Sozialdemokratische Liste ohne Gerhard Reheis

Nimmt Abschied vom Amt des Klubobmanns und bleibt der Bezirkspartei dennoch erhalten – Gerhard Reheis. RS-Foto: Matt

Der scheidende SP-Klubobmann im RS-Gespräch über die Landtagswahl, sozialen Frieden und Rechtsruck

Wie das Wahlergebnis für die Tiroler Sozialdemokraten am 25. Februar auch ausfallen mag, der momentan amtierende Klubobmann Gerhard Reheis wird jedenfalls nicht mehr im Landtag vertreten sein. Mit der RUNDSCHAU sprach Reheis über Probleme und Herausforderungen im Land, den kommenden Urnengang und seine beherrschenden Themen.

Von Manuel Matt

Sein Ziel sei immer gewesen, rechtzeitig loszulassen, offenbart Gerhard Reheis. Seit der letzten Landtagswahl im Jahr 2013 lenkte der Imster die Geschicke des Tiroler SPÖ-Klubs – eine Fackel, die nun bald weitergegeben wird, verzichtet Reheis doch auf einen Platz auf der sozialdemokratischen Liste. Wer nachfolgt, sei derzeit aber noch ungewiss: „Das hängt vom Wahlergebnis ab, die Karten werden neu gemischt“, meint Reheis. Hauptsache sei aber, dass die nächste Generation die nötigen Erfahrungen sammeln könne – „und dafür müssen die entsprechenden Ämter zur Verfügung stehen“, so der Imster Altbürgermeister.

Wahlkampf.

Gänzlich verabschieden wird sich Reheis vom politischen Alltagsgeschäft aber nicht, sondern bleibt den Sozialdemokraten als Mitglied des Imster Bezirksparteivorstands erhalten. Wirklich spurlos wird so auch der kommende Wahlkampf nicht an ihm vorbeigehen: „Ich werde überall mithelfen, wo ich kann – sei es auf der Straße, bei Verteilaktionen oder bei Hausbesuchen“, kündigt Reheis an. Angeführt wird die Landespartei derweil von der Vorsitzenden Elisabeth Blanik, die als Lienzer Bürgermeisterin Platz zwei im Osttiroler Wahlkreis belegt. Als landesweite Spitzenkandidatin steht die Lienzer Bürgermeisterin und SP-Landesparteivorsitzenden Elisabeth Blanik in den Startlöchern, während aus dem Oberland Benedikt Lentsch (6., Landeck) und Alexandra Zolitsch (7., Haiming) auf der landesweiten Liste grüßen. Für den Bezirk Imst stehen Vincenzo Diana (1., Imst), Alexandra Zolitsch (2., Haiming), Süleyman Kilic (3., Oetz), Eda Celik (4., Imst), Simone Huber (5., Obsteig) und Lukas Matt (6., Imst) zur Wahl bereit. Insgesamt befinde sich die SPÖ so auf einem guten Weg, urteilt Reheis – und auch erste Umfragen räumen den Sozialdemokraten ein stabiles Ergebnis, teilweise auch leichte Zugewinne ein.

Themen.

Freilich braucht ein Wahlkampf nicht nur Gesichter und Persönlichkeiten, sondern auch Fragen und Probleme, die dem Volkssouverän unter den Nägeln brennen. Auf die Frage nach den „heißen Eisen“ scheint Reheis jedenfalls nicht sonderlich lange überlegen zu müssen: „Eine Herausforderung bleibt leistbares Wohnen in einem Hochpreisland wie Tirol.“ Um das Dach über dem Kopf nicht zum Privileg werden zu lassen, müsse die Politik die verstärkte Schaffung von sozialem Wohnraum forcieren. „Das muss in jedem Dorf passieren, nicht nur in den Ballungszentren“, fordert Reheis, der darin auch eine Strategie gegen die Abwanderung aus ländlichen Gebieten sieht. Gerade junge Menschen würden oft nur zu gerne in ihren Heimatgemeinden bleiben, doch dort sind Wohnraum und Jobperspektiven zumeist rares Gut. „Dabei sind junge Menschen ein wichtiger Bestandteil einer lebendigen Gemeinde“, meint der Politiker. Eine andere Bedingung des leistbaren Wohnens seien aber auch faire Einkommen – ein Bereich, wo Tirol laut einer Studie der Arbeiterkammer (AK) trotz starker Wirtschaftszahlen im unteren Drittel österreichweit angesiedelt ist. Es sei höchste Zeit, dass die Früchte einer steigenden Konjunktur auch an Arbeitnehmer weitergegeben werden – und zwar auch unabhängig vom Geschlecht, denn Frauen würden auch heute noch im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen deutlich weniger verdienen, kritisiert Reheis.

