Tiefschwarzes Türkis

Liebe Freunde hintergründig betrachteter Machtverhältnisse!

Vor der Wahl ist nach der Wahl – und nach der Wahl ist vor der Wahl. Und so stehen wir auch in Tirol kurz vor dem nächsten Urnengang. Ein paar Tage noch ein bisschen November-Depression. Dann ein wenig Besinnung im Advent. Ein paar Glücksmomente zu Weihnachten und zu Silvester. Dann ist endlich wieder Wahlkampf. Wir wählen einen neuen Landtag – und indirekt auch eine neue Regierung im heilen Land.

Für uns im Oberland wird das ein Heimspiel. Hier ist die Volkspartei wie die Katholische Kirche. Man besucht sie nicht jeden Sonntag. Aber an hohen Feiertagen ist Verlass auf die Gläubigen. Egal ob Bauern- oder Wirtschaftsbund, Jung oder Alt. Irgendwie gehört fast jeder dazu. Sogar die Arbeiter fühlen sich beim AAB eher beheimatet als bei den Roten.

Im Gegensatz zum Klerus fehlt es der VP nicht an Hohepriestern. Landeshauptmann Platter residiert wie der Bischof. Klubobmann Wolf, Gemeindeverbandschef Schöpf, Landtagspräsident van Staa, dessen Vize Mattle, Landesrat Tilg und Parteimanager Mallaun haben das Revier Oberland wie Dekanate fest im Griff. Dazu kommen jede Menge Abgeordnete auf Bundes- und Landesebene. Nicht zuletzt festigen die Statthalter in beinahe jedem Ort die Bastion der politischen Konfession. Eine Hundertschaft an Dorfchefs, Gemeinderäten samt Kammerfunktionären bei Bauern, Wirtschaftlern und in der AK komplettieren ein Netzwerk, von dem der Papst und seine Kardinäle nur träumen können.

So gesehen war Türkis nur im Bund ein kleiner Farbtupfer, um eine Bewegung bunt in Schwung zu bringen. Häuptling Platter hat erst kürzlich klargestellt: Wir Tiroler bleiben schwarz! Und die Oberländer noch ein wenig dunkler. Wer das Farblose liebt, der muss nicht schwarz sehen. Er wählt es einfach. Das Oberland ist felsenfest. Ich würde jetzt noch ein paar hübsche Damen in Türkis dazu mixen. Dann geht sich die schwarz-schwarze Koalition aus!

Meinhard Eiter


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