Tourismusverband Innsbruck im Wandel

Im wunderschönen Wintersportort Kühtai ist auf 2020 Metern Seehöhe nicht nur das örtliche, sondern auch das regionale Tourismusbüro angesiedelt. Foto: Innsbruck Tourismus

Bezirk Imst auch von Neuausrichtung der Marke und Organisationsstruktur betroffen

Nach der vor über zehn Jahren vom Land forcierten Tourismusreform und den daraus resultierenden Neugliederungen der Tourismusverbände fungiert „Innsbruck und seine Feriendörfer“ als eine der größten touristischen Organisationen des Landes. Mit der schneesicheren Winterperle Kühtai und dem Sonnenplateau Mieming sind zwei beliebte Urlaubsziele aus dem Bezirk Imst ein wesentlicher Bestandteil des großen Verbandes im Herzen Tirols und zählen zu dessen Aushängeschildern. Der in den vergangenen zwei Jahren eingeleitete Strategieprozess ist mit umfangreichen Änderungen der Verbandsstruktur, sowohl im Inneren wie im Äußeren, verbunden und hat auch für die Imster Ferienorte weitreichende Folgen.

Von Wolfgang Suitner

Durch insgesamt über 40 Feriendörfer und die Stadt Innsbruck als Markenaushängeschild ist das touristische Leistungsangebot durchaus vielfältig. Mit dem 2017 eingeleiteten Arbeitsprozess, der bis zum Jahr 2022 abgeschlossen sein soll, möchte man die Region Innsbruck als „alpin-urbanes Gesamterlebnis“ erfolgreich auf den Zielmärkten positionieren und als starke Marke etablieren. Innerhalb des Verbandes wurde eine gänzlich überarbeitete Organisationsstruktur implementiert sowie die Regionen neu definiert. Die vormaligen „Regionalen Ortsausschüsse“ wurden ebenso wie die bisherigen Regionsbudgets eliminiert. Christoph Stock, Geschäftsführer-Stellvertreter und Verantwortlicher für das Regions-Management, beleuchtete den Hintergrund der umfangreichen Veränderungen und nahm auch ausführlich zum „Nein“ der Volksbefragung hinsichtlich der Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2026 in Tirol Stellung.

Fokussierung auf eine Urlaubsdestination.

Das Gästedenken und das sich daraus ergebende Buchungsverhalten, welches sich in den vergangenen Jahren stark verändert hat, war Basis für die Neupositionierung. Urlaubsentscheidungen werden heute in erster Linie nach Themen und sicheren, gut erreichbaren Destinationen gefällt, erst in zweiter Instanz fällt dann die Entscheidung für einen konkreten Urlaubsort und die dortige Unterkunft. Gäste sollen ganz gezielt nach ihren Interessen angesprochen werden, die stärksten touristischen Produkte werden in den Vordergrund gestellt, gleichzeitig die Vielseitigkeit hervorgehoben.

Die vormalige Strukturierung „Innsbruck und seine Feriendörfer“ wird vom neuen Destinations-Wording „Region Innsbruck“ abgelöst und gliedert sich zukünftig in „Mieminger Plateau“, „Inntal“, „Kühtai-Sellraintal“ und Innsbruck. Mit der neuen Einteilung soll das „Einzigartige der Gesamtregion erlebbar, spürbar und teilbar“ werden, die Besonderheiten in Themen und Produkten fassbar sein.

Vom Orts- zum Regionsdenken.

Neue Akzente werden auch in den die Stadt Innsbruck umgebenden Ferienregionen gesetzt. „Hintergrund der Neustrukturierung im Regions-Management ist das Denken hin zu Regionen, weg von den einzelnen 44 Orten in unserem Verbandsgebiet“, erläutert Christoph Stock. Als eine der daraus resultierenden Maßnahmen wurden in den neu definierten Regionen eigene Leiter eingesetzt, womit eine Zwischenstufe zwischen den einzelnen Mitgliedern und der Gesamtleitung in Innsbruck eingezogen wurde. „Die Regionsleiter fungieren als erste Ansprechpartner vor Ort, haben eine klare Stellen- und Leistungsbeschreibung und sind auch in der jeweiligen Mitarbeitereinteilung ungebunden. In weiterer Folge werden die Anliegen aus den Regionen mit den jeweiligen Leitern dann in Innsbruck in der Zentrale erörtert“, spricht Stock von einer organisatorischen Optimierung.

Organigramm mit neu definierten Bereichen.

