Wahlkampf – „kurz und knackig“?

„Ich sehe ein klares Duell zwischen Kern und Kurz!“, stellt Jakob Wolf eine erste Prognose für den Wahlkampf im Herbst. RS-Fotos: Praxmarer

Jakob Wolf im Sommergespräch mit der RUNDSCHAU

Die Wahlvorbereitungen sind nicht nur im Bezirk Imst schon in vollem Gange. Ein spannendes politisches Ereignis, findet auch Bürgermeister der Gemeinde Umhausen, Abgeordneter zum Tiroler Landtag und zudem Klubobmann des Landtagsklubs der Tiroler Volkspartei, Jakob Wolf. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU äußert er sich außerdem über Olympia, Kraftwerksprojekte, den Ötztal-Pitztal-Zusammenschluss und viele weitere zentrale Angelegenheiten.

Von Anna Praxmarer

Nicht nur in Umhausen stand die problematische Situation der Familie Falkner aus Farst unlängst im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Diese muss jährlich hohe Fahrtkosten aufbringen, um ihre Kinder vom weit abgelegenen Wohnort teilweise dreimal täglich in die Schule und wieder nach Hause zu bringen. Die Gemeinde Umhausen zahle der Familie das Kilometergeld, wenn eine Kilometeraufstellung weitergeleitet werden würde, so der Umhauser Bürgermeister. „Damit haben wir als Gemeinde unsere Verpflichtung erfüllt. Ansonsten wäre es durchaus wünschenswert, wenn man sich in Wien um eine bessere Regelung für solche Familien bemühen würde, denn die Gemeinde sehe ich in erster Linie dafür nicht zuständig.“

Energieversorgung.

Wie es nun mit dem Kraftwerksprojekt Tumpen-Habichen weitergeht, liegt zurzeit am Landesverwaltungsgericht in Innsbruck. „Ich hätte mir einen schnelleren Verfahrensverlauf gewünscht. Das Ganze ist seit beinahe zehn Jahren im Verfahren“, wird beanstandet. Bei dem aus geologischer Sicht umstrittenen Standort bleibe es jedoch vorerst, denn die Gutachten seien positiv ausgefallen und Genehmigungen lägen bereits vor. Der Bescheid für das Sellrain-Silz-Kraftwerk werde erwartet und auch das Kraftwerksprojekt Imst-Haiming wird derzeit vorangetrieben. „Wir brauchen die Kraftwerke“, ist Wolf überzeugt. „Tirol soll bis 2050 energieautonom sein. Die Umsetzung aller Projekte wird aber nicht möglich sein. Es gilt, die Balance zwischen Umweltschutz und Energieversorgung zu halten.“

Pitztal-Ötztal.

Die Verfahren zum Zusammenschluss der beiden Skigebiete laufen gut: Im Jänner 2018 sollen die ersten Gelder bereits ausgezahlt werden können. Im Herbst werde es aber noch einen Landtagsbeschluss brauchen. „Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung und froh, dass im Tiroler Landtag alle Parteien einer Genehmigung zugestimmt haben.“ Das Pitztal sei aufgrund hoher Abwanderungszahlen ein „Sorgenkind“. Es sei an der Zeit, über sinnvolle Anliegen wie Straßenverbesserungen und Lawinenverbauungen nachzudenken. „Das Steinbockzentrum wird sicher ein Highlight werden.“ Auch in puncto Nahversorgung müsse aufgerüstet werden. „Es ist nicht einfach, aber machbar. In Roppen wurde es beispielsweise vorbildlich angegangen. Dort wurden viele Maßnahmen zur besseren Nahversorgung durchgeführt. Die Gemeinde stellte Geld zur Verfügung, um Privatpersonen zu unterstützen.“

Landtag.

„Den Imster Bürgermeister Stefan Weirather und mich beschäftigen als Sprecher im Tiroler Landtag vor allem die Förderungen für das Pitztal. Ein besonders großes Anliegen ist der Ausbau des Krankenhauses Zams. Dabei ist es uns schon gelungen, große Summen vom Land zu bekommen.“ Einen fundamentalen Erfolg stellt der Neu- und Zubau des Krankenhauses Zams um rund 85 Millionen Euro dar. Als nächste große Intention kristallisiert sich der Tschirganttunnel heraus: „An diesem ,harten Brett‘ sind wir schon lange dran!“

Flüchtlinge.

