume – kombiniert und wirken dadurch besonders spannend. „Auf der einen Seite dem Naturvorbild entnommen, hochgewachsen, verwurzelt und mit beiden Beinen am Boden stehend, auf der anderen Seite in unterschiedlichsten Positionen dem Schlaf hingegeben, der in seiner Tiefe an den Tod erinnert“, erläutert Elisabeth Maireth. Vervollkommnet wird das Werk Turras durch seine Radierungen und Zeichnungen. Körper werden aus ungewohnter Perspektive mit nur wenigen Bleistiftstrichen eingefangen und damit nicht zweidimensional sondern in einer spektakulären Drei-Dimensionalität dargestellt. Simone Turra: „Die menschliche Figur ist Erfahrungsträger, Reflektion des Erlebten, verankert in der Wirklichkeit. Sich an der menschlichen Figur messen, nach Jahrtausenden der Kunstgeschichte, erfordert vermessenen Mut.“

Simone Turra arbeitet mit verschiedenen Materialien wie Holz, Bronze, Terrakotta oder Marmor und gruppiert seine Skulpturen gerne unter Einbeziehung vegetabiler Elemente, wie zum Beispiel Bäume. „Dadurch wirken diese besonders spannend“, wie Elisabeth Maireth erklärt. RS-Repro: Bundschuh

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