Tannheimer Tal im Höhenflug

Das Tannheimer Tal ist im Winter wunderbar ... RS-Fotos: Gerrmann

Jahresbilanz spiegelt den Erfolg der Tourismus-Region wider

Nein: Das Wort „Rekord“ will er nicht in den Mund nehmen. Michael Keller, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Tannheimer Tal, drückt es lieber so aus: „Noch nie haben so viele Menschen bei uns Urlaub gemacht wie im vergangenen Jahr.“

Über Details der Jahresbilanz, die er mit Obmann Walter Barbist sowie den Vorständen Markus Gutheinz und Gerold Mattersberger vor Kurzem bei der Vollversammlung des Tourismusverbands im Gemeindesaal in Grän vorstellte, unterhielt sich Michael Keller nun mit der RUNDSCHAU.
Die exakte Zahl der Urlauber lag 2017 bei 251.215, die der Übernachtungen bei 1.079.754. Macht eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 4,3 Tagen. Dass das den tirolweiten Schnitt um 0,2 übertrifft, ist für den Geschäftsführer nichts Besonderes: „Wir sind halt eine ausgesprochene Urlaubsdestination. Das ist bei vielen anderen nicht der Fall.“
Angesichts dieser tollen Zahlen lässt sich der leichte Rückgang um 1,7 Prozent im Winter 2016/17 leicht verschmerzen: „Der Schnee ist damals sehr spät gekommen. Das war der große ausschlaggebende Punkt, warum die Saison nicht so wurde, wie sie hätte sein können“, erklärt sich Keller das Minus.

Kurzfristig. Die Leute entschieden sich immer kurzfristiger für oder gegen einen Trip in die Berge. Oft werde das „Alpenpanorama“ oder ähnliches im Fernsehen oder Internet angeschaut, danach falle das Urteil pro oder contra Kurzurlaub: „Gutes Wetter ist die beste Werbung für eine Buchung“, sagt der Tourismus-Experte dazu. Lediglich an Weihnachten oder für Fasching legten sich die potentiellen Gäste frühzeitig fest: „Sonst buchen sie fast vor der Haustür. Zwei Tage sind oft schon ein langer Vorlauf.“
Prächtig entwickelt hat sich die Kooperation mit dem Allgäu. Man profitiert mit vom gewaltigen Aufschwung der Nachbarregion in Bayern: binnen nur eines Jahrzehnts verdoppelten sich dort die Zahl der Übernachtungen. Das gibt auch Aufwind zwischen Jungholz und dem Gaichtpass. Bei den Themen Winter, Wandern und Radeln ist das Tannheimer Tal Partner der Allgäu GmbH, voll in die Werbemaßnahmen integriert, und über die Internet-Seite www.allgaeu.de  kommt man auch ins „schönste Hochtal Europas“.
Die Haupt-Zielgruppe der Touristiker dort sind übrigens nach wie vor die deutschen Gäste. Sie schlagen in der Statistik mit 84 Prozent zu Buche – wobei vor allem Württemberg und danach Bayern die Schwerpunkte bilden. Österreicher machen gerade einmal zwei  Prozent aus. Keller: „Deswegen verzichten wir auch auf Werbemaßnahmen dort. Das Geld dafür könntest du gleich in die Vils kippen.“ Wobei die Fernsehsendung mit Hansi Hinterseer auf ORF 2  in Österreich auch 614.000 Zuschauer und einen Marktanteil von 21 Prozent erreichte. Hinzu kamen noch 2,3 Millionen bei drei deutschen Sendern. Auch nicht gerade ein Misserfolg.
Egal, wo die Urlauber nun herkommen – vom Wanderwegenetz im Tannheimer Tal sind wohl alle begeistert. Die 1.700 Tafeln mit verlässlichen Informationen sind gewiss ein großer Pluspunkt der Region in der warmen Jahreszeit. Die  Abteilung Sport der Tiroler Landesregierung verlieh zudem drei Wanderwegen das Prädikat „Premium“ (was unter anderem bedeutet, dass Zustand und Beschilderung top sind): der Drei-Seen Tour Vilsalpsee-Traualpsee-Lache, der Wanderung Bscheisser-Ponten-Rohnenspitze und dem Gräner Höhenweg. Dreimal Premium in einem eher kleinen Tal – das schafft sonst kaum jemand: Ziller- und Wipptal bringen es laut Keller zwar auf genausoviel, sind aber größer.

Großveranstalt-
ungen. Auch das Konzept, je Saison zwei Großveranstaltungen anzubieten, hat sich aus Sicht des Geschäftsführers bewährt: im Winter sind Ski-Trail und Ballon-Festival, im Sommer (in dem man im Vorjahr auf ein Nächtigungs-Plus von 5,2 Prozent kam) Seenlauf und Rad-Marathon „unsere Leuchttürme“. Und mit letzterem Event kann er auch belegen, dass diese Ereignisse „zum wirtschaftlichen Faktor auch über die Werbung für unser Tal hinaus“ geworden sind.
1.900 Anmeldungen gab es nämlich dafür. Die Auswertung der Teilnehmer-Statistik zeigte: 17 Prozent der Radler (die oft noch ihre Familien mitbrachten) blieben eine Nacht, 20 Prozent zwei und 32 Prozent drei Nächte. Doch damit nicht genug: ein Viertel buchte gleich eine ganze Woche und sechs Prozent sogar noch länger.

Neu Tourismusbüro. Doch auf diesen Lorbeeren will und kann man sich im Tannheimer Tal nicht ausruhen. Nach Ostern wartet ein größeres Projekt: das Tourismusbüro in Tannheim wurde ja in den 70er-Jahren des vergangenen Jahres als Schwimmbad errichtet und erst später für den jetzigen Zweck umfunktioniert. Michael Keller: „Das merkt man immer noch ein bisschen. Jetzt wollen wir weg von diesem Touch. Es soll zeitgemäßer, moderner bei uns werden.“ Ab Pfingsten will man sich dann den Gästen in neuem Outfit präsentieren.

Von Jürgen Gerrmann

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