Als wesentliche Neuerung ist neben einer klaren Aufgabenverteilung der Aufbau einer zweiten Führungsebene in der Gesamtstruktur des Innsbruck Tourismus zu sehen. Diese wird von eigenen Bereichsleitern geführt und gliedert sich in die Themen „Digitale Medien und Content-Management“, „Marketing und Themen-Management“, „Innsbruck-Information und -Reservierung“ und „Finanz- und Regionsmanagement“.

Somit kommt den neu definierten Regionen die Rolle von ausschließlichen Verwaltungseinheiten zu, nachdem auch das Marketing des gesamten Verbandsgebietes zentral in Innsbruck abgewickelt wird. Eine verminderte Serviceleistung in den Dörfern wird aber nicht befürchtet, da die Außenteams verstärkt den Erfahrungs- und Informationsaustausch zu den Leistungsträgern vor Ort suchen sollen. „Speziell in Kühtai, das bisher in allen Belangen, sowohl in der Vermarktung wie auch in der Infrastruktur, sehr eigenständig agiert hat, erleben wir nicht nur Zustimmung“, beschreibt Christoph Stock die nicht immer einfache und konfliktfreie Phase, wenngleich die guten Zahlen im Ski-Aushängeschild des Verbandes die Maßnahmen bestätigen würden. Die Schließung der Ortsbüros in Lans, Kematen und Sellrain sind wie das ausgebaute Vermietercoaching eine weitere Folge des zukunftsgerichteten Aufgabenprofils, an dem sich der Verband orientieren will.

Konzentration auf Leuchtturmprojekte.

Waren in vormaligen Jahren die einzelnen Regionen durch ein Budget weitgehend autark in der Gestaltung ihres Marketings, so erfolgt nun eine Fokussierung auf weitreichende Themen, die auf den exakt definierten Zielmärkten in Form von Ganzjahres- und saisonalen Kampagnen kommuniziert werden. „Die vorhandenen Mittel werden nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip an die Regionen ausgeschüttet, sondern nach Sinnhaftigkeit und Folgeerwartung investiert“, erklärt Stock. Langfristiges Ziel ist das ganzheitliche Auftreten der Destination, gleichzeitig sollen die Alleinstellungsmerkmale der Feriendörfer besser in Szene gesetzt sowie die interne Zusammenarbeit im Verband und mit den Leistungsträgern intensiviert werden.

„Abstrafung durch Unwissenheit“.

„Leider hat ein großer Teil der Tiroler Bevölkerung den Verantwortlichen der Bewerbungskampagne für die Ausrichtung Olympischer Winterspiele 2026 nicht geglaubt, dass es finanziell und regional angepasste Spiele unter gleichzeitiger Nutzung der vorhandenen Sportanlagen geben kann“, äußert auch Christoph Stock sein Bedauern über den negativen Ausgang der Volksbefragung. Die Hauptursache dafür sieht Stock in der zu geringen Aufklärung der Bevölkerung: „Man hat sicherlich die Mündigkeit der Bürger unterschätzt, sich selbst über die Machbarkeitsstudie informieren zu wollen, und ist durch diese Unwissenheit abgestraft worden.“ Die teils klare Ablehnung im eigenen Verbandsgebiet ist für Stock enttäuschend, aber nicht verwunderlich: „In Inntalgemeinden und Orten wie Silz, die – ohne Kühtai hinzuzuzählen – selbst keine intensive touristische Ausrichtung haben, war der Bezug zum touristischen Nutzen der Olympischen Spiele nicht ausreichend herzustellen.“

Tourismusgesinnung weiter pushen.

Das „Nein“ und die mehrheitliche Meinung der Tiroler sind laut Christoph Stock zur Kenntnis zu nehmen, zur Tagesordnung könne man aber nicht einfach übergehen. Ganz wichtig ist es jetzt, darauf zu achten, dass die Tourismusgesinnung im Land dadurch nicht kippt und in Mitleidenschaft gezogen wird. „Wir setzen konkrete Maßnahmen wie beispielsweise Workshops, um Jung wie Alt von unserer täglichen Arbeit in Kenntnis zu setzen und für die Wichtigkeit des Tourismus für unser Land weiter zu sensibilisieren“, will Stock den wichtigsten Wirtschaftszweig Tirols auch weiterhin intensiv pushen.

Als Verantwortlicher für das Regionalmanagement ist GF-Stv. Christoph Stock Ansprechpartner für alle Belange der 44 Feriendörfer des Bezirks. RS-Foto: Suitner

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.