VP Reutte sieht Wohnbauboom kritisch

In Reutte steht einiges an. In den kommenden fünf Jahren könnten etwa 400 Wohnungen bezugsfertig werden. Die VP fordert eine Wohnbaubremse ein. RS-Foto: Schretter

Umsichtiges Planen und mehr Einwirken von Gemeindeseite gefordert

Im Gemeindegebiet von Reutte wird fleißig gebaut, in den Büros und in der Gemeindestube weiter geplant. Bis zu 400 Wohnungen könnten in den kommenden fünf Jahren fertiggestellt werden.

Jede Tiroler Gemeinde verfügt mit dem Örtlichen Raumordnungskonzept über eine umfassende und strategische Richtlinie für die räumliche Entwicklung des Gemeindegebietes. Die VP-Fraktion beschäftigt sich intensiv mit der Fortschreibung dieses Konzepts und wünscht sich beim Wohnbau mehr Eingreifen von Seiten der Gemeinde.
Gemeindevorstand Ernst Hornstein nennt 400 Objekte, die entweder in der Pipeline stehen, in Planung oder schon im Bau sind, bei denen eine Fertigstellung bis in fünf Jahren möglich wäre. Vizebürgermeister und VP-Bezirksobmann Klaus Schimana stellt dem gegenüber, dass „wir eigentlich einen Zuzug von 60 oder 70 Personen pro Jahr nach Reutte für ausreichend erachten. Mehr Wachstum tut Reutte nicht gut.“
Wenig Häuslbauer. „In Reutte gibt es immer weniger Häuslbauer, sie sterben faktisch aus. Zum einen, weil sie Angst haben, dass ihnen ein Wohnblock vor die Nase gesetzt wird, zum anderen kaufen Wohnbaugesellschaften viele Grundstücke und zahlen dafür auch hohe Preise.“
Eine Idee, dem entgegenzuwirken, basiert darauf, vor allem jungen Familien günstige Flächen zur Verfügung zu stellen. Hausbauen für Familien soll leistbar sein. Das wäre bei der momentanen günstigen Zinssituation ein optimaler Ansatz, so Klaus Schimana. Eine weitere Sorge der beiden VP-Gemeinderäte ist die verfallende Bausubstanz im Ortszentrum. „Hier gab es einen sehr positiven Ansatz, der einmal von Wolfgang Haas gekommen ist. Wer einen Wohnblock baut, soll die Patenschaft für ein altes Haus im Ortszentrum übernehmen. Leider ist das nur beim ,Hornsteinhaus’ gelungen. Jeder will im Zentrum wohnen, auf eine gewisse Idylle aber nicht verzichten. In ein altes Haus, das saniert werden  muss, zieht halt kaum einer gerne ein. Mit der Häuserpatenschaft könnten wir auch in diese Situation frischen Wind bringen“, umreißt Enst Hornstein eine weitere Idee seiner Fraktion.
Reutte als zentraler Ort besitzt im Bezirk Reutte eine besondere Anziehung. Es ist Schul- und Verwaltungszentrum und Arbeitsplatz für viele Außerferner – auch aus den umliegenden Gemeinden. Zudem macht die Wohnzinsbeihilfe Reutte als Wohnort sehr attraktiv. Dem Zuzug in den Zentralraum steht der Bevölkerungsrückgang der Gemeinden – vor allem in den Tälern – gegenüber.
Dennoch müsse die von Bgm. Luis Oberer angedachte Wohnbaubremse nun endlich kommen, wird von der VP gefordert. Maximierung ist die Prämisse der Wohnbaugesellschaften. Sobald jedoch die Bauordnung geändert werden muss, um ein Bauvorhaben realisieren zu können, sollte die Gemeinde bzw. der Bauausschuss eingreifen. „Wie müssen auch an die Leute denken. Wir haben nichts gegen den Wohnbau, fordern aber umsichtiges Planen ein“, sind sich Klaus Schimana und Ernst Hornstein einig.
Reutte soll sich entwickeln, man soll hier gut und gerne wohnen können, aber alles mit Maß und Ziel.