„Was haben die Menschen gefühlt?“

Susanne Loewit (im Bild bei ihrer Ausstellung im Jahr 2015 im Rechelerhaus in Ladis) hat Tiroler Sagen „in die Gegenwart geholt“ und modern-lebendig illustriert. RS-Foto: Archiv

„Tiroler Sagen – Bis in alle Gegenwart“ der in Landeck aufgewachsenen Susanne Loewit erschienen

 

Susanne Loewit, die ihre Kindheit und Jugend in Landeck verbracht hat, hat ein Sagenbuch geschrieben und illustriert – auf ihre eigene Art: psychologisch einfühlend erzählt und mit lebendig gemalten Charakteren.

 

Von Daniel Haueis

 

Susanne Loewits Mädchenname ist in Landeck weiterhin ein bekannter: Danler (auch dank ihres Vaters Herbert, der am Gymnasium unterrichtet hat). Sie hat Landeck Ende der 1970er-Jahre für das Studium der Musik und Germanistik verlassen, ist Malerin und Germanistin, hat viele Jahre als Pädagogin gearbeitet und ist im Bezirk vor allem als Künstlerin in Erscheinung getreten – 1984 hat sie im Schloss Landeck ausgestellt, zuletzt waren ihre Werke im Jahr 2015 im Rechelerhaus in Ladis zu sehen (Nähere Infos zu Susanne Loewit als Künstlerin gibt‘s auf
www.susanne-loewit.at). Eine Affinität zu Literatur und schönen Büchern, besonders Bildbänden zeigte sie aber ebenfalls: Als Illustratorin trat sie z.B. 1997 in Erscheinung („Verzauberte Berge: Sagen und Bilder“ – Provinz Bozen). Und 2009 ist das Kinderbuch „Die schöne Philippine oder wie man ein Schloss verschenkt“ im Eigenverlag von Verfasserin Anna-Maria Rainer erschienen, zu dem Susanne Loewit die Illustrationen beigesteuert hat. Und nun widmet sich die ehemalige Landeckerin als Schriftstellerin und Illustratorin alten Sagen aus Nord-, Ost- und Südtirol: „Tiroler Sagen – Bis in alle Gegenwart“.

 

ZEITLOSE GÜLTIGKEIT. Schon der Untertitel verrät: Loewit führt die zeitlose Gültigkeit der überlieferten Texte vor Augen – grundlegende existentielle Erfahrungen wie die Auseinandersetzung mit Liebe, Eifersucht, Schmerz, Leid, Unglück und Tod haben sich nicht verändert. „In den überlieferten Texten rollt zumeist eine geballte Ladung an niederschmetternden Ereignissen mit voller Wucht auf einen zu, noch dazu oft kurz und knapp dargestellt. So als wäre das nicht schon genug, kommt dann der moralische Hammer, um zusätzlich noch eins draufzusetzen. Was die Texte betrifft, wollte ich die Inhalte trotz ihrer Dramatik anders darstellen, d.h. mit einem Verständnis für die Handlungsweise der Figuren – psychologisch einfühlend erzählen, ohne sich dabei aufzudrängen und den Erzählfluss zu stören: Was haben die Menschen gefühlt? Wie erging es ihnen innerlich? Welche Beweggründe ließen sie gerade so handeln?“, sagt Loewit. Bei der Auswahl lag ihr Augenmerk auf Sagen, in denen es in erster Linie um Menschen und ihre Beziehungen geht – nicht um Zwerge, Riesen, Kobolde etc. „Vor allem die Schicksale von jungen Mädchen und Frauen in Verbindung mit Sinnlichkeit, Liebe, Schwangerschaft, Geburt und Tod haben es mir angetan.“ In einigen Sagen kommen aber auch Gestalten wie Teufel, Salige Fräulein, die Wilde Jägerin oder ein Seegeist vor.

 

LEBENDIGE MENSCHEN. Als Malerin bzw. Illustratorin wiederum wollte sie ein Gegenbild entwerfen zu großteils düsteren Illustrationen in Sagenbüchern: „Die Protagonisten in meinem Buch treten als starke Charaktere auf und versuchen, ihr Leben zu meistern – auch wenn sich für sie nicht immer alles zum Guten wendet, sind sie dennoch starke Persönlichkeiten.“ Personen aus ihrem Umfeld, also zeitgenössische Modelle, hat sie gewählt, um die Sagenfiguren zu entstauben und ihnen ein gegenwartsnahes Gesicht zu geben. Haltung, Mimik und Gestik lassen einen die Sagenfiguren als lebendige Menschen begreifen.

 

LANDECK. In „Tiroler Sagen – Bis in alle Gegenwart“ stammen gleich vier der 22 Sagen aus dem Bezirk Landeck: „Der Nixenteich“ spielt in Ladis, „Gebirgsidyll“, „Geiz“ und „Der silberne Löffel“ im Paznaun. Lesungen im Bezirk sind ins Auge gefasst, vorerst kann man aber selbst lesen: Susanne Loewits „Tiroler Sagen – Bis in alle Gegenwart“, ISBN/ISSN978-3-85093-372-8, ist soeben im Berenkamp Verlag erschienen, hat 128 Seiten mit 51 farbigen Abbildungen und kostet 19,90 Euro.

„Tiroler Sagen – Bis in alle Gegenwart“ enthält auch vier Sagen aus dem Bezirk Landeck. Cover: Berenkamp