„So eine Chance kommt so bald nicht wieder!“

Unterwegs im Dienste einer Tiroler Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2026: Die Pitztaler Ski-Legende Benni Raich. RS-Foto: Matt

Pitztaler Ski-Legende und Olympia-Botschafter Benni Raich im Gespräch mit der RUNDSCHAU

Seit Monaten wirft der 15. Oktober seine Schatten voraus. Während die Wahlberechtigten aller neun Bundesländer über die Machtkonstellation im zukünftigen Parlament abstimmen, entscheiden die Tiroler zusätzlich auch über eine mögliche Bewerbung als Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2026. Um Medaillen wird die Pitztaler Ski-Legende Benni Raich zwar nicht mehr rittern, eine Lanze möchte er aber trotzdem für die völkerverbindende Großveranstaltung in seiner Heimat brechen. Mit der RUNDSCHAU sprach Raich über Chancen, Risiken und warum manchmal ideelle Werte nicht mit Geld aufzuwiegen sind.

Von Manuel Matt

Tirol und Olympia – „beides hat mir viel gegeben“, sagt Benni Raich, „nicht nur als Sportler, sondern auch als Einwohner und Familienvater.“ Zwar sei er von Landeshauptmann Platter und dem Österreichischen Olympischen Comité (ÖOC) um seine prominente Stimme für die Winterspiele in Tirol gebeten worden, überzeugt hätte ihn aber erst das vorgelegte Konzept der Landesregierung. „Es wurde mit Augenmaß geplant – das gefällt mir“, betont der Athlet, der von den Olympischen Winterspielen in Turin 2006 mit zwei Goldmedaillen im Slalom und Riesenslalom heimkehrte.

Zeit für Veränderung.

Die Austragung in heimischen Gefilden wäre nicht nur eine Chance für Tirol mit seiner Landeshauptstadt Innsbruck, sondern auch für das Internationale Olympische Komitee (IOC), ist Raich überzeugt – weg von der viel kritisierten Gigantomanie der letzten Jahre, hin zu kleineren, verträglichen Spielen: „Es braucht eine Veränderung“, meint der zweifache Olympia-Teilnehmer aus dem Pitztal.

Erste Voraussetzung für diese Trendumkehr bleibt aber das „Ja“ der Tiroler auf die Frage am 15. Oktober: „Soll das Land Tirol ein selbstbewusstes Angebot für nachhaltige, regional angepasste sowie wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Olympische Spiele 2026 legen?“ Diese durchaus ungewöhnliche Formulierung sorgte bei Bekanntwerden für hitzige Diskussionen in den Medien, aber auch in den Sozialen Netzwerken. Vielfach war von einer Suggestivfrage – also einer Frage, bei der eine Antwort als besonders naheliegend scheint – die Rede, der bekannte Verfassungsexperte Heinz Mayer äußerte sich ebenfalls kritisch über die Formulierung. Ein Verfassungsexperte sei er zwar nicht, meint Raich lächelnd, er sehe die Fragestellung aber als eine Bindung für die politischen Verantwortlichen, wie die Olympischen Spiele bei einem Zuschlag für Tirol auszusehen haben: „Daran muss sich die Politik halten!“

Licht und Schatten.

„Im Falle einer Bewerbung haben wir gute Aussichten auf den Zuschlag“, vermutet der Sportler – denn es spreche vieles für Tirol als Austragungsort: „Die nötige Infrastruktur ist da“, betont Raich. Bei manchen Sportstätten bedürfe es vielleicht einer Adaptierung, die aber so oder so passieren müsse. „Die Stätten werden nach den Spielen auch weiter verwendet – nicht nur aus sportlicher Sicht, sondern auch etwa für Konzerte“, so der Pitztaler. Für die Durchführung der Spiele plant das Land Tirol ein Budget von rund einer Milliarde Euro. „Das ist aber eher konservativ gerechnet – eher wird etwas überbleiben“, vermutet Raich, der sich dabei nicht nur auf die Meinung eines Mannes seines Vertrauens – seinen Steuerberater –, sondern auch auf die Erfahrungen bei den Youth Olympic Games (YOG) beruft, die 2012 in Innsbruck ausgetragen wurden: „Da wurde ein Überschuss von rund 3,3 Millionen Euro erwirtschaftet“, argumentiert Raich. Zudem würde das IOC etwa 925 Millionen Euro beisteuern. „Dazu kommen noch Eintrittsgelder, gesteigerte Nächtigungszahlen und Konsum – überhaupt richten sich die Ausgaben nach den Einnahmen“, gibt der Sportler zu bedenken: „Es sollte sich ausgehen, es braucht aber das Vertrauen der Menschen in das Budget – denn so eine Chance kommt so bald nicht wieder“, appelliert Raich.

