Von Nordosten nach Südwesten Großbritanniens

Susan „Sue“ Hausberger ist an die 1700 Kilometer von „John o‘Groats“ bis nach „Land‘s End“ (im Bild) für den guten Zweck geradelt. Fotos: Hausberger

Charityaktion – Radeln für Demenz

Susan Hausberger hat es geschafft! Susan Hausberger war wieder mit ihrem Fahrrad on tour. Sie startete von John o’ Groats im Nordosten von Schottland und fuhr nach Land’s End im Südwesten Englands. Sie radelte wieder für den guten Zweck, „radeln für Demenz“. Seit einigen Jahren versucht die gebürtige Britin aktiv Spenden für verschiedene Organisationen durch ihr Engagement und ihre Radtouren zu bekommen. Die RUNDSCHAU konnte Susan, auch Sue genannt, für ein Interview gewinnen…

Von Bianca Wagner

RUNDSCHAU: Sue, bitte stelle dich unseren LeserInnen kurz vor.

Susan Hausberger: Ich bin Susan Hausberger und wurde 1952 in England geboren. Seit 1971 wohne ich hier in Nassereith, wo es mir gefällt.

 

RS: Wie kommt man auf die Idee „Radeln für den guten Zweck, Radeln für Demenz“?

Sue: Es hat angefangen, als mein Vater gestorben ist. Er wurde damals von einer karitativen Organisation in England betreut. Die liebevolle Betreuung hat mich damals sehr berührt. Statt Blumenspenden wollte er lieber, dass man für das Hospiz spendet. Die Freunde meines Vaters, auch aus der Fahrradbranche, haben mich schließlich auf die Idee gebracht. 2010 habe ich dann meine erste Radtour für einen guten Zweck gemacht. Diese Tradition gibt es in England schon seit meiner Jugendzeit. In Tirol waren solche Spendenaktionen anfangs ziemlich unbekannt. Die Spenden werden meistens als Fixwert pro gefahrenem Kilometer ausgemacht. Man möchte ja die Sponsoren nicht enttäuschen. Dadurch bekomme ich auch die Motivation, mein Ziel zu erreichen. Die Spenden werden 1:1 weitergegeben. Meine Aufwendungen bezahle ich natürlich selbst.

 

RS: Wohin führte dich heuer deine Reise?

Sue: Von der nordöstlichen Spitze Schottlands bis zur südwestlichen Spitze Englands. Diese Tour nennt man „end to end“ – von John o’Groats nach Land‘s End.

 

RS: Wieviele Kilometer bist du bei dieser Fahrt insgesamt gefahren und wie viele Kilometer hatte deine längste Tagesstrecke?

Sue: Insgesamt waren es 1673 Kilometer. Die längste Tagesstrecke war 104 Kilometer lang.

 

RS: Welche schönen Orte sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Sue: Das schottische Highland. Schöne Orte waren für mich oft zwischen den Ortschaften, wo gar nichts war, außer eine wunderschöne faszinierende Landschaft. Die Strecken zwischen den Städten sind oft sehr lang. Da muss man das Wetter, die Ausdauer usw. im Blick behalten.

 

RS: Hast du auf deiner Tour besondere Menschen kennengelernt?

Sue: Man trifft immer wieder interessante Menschen. Es hat mich in England fast jeder gefragt, ob ich das für einen guten Zweck mache. Viele davon haben mir deshalb Spenden mitgegeben. Wie gesagt, in England sind solche Aktionen normal. Ich habe auf dieser Tour für die englische Hospizbewegung und für die Tiroler Demenzhilfe Spenden gesammelt.

RS: Man erlebt auf solchen Radtouren sicher sehr viel: Welche Highlights gab es heuer für dich?

Sue: Ein Highlight ist für mich, wenn man eine Steigung geschafft hat, auf der Anhöhe ist. – Ein weiteres Highlight ist für mich das Meer. Ich liebe das Meer. Was mich auf dieser Tour noch begeistert hat, war die Hilfsbereitschaft der Leute. Die meisten Menschen, denen ich begegnet bin, waren rücksichtsvoll und hilfsbereit, auch die Verkehrsteilnehmer. Die Autofahrer haben in den engen Landstraßen manchmal warten müssen, bis sie weiterfahren konnten.