„Ich sehe die Flüchtlingssituation im Bezirk Imst entspannt“, so Jakob Wolf. „Ich muss an die Bevölkerung ein ,Dankeschön‘ richten. Alles ist gut gelaufen und ich bin sehr zufrieden und stolz, dass wir die Situation so gemeistert haben.“

Impulsgeber Olympia?

In Tirol als Olympiaschauplatz würde eine Investition von rund einer Milliarde Euro gesteckt werden. „Auf der anderen Seite gibt es Bedenken, dass eine Preistreiberei die Folge sein wird. Trotzdem sehe ich Olympia als Chance. Wenn das internationale Olympische Komitee olympische Spiele im kleinen, feinen Rahmen haben will, soll es uns den Zuschlag geben. Ansonsten machen wir es nicht.“ Abschließend zitierte Wolf den Landeshauptmann: Ob dieses Angebot angenommen werden soll, „soll die Bevölkerung entscheiden und nicht die Politik“. Dabei fordert er dezidiert die jüngere Generation auf, am 15. Oktober ihre Stimmen bei den Nationalratswahlen abzugeben.

Armut.

Mit dem Einkommen auskommen – das ist für über 17800 Tiroler laut dem Institut für höhere Studien nur schwer möglich: Sie leben knapp oder unter der Armutsgrenze. Wolf sieht seitens der Landes- aber in erster Linie seitens der Bundesregierung Handelsbedarf: „Ich bin sehr froh, dass jetzt der Mindestlohn beschlossen worden ist. Als Landesregierung können wir jedoch nur begleitende Maßnahmen setzen. Es ist aber eine Aufgabe, die von allen Parteien gemeinsam erfüllt werden muss.“

Landespolitik.

„Kira Grünberg als Quereinsteigerin wird eine wichtige Funktion erfüllen“, kommentiert der Klubobmann des Landtagsklubs der Tiroler Volkspartei. „Sebastian Kurz will mit seiner Bewegung etwas Neues bringen. Im Oberland wird Elisabeth Pfurtscheller die Liste anführen und ich gehe davon aus, dass Dominik Schrott als junger ÖVP-Chef platziert wird.“ Schrott müsse sich nun um Vorzugsstimmen bemühen. Jakob Wolf zeigt sich optimistisch, dass ein neuer Bundeskanzler im Herbst Sebastian Kurz heißen könnte. „Der Wahlkampf im September wird kurz und knackig. Ich sehe ein klares Duell zwischen Kern und Kurz. Kurz kann junge Menschen für Politik interessieren, das schätze ich an ihm.“ Rot und Blau stünden dem Kandidaten gegenüber. Für die Landtagswahl werden die Listen erst im November erstellt. „Ich kann noch keine Prognosen stellen, würde aber furchtbar gerne noch eine Runde im Landtag mitmischen.“ Es gäbe seinerseits jedoch keinerlei Ambitionen, von der Landes- auf die Bundesebene zu wechseln.

Privatleben.

„Das Handy auszuschalten ist bei mir eigentlich schon ein Problem, weil ich immer erreichbar sein muss – zunächst für den Herrn Landeshauptmann, weil ich eine zentrale Funktion als Klubobmann hab‘.“ Sich regelmäßig für ein paar Tage auszuklinken – das sei das Geheimnis, um einen klaren Kopf zu bewahren. „Ich gehe sehr gern wandern oder auf die Jagd – das ist mein Ausgleich. Für die bevorstehenden Wahlgänge fühle ich mich aber nun nach einem Kuraufenthalt ausgeruht und vorbereitet!“

Im heurigen Jahr wurden bereits viele große Bauprojekte in Umhausen realisiert. Rund 350.000 Euro wurden beispielsweise in das neue Kabinengebäude des SV Umhausen am Sportplatz investiert.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.