Taschengeld aufbessern

Eva und Hannah (v.l.) mit der amtlichen Genehmigung. RS-Foto: Michaela Weber

Zwei Mädels mit Geschäftssinn!

Eva und Hannah sind Freundinnen. Die beiden Mädchen sind sieben Jahre alt und kennen sich seit dem Kindergarten. Um das Taschengeld aufzubessern, hatte Eva die Idee, auf der Straße Kuchen zu verkaufen. 

Schon früher hat Eva Steine bemalt und Sachen gebastelt. Ihre Werke hat sie dann vor dem Haus Vorbeikommenden, Nachbarn und der Verwandtschaft angeboten. Der Verkauf ging der Jungunternehmerin zu schleppend voran. Nach entsprechender Analyse kam Eva zum Schluss, dass wohl ein gut frequentierter Platz auch zu einem besseren Kassasturz (dickeren Sparschwein) führen könnte. Voller Tatendrang und begeistert von ihrer Idee erzählte sie ihrer Freundin Hannah von ihrem Vorhaben. Auch Hannah packte die Unternehmerlust, und die beiden Freundinnen gingen sofort mit ihrem Businessplan zu den Eltern. Den Isserparkplatz befanden die zwei Mädels für geeignet. Stolz lobte Papa Erwin seine Tochter für ihren Ideenreichtum. So einfach gehe dies jedoch nicht. Für das Vorhaben, einen Kuchenverkauf am Isserplatz zu machen, brauche es eine Genehmigung der Gemeinde. Unbeeindruckt davon sagte Eva: „Dann komm ich morgen später von der Schule nach Hause.“ Gesagt, getan. Die beiden Schülerinnen gingen am nächsten Tag zur Gemeinde und fragten beim Bürgermeister an, ob sie die Erlaubnis für ihren „einmaligen Kuchenstand“ bekämen. Der Amtsleiter wollte die Genehmigung schicken, doch die tüchtigen Mädels sagten, dass sie den Bescheid am nächsten Tag(!) persönlich abholen kämen. Mit der schriftlichen Genehmigung in der Hand wedelten Eva und Hannah vor den Augen ihrer erstaunten Eltern. Sofort wurden alle backerprobten Familienmitglieder mobilisiert, um die Mädchen zu unterstützen. Mamas, Omas, Tanten und Gotis schwangen die Löffel und wirbelten mit dem Mixer. Am Samstagvormittag war es dann soweit.  Eva und Hannah, ihre Eltern und Geschwister bauten gemeinsam den Stand auf.   Es sah nach Regen aus, was die beiden Verkäuferinnen aber nicht im Gerings-ten juckte. Unter einem Zelt waren sie und ihre süßen Köstlichkeiten geschützt. Die Überdachung kam von Mohrenwirt Hemmi, der so die Idee der Jungunternehmerinnen unterstützte. In kürzester Zeit waren zwölf Kuchen an die Frau oder den Mann gegangen. Den Preis für den Kuchen bestimmten die Käufer selbst. Die Liebe zu den Tieren veranlasste die Mädchen, die Hälfte ihrer Kucheneinnahmen an das Tierheim abzugeben. Den Rest der Spenden sparen Eva und Hannah für ihren Führerschein. Vielleicht fallen den jungen Frauen bis dahin ja noch andere gewinnbringende Geschäftsmodelle ein. Soviel Selbstbewusstsein und Organisationstalent verdienen auf jeden Fall Respekt!

von Michaela Weber

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