Standing Ovations – Theaterforum Humiste brilliert

Roswitha Matt: Gesucht wird ein Partner „zum Redn“, bevorzugt homosexuell, weil anscheinend hat sie‘s mit dem „Sexzuig“ ja nicht so. Toll dargestellt, aber schwer zu glauben bei ihrem lasziven Talent. RS-Fotos: Bundschuh

Liebesgschichten und Heiratssachen

Mit „Liebesgschichten und Heiratssachen“ von Elizabeth T. Spira landete die Schauspieltruppe der Bühne Imst Mitte einen Premierenabend der Sonderklasse. Das Publikum des bis auf den letzten Platz besetzten Hauses bedankte sich für die hervorragende künstlerische Leistung von Roswitha Matt, Leni Rauch, Irene Zoller, Karl Heinz und Johannes Tollinger unter Regisseur Michael Rudigier und Regieassistenz Viktoria Matt mit stürmischem Beifall.

Von Friederike Bundschuh

Nun seitens der Autorin waren Originaltexte von Menschen vor der Kamera vorgegeben, sonst aber nichts. Eine echte Chance und enorme Freiheit für Dramaturgie, Darstellung, Bühne, kurz für das gesamte Team einer Schauspieltruppe. Eine abgesehen von den Monologen gänzlich freischwebende Aufführung bietet aber auch gewaltige Möglichkeiten, sich auf der Bühne hoffnungslos zu „vergalloppieren“ und sagenhaft abzustürzen, spannend also. Humiste ging gehobenen Hauptes „über das Seil“. Respekt: Die einzelnen darzustellenden Figuren – und es waren nicht wenige und außerdem höchst unterschiedliche Charaktere – waren den DarstellerInnen mit großem Feingefühl seitens Regie „auf den Leib geschneidert“ worden, stimmig, authentisch, lebensnah. Gerade mit so viel Komik wie sie Menschen vor der Kamera bei der Suche nach dem Partner, wohl einem der großen Themen des Lebens eben, zeigen. Höchst Lachhaftes und abgrundtiefe Trauer liegen hier sehr eng beieinander und die „Gratwanderung“, dieses aufzuzeigen, ist Humiste in einem sensiblen Spiel von Mimik und Gestik gelungen.

Heikel aber geschafft.

Der in einer solchen Aufführung stets drohende Absturz in den „Klamauk“ auf der Suche nach den „Lachern“ wäre desaströs gewesen. Um eine „österreichische Komödie“, wie das Stück in einem Printmedium angekündigt wurde, handelt es sich bei den „Liebesgschichten“ nur sehr bedingt. Hier äußern Menschen ihre ganz persönlichen Wünsche, Hoffnungen, Ängste und intimen Träume. „Und ganz Österreich schaut begeistert zu. – Das ist schon irgendwie nicht ins Lächerliche zu ziehen! – Also wenn sich jemand finden würde, hätt ich a Freud (aus dem Text).“ Humiste konnte all dieses, auch Widersprüchliches authentisch vermitteln. Und ganz generell eine Partnerbörse via Fernsehen mit enormem Showeffekt wirft schon Fragen des, sagen wir einmal, persönlichen Geschmacks auf. Bleibt auch noch der Voyeurismus oder die einfache Freude, sich über andere lustig zu machen. Nach dem Motto: „Mir geht’s zum Kotzen, aber denen noch beschissener.“ Das ist eine andere Geschichte und hat wenig mit der Theaterfassung zu tun.

Bühnenbild und Glückwünsche.

Licht und Ton von Markus Matt, Kostüme von Brigitte Schönach und in erster Linie die Bühnengestaltung von Thomas Schönach und Walter Huber machten die „Monologtexte“ erst theatertauglich. Wenig ist oft mehr, das bestätigte sich auch im trefflichen Bühnenbau. Der absolute Renner bei genauer Betrachtung und hoch komisch ist das winzige Engele im bunten Lichterkranz, echt voll krass. Und anzumerken bleibt: Frau Spira war von den Theaterleuten der Bühne Imst Mitte als Ehrengast zur Premiere der Bühnenfassung eingeladen worden. Nun war die Starmoderatorin und „TV – Verkupplerin“ aber erkrankt und teilte daher schriftlich mit: „Ich sende die besten Grüße und wünsche für die Premiere toi, toi, toi, ein volles Haus und alles Gute.“ So traf es auch ein und die RUNDSCHAU darf sich mit und für Humiste freuen.

„Herbergssuche“.

Humiste Obmann Christian Reiter: „Wir wollen in der Innenstadt bleiben und es sieht in Sachen neuer Räumlichkeiten nicht schlecht aus. Von der jetzigen Humiste-Adresse werden wir uns mit einer französischen Komödie verabschieden, aber mehr wird nicht verraten.“

Weitere Spieltermine:

10./11. März 20 Uhr, 12. März 18 Uhr, 17./18. März 20 Uhr, 19. März 18 Uhr, 24./25. März 20 Uhr, 26. März 18 Uhr, 31. März 20 Uhr, 2. April 18 Uhr, 7./8. April 20 Uhr.

Johannes Tollinger mit „Zwergkaninchen Luzi“ auf der Suche nach der passenden Partnerin, nicht ohne ihre unbedingt notwendigen Qualitäten als Voraussetzung aufzulisten.
Minimalistische Bühnendekoration: Engele im bunten Lichterkranz, passend und hoch komisch. Ein absolutes Gustostückerl für Theaterfans mit leicht schrägem Humor.
Theaterforum Humiste/Bühne Imst Mitte: Ein Premierenabend der Sonderklasse. Das Publikum des bis auf den letzten Platz besetzten Hauses bedankte sich für die hervorragende künstlerische Leistung mit standing Ovations. „Liebesgschichten und Heiratssachen“ von Elizabeth T. Spira war dem Ensemble „auf den Leib geschnitten“.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.