Strahlende Aussichten im Pitztal

Momentan blickt man im Pitztal rosigen Zeiten entgegen. Die wechselseitigen Vorbehalte sind dem Verständnis gewichen, dass man gemeinsam besser vorankommt. Zu ihrem geschlossenen Auftreten dürfen sich alle Akteure gratulieren. Foto: Bergbahnen Hochzeiger

Arzl, Wenns, Jerzens und St. Leonhard freuen sich über Tourismus-Aufschwung

Der TVB Pitztal hielt jüngst seine Vollversammlung ab. Obwohl keine Wahlen anstanden, war der Gemeindesaal in Jerzens gut gefüllt. Interessiert haben dürfte die Touristiker, Vermieter und Zuhörer wohl neben der guten Jahresbilanz auch die Aussichten auf die hoffentlich bald bevorstehende Gletscher-Ehe Pitztal-Ötztal sowie das RWP, das Regionalwirtschaftliche Programm. Dieses stellt dem Tal bekanntlich zehn Millionen Euro in zehn Jahren zur Verfügung.

Von Thomas Parth

Bei diesen Zahlen dürfen Geschäftsführer Gerhard Gstettner, Obmann Rainer Schultes und Aufsichtsratsvorsitzender Bruno Fürruter durchaus gelassen bleiben, hat doch das Pitztal einen „geretteten“ Winter und einen sehr guten Sommer hinter sich (Anm.: und allem Anschein nach, nach den Schneefällen dieser Tage, eine tolle Wintersaison vor sich).

Rekordjahr.

„Rückblickend war das das stärkste Tourismusjahr nach Ankünften“, freute sich Obmann Schultes über die 226000 Ankünfte 2017. Die Verteilung Winter-Sommer beläuft sich auf 60 zu 40 Prozent. Bei den Herkunftsmärkten hat sich wenig verändert, kommen doch wieder verstärkt Touristen aus Deutschland ins Pitztal und bilden den A-Markt. B-Markt sind die Niederlande, Belgien und die Schweiz. Österreich, Tschechien, Polen, Frankreich und Russland sind die Herkunftsmärkte C. „Erwähnenswert stark sind die 32000 Nächtigungen, die unsere Schutzhütten im Sommer generieren“, bescheinigt Schultes. 1045207 Nächtigungen wurden erzielt. Als Innovation und bisherige Spitze der guten Zusammenarbeit aller Leistungsträger im Tal dürfen die neue Talkarte für Einheimische oder die 6-Tage-Karte für Gäste genannt werden. Bei letzterer „gewinnt“ der Gast, wenn er einen 6-Tages-Skipass am Gletscher oder am Hochzeiger gelöst hat, einen siebten Skitag gratis im jeweils anderen Skigebiet dazu. Ein weiteres, markantes Zeichen für den touristischen Schulterschluss im Tal sei die gemeinsame Homepage www.pitztal.com, lobt Schultes die positive Weiterentwicklung der „Marke Pitztal“.

Events + Infrastruktur.

