Volle Frauenpower voraus!

Die RUNDSCHAU Reutte ist zu 100 Prozent weiblich! Das Team: Susanne Wagner (Anzeigenverkauf), Sabine Schretter (Redaktion), Tamara Frischauf (Grafik), Manuela Hohenrainer (Grafik) und Victoria Müller (Grafik) (v.l.). Foto: Kleiner

Bei der RUNDSCHAU in Reutte ist die Frauenquote zu 100% erfüllt

Weltweit wurde am Donnerstag, dem 8. März, der Frauentag  begangen. Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit um den Ersten Weltkrieg. Gekämpft wurde um Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation der Arbeiterinnen.

Die Idee des Internationalen Frauentages stammt von Clara Zetkin (1858-1933). Die Einführung des Frauenwahlrechts 1918 kann als wesentlicher Erfolg dieses frühen, lang andauernden und harten Kampfes der Frauen um Partizipationsmöglichkeiten gewertet werden. Als am 16. Februar 1919 Frauen erstmals zur Wahlurne gehen durften, war ihre Wahlbeteiligung mit 82% unerwartet hoch. Dass Frauen mit ihren Stimmen Wahlen entscheiden, hat sich seit damals nicht geändert. In den Folgejahren wurden Forderungen nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit und dem Acht-Stunden-Arbeitstag laut. Die Naziherrschaft stellte eine Zäsur in der Profilierung des neuen Frauenbildes dar. An die Stelle des Frauentages trat der Muttertag, der die Mutterrolle in den Fokus stellte.
Eine Renaissance erfuhr der Frauentag durch die neue feministische Bewegung der 60er und 70er Jahre. Damals gingen Frauen wieder auf die Straße und demonstrierten unter anderem für das Recht auf legale Abtreibung, gegen Gewalt und für die Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt und in der Politik.

Chancengleichheit? Mutige Frauen und Männer mit Weitblick haben Bestimmungen und Gesetze für mehr Chancengleichheit durchgesetzt. Es wurde vieles, aber längst noch nicht alles erreicht.  Auch heute noch werden Frauen in verschiedenen Bereichen des Lebens benachteiligt und unterdrückt, kämpfen gegen ungleiche Löhne, eingeschränkte Rechte und  Arbeitsverbote.
Es werden Schritte gesetzt, der Weg ist aber noch lange nicht zu Ende gegangen. Mehr Transparenz bei den Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen sollen diese bekämpfbarer machen. Erfreulich ist, dass in Österreich 46% Frauenanteil in den Aufsichtsräten staatsnaher Betriebe zu verzeichnen ist.

Kein leeres Wort. Dass Chancengleichheit kein leeres Wort ist, sondern tagtäglich gelebt wird, beweist sich im Büro der RUNDSCHAU in Reutte. Hier wird mit 100% Frauenquote gearbeitet. Alle Bereiche – Anzeigenverkauf, Grafik und Redaktion – liegen in weiblicher Hand. Im Bereich Redaktion unterstützen weitere sechs freie Mitarbeiterinnen, die Geschlechterbalance halten acht männliche freie Mitarbeiter.
Auch Mitarbeiterinnen, die Mütter sind, werden bei der RUNDSCHAU geschätzt. Bei der Einteilung der Arbeitszeiten wird  darauf geachtet, dass diese mit der Familie vereinbar sind, Flexibilität ist großgeschrieben.
Der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen, die bei der Oberländer RUNDSCHAU arbeiten, ist mit 2,8% mehr als bemerkenswert gering. Personalaufwand und Personalproduktivität schlagen mit guten Werten zu Buche. Beim Personalaufwand liegt der Median bei 22,9, der untere Segmentwert bei 10,4 und der obere Segmentwert bei 36,5. Die Personalproduktivität zeigt einen Median von 4,1. Die Segmentwerte sind mit 2,7 (USW) und 6,1 (OSW) angegeben.
Kurt Egger, Gründer und Chef der Oberländer RUNDSCHAU, ist von seiner Mitarbeiterkonstellation überzeugt: „Ich bin stolz auf unsere, meine Frauen!”

Frauen in Tirol. Elisabeth Pfurtscheller, seit 2014 Landesleiterin der Österreichischen Frauenbewegung Tirol, diskutierte am Mittwoch, dem 7. März, mit anderen politisch engagierten Tirolerinnen über die demokratiepolitische Errungenschaft des Frauenwahlrechts. „Es geht darum, die Vorkämpferinnen für unsere politische Teilhabe zu ehren, gleichzeitig aber für die Gleichberechtigung der Frauen weiterzukämpfen“, erklärt Liesi Pfurtscheller im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Es ist schon viel erreicht worden, am Ende der Fahnenstange sei man aber noch lange nicht angekommen.
Die Außerferner Politikerin unterstreicht die Vorreiterrolle des Bezirkes Reutte, was besonders die politisch tätigen Frauen betrifft. „Wir haben im Bezirk drei Bürgermeisterinnen, eine Bezirkshauptfrau und mit Sonja Ledl-Rossmann auch eine starke Stimme im Landtag“, nennt die VP-Frauenchefin beeindruckende Zahlen.
Ein zentrales regionalpolitisches Thema ist, das Leben in den ländlichen Regionen vor allem für junge Frauen attraktiv zu machen. „Junge Frauen überlegen sich genau, wo es ihnen gut geht, wo sie Jobchancen vorfinden, mit ihrer Familie gut leben können und ihre Kinder betreut wissen. Dazu muss die Infrastruktur stimmen. Wir müssen daran arbeiten, gegenüber den städtischen Bereichen nicht ins Hintertreffen zu geraten“, betont Elisabeth Pfurtscheller.
Als Politikerin und Frau, die viele Jahre auch in männerdominierten Betrieben gearbeitet hat, kennt sie die teilweise hinderlichen männlichen Mechanismen genau. „Bei meiner letzten Arbeitsstelle, einem Reuttener Architekturbüro, konnte ich einiges bewegen. Als ich dort aufgehört habe und in die Politik gegangen bin, war die Mitarbeiterverteilung fast schon halbe/halbe. Ich bin stolz darauf, dass ich meine weiblichen Kolleginnen dahingehend coachen konnte, etwa auch bei Gehaltsverhandlungen mit Nachdruck aufzutreten.“

Frauen entscheiden Wahlen. Frauen müssen verstärkt dazu gebracht werden, nicht nur ihr Wahlrecht wahrzunehmen, sondern dann auch Frauen zu wählen. „Frauen haben es in der Hand, ihre Vertretungen in Gremien, die Entscheidungen treffen, zu wählen. Frauen vertreten Frauenthemen am besten“, sieht Liesi Pfurtscheller  Frauen in der Pflicht, sich stärker einzubringen. „Wir müssen uns nicht hinter starken Männern verstecken, wir dürfen/müssen auch zeigen, was und dass wir können.“
Frauen müssen für das gleiche Ergebnis und die gleiche Anerkennung  auch heute noch mehr leisten als Männer. Zu dieser Tatsache nahm auch eine weitere Tiroler Politikerin, Eva Lichtenberger, Stellung: „Es ist immer noch so, dass eine Frau doppelt so viel leisten muss wie ein Mann“, und mit einem Schmunzeln im Nachsatz: „Aber sehr schwer ist das nicht“!
Elisabeth Pfurtscheller kommt zum Schluss, dass es den Frauen in Tirol ganz gut gehe, aber ständig daran gearbeitet werden müsse. „Alle Fortschritte diesbezüglich sind wichtig, es dürfen aber keine Rückschritte gemacht werden.“