Vergnüglich und nachdenklich

Georg Bauernfeind – ein Kabarettist, der mit feiner Klinge den Gemeinschaftssinn reklamiert aber auch seinen Finger in die Wunden der alltäglichen Umweltsünden legt. RS-Foto: Claus

Kabarettist Georg Bauernfeind lud zum Weltenbummeln ein

Vergnügliches und Nachdenkliches vermittelte Kabarettist Georg Bauernfeind seinem Publikum mit seinem Programm, unter dem Titel „Weltenbummeln” – eine Veranstaltung in Kooperation von Weltladen Reutte und Kulturforum Breitenwang.

Den Einstieg in den Abend verband Bauernfeind mit der Ausstellung „Bittere Orangen” (siehe Seite 29, Anm. der Redaktion). Er  erinnert damit an seine Vorliebe von früher, als die Capri-Sonne sein liebstes Getränk war: „Wenn ich diese Menschen in den Zelten sehe und mir die Umstände – wie sie leben – vorstelle, schmeckt mir dieser Obstsaft nicht mehr.”
Dies war der Übergang in sein breites Programm mit starken Songs, untermalt von prägnanten Szenen, die verdeutlichten, dass die Menschheit, allen Wissens zum Trotz, munter an dem Ast weiter sägt, auf dem sie sitzt. Die Industrie produziert auf Teufel komm raus, die Manager aller Couleur stopfen sich die Taschen voll, der Konsum boomt – anstatt nachzudenken, ob es nicht besser wäre, etwas für, statt gegen die Umwelt zu tun.
Er bezeichnete sich selbst als „Weltladen-Junkie”, wegen des Geschäfts gleich in seiner Gasse zugunsten des fairen Handels. Dorthin trägt  er jetzt sein ganzes Geld, obwohl er früher gegen übermäßigen Konsum war. Er geißelte die Gratismentalität der Kunden in bestimmten Läden, in denen sie sich „die Plastiksackerl“ vollstopfen – nur weil es „gratis“ ist. Er schilderte sein Erlebnis bei einer fiktiven Pressekonferenz für ein völlig neues Tourismusprojekt – eine erste Skihalle in Afrika! Inklusive Skihaserln, Skilift, Skiexport, Billigflug nach Nairobi und – wir Österreicher sind als Exporteure dabei! Die zaghafte Nachfrage, dass für künstlichen Schnee viel Wasser verbraucht wird, blieb im Raume stehen und wurde nicht weiter berücksichtigt.
Und so hatte er in seinem Gepäck viele weitere Themen, angefangen bei der Globalisierung über soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit, die er auf seine ganz eigene Art und Weise humorvoll, aber oft auch zweideutig in seine Texte einfließen ließ.

Abgeholt. Das Schöne an dem Abend war, dass er sein Publikum von Anfang an mitnahm und so den Blick von Hinterhältigkeit auf Nachhaltigkeit schärfte. Ein Abend, der begeisterte, zum Nachdenken anregte – eine Veranstaltung, zu der man dem „Kulturforum” aus Breitenwang und dem Mitveranstalter „Weltladen“ nur gratulieren und zugleich beglückwünschen kann, da beide den Mut hatten, zu diesem anspruchsvollen Thema diesen ausgewiesenen Kenner der Szene zu engagieren.

Von Uwe Claus

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