Spielfeld voller Tattoos

Liebe FreundInnen kunstvoll verzierter Körper!

Unlängst sah ich ein Fußballspiel zwischen Bayern München und Real Madrid. Neben der grazilen Ästhetik, mit der die Ballzauberer das runde Leder streicheln, faszinierte mich die Athletik der Kicker. Doch dieses Mal stach mir noch was anderes ins Auge. Die Topstars sind wie wandelnde Litfaßsäulen. Firmenlogos belagern Hosen und Leibchen. Die nicht durch Textilien bedeckte Haut gleicht bei einem Großteil der Fußballer einer Kunstausstellung. Arme, Beine, Hals und auch Teile des Kopfs sind tätowiert.

Als Kulturfreund finde ich diese einfallsreiche und bunte Variante des Pfauen- und Gockelgehabes durchaus originell. Als Menschenfreund mache ich mir ein wenig Sorgen. Sportler, die mehrmals täglich schwitzen, sollten doch neben ihrer Lunge auch das ebenso wichtige Atemorgan der Haut schonen und schützen. Okay, ein kleines Herz am Unterarm für die süße Maus zuhause wird der Sauerstoffaufnahme nicht schaden. Aber fast der ganze Körper mit Tinte gestochen? Niemand weiß, ob das gesund ist. Entsprechende Langzeitstudien gibt es nicht.

Egal, was die Forschung dereinst an Ergebnissen liefern wird: Fakt ist, dass ich persönlich schlicht zu alt bin, um bei diesem Thema mitreden zu können. Das war schon vor ein paar Jahren so, als unser Jüngster mit 16 sich sehnlichst ein Tattoo wünschte. Meine Antwort, es handle sich dabei um Selbstverstümmelung und eine solche lasse ich als Erziehungsberechtigter bis zur Volljährigkeit nicht zu, kam alles andere als gut an. Als sich meine Kinder dann später eigenverantwortlich ein bisschen ihre Haut verschönern lassen wollten, probierte ich es mit Ratschlag statt Verbot. Ich riet unseren Sprösslingen, sich keinesfalls den Vornamen ihrer jeweiligen LebensabschnittspartnerInnen tätowieren zu lassen. Sowas schränkt dramatisch ein. Denn dann sollte die nächste Freundin gleich heißen wie die Vorgängerin. Nur damit das Tattoo passt!

Meinhard Eiter


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