 

RS: Wie lange warst du unterwegs und wieviele Spenden kamen zusammen?

Sue: Ich war 20 Tage unterwegs. Die Spendenaktion ist noch nicht abgeschlossen, es kommen immer noch Spenden herein. Diesmal habe ich über 1.000 Euro als Spenden zusammen bekommen. Ingesamt habe ich seit 2010 ungefähr 6.000 Euro für Hilfsorganisationen bekommen.

 

RS: Mit welcher Spendenorganisation arbeitest du zusammen? Welche Projekte unterstützen sie und wie kann man tatkräftig helfen?

Sue: Freiraum Europa, licht.blicke-demenz.hilfe.tirol und Macmillan. Freiraum Europa setzt sich für Behinderte ein. In letzter Zeit bin ich viel mit dem Thema Demenz in Berührung gekommen. Einige meiner Bekannten leiden zum Teil selbst an dieser Krankheit. Es ist auch für die Angehörigen nicht leicht, wie man den Alltag mit dieser Krankheit bewältigt. Daher arbeite ich mit der „Demenzhilfe Tirol“ und in England mit der Hospizorganisation „Macmillan Caring Locally“ zusammen. Man kann sich aussuchen, für welche Organisation die Spende ist. In England kann man sogar über meinen Blog direkt per Paypal spenden.

 

RS: Wie lange radelst du schon? Welchen Stellenwert hat das Radeln in deinem Leben?

Sue: Einen sehr großen. Mein Papa hat früher einen Beiwagen für sein Fahrrad gebaut. Also bin ich schon als Baby im Beiwagen und später selber auf dem Rad unterwegs gewesen.

RS: In welchen Ländern bist du mit dem Rad schon gewesen?

Sue: Österreich, Deutschland, Frankreich, Schweiz, Spanien, Schottland, Italien, Chile und England. Es hat mir überall gut gefallen.

 

RS: Bist du auf deinen Touren alleine unterwegs?

Sue: Ich radle bei den Touren ganz alleine und mache immer Fotos für meinen Blog, bei dem ich dann täglich Neuigkeiten poste. – Kürzere Touren mache ich auch mit einer Gruppe, dem Aktivclub Nassereith. Das sind dann Vereinsausflüge ohne Spendenhintergrund, die mir ebenfalls sehr viel Spaß machen.

 

RS: Planst du selber deine Tour? Hast du fixe Stationen oder übernachtest du im Zelt?

Sue: Ja, ich plane meine Touren selber. Ich suche mir ein Ziel aus und stelle mir die Route entsprechend zusammen. – Ich habe beide Methoden ausprobiert. Diesmal hatte ich fixe Stationen und ich wusste, wo ich übernachte. Das ist nicht immer einfach. Manchmal ist die Tagesstrecke zu kurz oder zu lang. Diesmal hat es super geklappt.

 

RS: Welche Ziele hast du für die nächsten zehn Jahre?

Sue: Ich möchte gesund, fit und aktiv bleiben. Mit 65 Jahren ist das nicht selbstverständlich.

 

RS: Gibt es eine Tour, die du immer schon machen wolltest, aber noch nie umgesetzt hast?

Sue: Gerne möchte ich von Genf oder Südfrankreich den Jakobsweg nach Santiago de Compostela mit dem Rad fahren.

 

RS-Info-Box:

Spendeninformationen bei Susan Hausberger unter healyourlife@hausberger.at

Die schottischen Highlands aber auch das Meer haben es Sue besonders angetan.
Die Wetterkapriolen sind wir momentan auch gewöhnt: Der Radweg in Schottland kann aber auch im Sommer „severe“, also übel, und Radfahrern gefährlich werden.
Die Haus- und Gartenkultur in England hat durchaus ihre reizvollen Seiten.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.