Gleichzeitig komme es aber auch darauf an, den Menschen nicht zu viel zu versprechen: „Eine 100-prozentige Garantie kann es auch bei einem Budget nicht geben“, betont der ehemalige Profi-Skirennläufer. Auch müsse klar sein, dass selbst „Olympische Winterspiele mit Augenmaß“ nicht ohne einen gewissen ökologischen Fußabdruck passieren können. Dies basiere aber eher beispielsweise auf der Anreise und Unterbringung der Athleten, nicht auf baulichen Maßnahmen. Das Risiko für eine oftmals befürchtete Teuerungswelle bei Lebensmitteln und Wohnraum durch Großveranstaltungen dieser Art schätzt Raich als gering ein: „Das muss nicht zwangsläufig so sein“, so der Pitztaler.

Ärger und Ängste.

Einer der erbittertsten Gegner einer Olympia-Bewerbung im Tiroler Landtag ist die Liste Fritz, deren namensgebender Gründer Fritz Dinkhauser einst als Bobfahrer an den Olympischen Winterspielen 1968 in Grenoble teilnahm. Zwar hege er Verständnis für die kritische Haltung des Politikers, meint Raich, „durchschaubar“ sei sie aber trotzdem. Immerhin zeichne sich die politische Gruppierung dadurch aus, dass sie „immer dagegen sind. Alle anderen Parteien sind prinzipiell dafür“, sagt Raich, der gleichzeitig daran erinnern möchte, dass die Liste Fritz bei den Landtagswahlen 2013 lediglich 5,6 Prozentpunkte erreichte und somit nur einen kleinen Teil der Bevölkerung vertrete.

Ebenfalls Verständnis zeigt Raich für die Befürchtungen, dass angesichts der weltweit angespannten Lage eine internationale Großveranstaltung wie die Olympischen Winterspiele Tirol zu einem Ziel für Terroranschläge machen könnte. Es komme aber darauf an, Mut zu beweisen, findet der Familienvater: „Wenn wir uns davon einschüchtern lassen, gewinnen die Wahnsinnigen!“

Leuchtende Augen.

Dass eine Großveranstaltung wie Olympia nicht ohne erheblichen finanziellen Aufwand auskomme, sei klar, meint Raich, es wäre aber ein Fehler, nur die monetären Aspekte zu sehen: „Ich habe gerade erst mit einem 89-Jährigen aus meinem Heimatort gesprochen, der als begeisterter Skifahrer bei den Olympischen Spielen 1964 in Innsbruck mitfieberte. Wenn er diese Geschichten von damals erzählt, bekommt er leuchtende Augen – das sollte man nicht unterschätzen!“ Stets rede man nur von „irgendwelchen Zahlen“, fordert Raich, auch ideelle Werte in die eigene Entscheidung für Olympia miteinzubeziehen: „Es geht darum, dass positive Geschichte geschrieben wird, so viele unschätzbare Erinnerungen zurückbleiben – das ist für mich fast noch wichtiger als die entstehenden Kosten.“

Tiroler Entscheidung.

Angesichts der bald bevorstehenden Volksbefragung möchte der Pitztaler Sportler für die RUNDSCHAU keinen Blick in die Kristallkugel wagen. Er hofft auf informierte Bürger bei der Abstimmung am 15. Oktober: „Wir können Spiele ausrichten, wo Begeisterung zu sehen ist. Das ist eine Riesenchance – für den Sport, für die Wirtschaft, die Jugend und die gesamte Region und Gesellschaft. Passiv zu sein reicht nicht. Jetzt mag es uns gut gehen, das ist klar – 2026 könnten wir einen Impuls vielleicht gut gebrauchen!“

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.