Unnötige Armut.

Politischer Dauerbrenner bleibt leider auch die prekäre Situation in vielen Tiroler Geldbörsen. Zu bekämpfen sei aber die Armut selbst, nicht die Betroffenen. „Tirol ist immerhin ein reiches Land und hätte Armut nicht nötig“, betont Reheis. Da am üppig gedeckten Bankett nicht alle Menschen einen Platz zu haben scheinen, brauche es wieder ein starkes soziales Netz. „Es ist erschreckend, wie so viele mit so wenig auskommen müssen“, sagt Reheis und bedauert, dass die Scham viele Hilfesuchende verstummen lässt.

Betreuung & Bildung. Als ein anderes Anliegen nennt Reheis die Betreuung von Kindern und älteren Mitbürgern. Hier wäre der sozialdemokratische Wunsch eine „Betreuung von null bis hundert Jahren“, die unabhängig von Herkunft, Einkommen und sozialer Schicht den Menschen zur Verfügung stehen sollte. Ähnlich verhält es sich mit der Schulbildung, die Kindern aus allen Haushalten dieselben Chancen bieten müsse. Zudem solle auch ein Fokus auf den Umgang mit neuen Technologien und dem Internet gelegt werden: „Wir dürfen die Kinder nicht unvorbereitet in die Zukunft entlassen“, fordert Reheis, der am 7. Januar seinen 63. Geburtstag feierte.

Regierung & Opposition.

Seit 1945 stellte die SPÖ auf Bundesebene in 16 von 29 Regierungen den Bundeskanzler, in Tirol waren die Sozialdemokraten bis 2013 in jeder Landesregierung seit Gründung der Zweiten Republik mit an Bord. „Die SPÖ ist eine Partei des Gestaltens, ist staatstragend und hat viel bewegt“, streut Reheis seiner Bewegung Rosen und gibt als Ziel vor, wieder vermehrt zur Regierungspartei zu werden: „Das schafft mehr Möglichkeiten in der Umsetzung von Maßnahmen.“ So habe man in vergangenen Regierungen wichtige Impulse im Sozial- und Integrationsbereich setzen können, „welche die Menschen gemerkt haben“. Dabei sei es unumgänglich, nicht zwischen Kriterien wie Herkunft, Geschlecht und Einkommen zu unterscheiden und gleichzeitig Verschlechterungen bei der Bekämpfung von Armut und Obdachlosigkeit sowie der Versorgung von Flüchtlingen entschieden entgegenzutreten: „Das ist die Basis für sozialen Frieden“, meint der Sozialdemokrat. Auch deshalb sei die momentane Arbeit in der Opposition überaus wichtig, findet Reheis. Das sozialdemokratische Profil gehöre „immer geschärft – gerade jetzt bei den herrschenden sozialen Unterschieden“, betont der Klubobmann und übt scharfe Kritik am Programm der Bundesregierung: „Die Lobbys wurden von der Regierung bedient – das zeigt beispielsweise der Zwölf-Stunden-Tag. Vieles im Regierungsprogramm wird der Mehrheit der Menschen schaden, während wenige profitieren werden.“

Rechtsruck & Aussicht.

Beobachter aus Nachbarländern orten seit Jahren einen Rechtsruck in der österreichischen Bevölkerung – und das sei auch tatsächlich so, meint Reheis: „Ich sehe den Rechtsruck, auch als Spiegelbild der Gesellschaft. Das ist aber nicht nur ein österreichisches, sondern auch ein globales Problem.“ Das Schüren von Ängsten, das Basteln von Feindbildern feiere Hochkonjunktur, während Gemeinsames in den Hintergrund trete: „Die Menschen erwarten sich Hilfe von rechten Parteien, bekommen aber zumeist das Gegenteil“, analysiert Reheis, der anhand aktueller Umfragen auch Tirol auf dem Weg hin zu einer schwarz-blauen Regierung sieht.

Dankeschön.

Seit 1980 engagiert sich der gelernte Schriftsetzer und Kaufmann Gerhard Reheis in der Politik – eine lange Zeit mit vielen Herausforderungen, die alleine nicht zu bewältigen gewesen wären: „Das wäre als Einzelkämpfer nicht möglich gewesen“, erzählt Reheis und dankt Wählern und Wegbegleitern für die Unterstützung in all diesen Jahren.

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.