Als sehr wichtig empfindet Schultes die gute Stimmung zwischen allen vier Talgemeinden und dem Tourismus. „Wir freuen uns gemeinsam auf den Jänner 2018, wenn das RWP startet“, so Schultes: „Wichtig ist mir hierbei auch die Sicht von außen. Wir haben uns mit Mag. Hubert Siller dem Leiter des MCI-Tourismus einen Berater geholt, der auf uns schaut.“ Als ein weiteres „mutiges Signal“ von Seiten des TVB Pitztal bezeichnet Schultes die Aufnahme eines Darlehens, um Projekten auf die Beine helfen zu können. Dementsprechend leicht hatte es auch Vize-Obm. Gerhard Haid, der für den Infrastruktur-Bereich verantwortlich zeichnet. Von der Beschilderung über (Winter-)Wanderwege bis zum neuen Bouldergebiet in Mandlers Boden stand für Haid einiges auf dem Programm. Ins selbe Horn stößt Vize-Obm. Othmar Walser, der für die Events und Veranstaltungen Verantwortliche: „Wir sind vielfältige Veranstalter, Mitveranstalter und Sponsoringpartner und wir brauchen buchungsentscheidende Events, um mehr Wertschöpfung – und nicht nur Image – zu gewinnen.“ Skibergsteigen, Ski-Cross, Handicaped-Skilauf, Freeriden vom Mittagskogel und der Pitztaler Gletschermarathon standen und stehen auch künftig auf der touristischen Agenda im Pitztal. Beispielhaft veranschaulicht Walser seine Ansicht: „Beim Alpine-Gletschertrail sind wir 2016 mit 160 Teilnehmern gestartet. 2017 waren es bereits 1000 Starter. Dieser Tage, am 11. November, haben wir die Anmeldungs-Seite frei geschaltet und prompt ein paar Hundert Buchungen erhalten.“ Die Leute würden ins Pitztal kommen, trainieren, übernachten, essen und trinken. Auf Walsers Wunschliste steht „ein Langlauf-Event, das hoffentlich bald in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Kaunergrat und Mario Stecher zustande kommt“.

RWP + Gletscherehe.

Geschäftsführer Gerhard Gstettner verweist auf diverse Facebook-Kampagnen. Jene zum Winterfinale im März erreichte z.B. 380000 Menschen. Momentan, seit 10. Oktober, läuft ebenfalls eine entsprechende Kampagne zum Winterstart. Themen wie Wandern, Wildspitze und Pistenspaß würden laufend auf mediale Resonanz stoßen. Die Österreich Werbung habe ihre Fotos zu „Winterwandern und Kutschenfahren“ im Pitztal geschossen. Im Anschluss an die Grußworte von Gastgeber-Bürgermeister Karl Raich aus Jerzens kam der Wirtschaftsprüfer an die Reihe, um die Bilanzdaten zu analysieren. Vorstand und Aufsichtsrat wurden erwartungsgemäß durch die Vollversammlung entlastet.

Ing. Markus Mauracher vom Regio-Verein stellte das RWP in groben Zügen vor. Dieses verfolge vier Ziele, nämlich eine Abwanderung der Bevölkerung zu verhindern, die Erwerbstätigkeit zu steigern, betriebliche Investitionen zu fördern sowie Innovationen und Kooperationen zu begünstigen. Lobende Worte fand auch Mauracher für den „RWP-Pitztal-Fonds“, jenes Geld das der TVB aufnimmt und für die Themen Tourismus, Regionalität und Infrastruktur zur Verfügung stellen wird. Der Regionalmanager verwies auch auf die regionalen Veranstaltungen in der zweiten Jännerhälfte in den vier Tal-Gemeinden. Unter Allfälliges dankte Othmar Walser dem Land Tirol für seine bereitgestellten zehn Millionen. 120 Millionen (an privaten Investitionen) seien allerdings beim Zusammenschluss Pitztal-Ötztal im Spiel, dies dürfe man nicht vergessen. Gletscher-Prokurist Reinhold Streng verdeutlichte, dass eine zweite Aufstiegshilfe im Pitztal vorerst nicht vorgesehen sei, zumal dies eine Frage der Wirtschaftlichkeit sei. „Eine 3-S-Bahn allein kostet 30 Millionen“, informiert Streng und attestiert dabei seinem Chef Dr. Hans Rubatscher, er sei „ein guter Rechner, der weiß, was er tut“.

TVB-Pitztal-GF Gerhard Gstettner präsentierte die Marketing-Aktivitäten seiner Institution. Der gemeinsame Web-Auftritt der Bahnen auf www.pitztal.com, ganz im neuen „CD“ (Corporate Design), kann sich ebenfalls sehen lassen. RS-Fotos: Parth
Stehen voll hinter dem Tourismus, die Bürgermeister des Pitztals: Karl Raich/Jerzens, Elmar Haid/St. Leonhard, Walter Schöpf/Wenns und Josef Knabl/Arzl mit Naturpark Kaunergrat-GF Ernst Partl (v.l.).