„Wir haben es dank euch geschafft!“

Paul und Enya – gemeinsam gehen sie durch dick und dünn. Enya ist eine Diabeteswarnhündin und kann Paul vor gefährlichem Über- oder Unterzucker warnen. Foto: Focus Diabetes

Seit Oktober vergangenen Jahres sind Paul und Diabeteswarnhündin Enya unzertrennlich

Die meisten RUNDSCHAU-LeserInnen werden sich noch an Paul Eiter aus St. Leonhard erinnern. Vor etwa einem Jahr startete die RUNDSCHAU einen Spendenaufruf, um Paul seinen sehnlichsten Wunsch, einen Diabeteswarnhund, zu ermöglichen. Mittlerweile sind er und Hündin Enya ein perfektes Team.

Von Maria Stecher

Nach dem Spendenaufruf im Februar letzten Jahres dauerte es nicht lange bis die Finanzierung des Diabeteswarnhundes stand. Dafür zeichnete jedoch nicht der RUNDSCHAU-Aufruf alleine verantwortlich, sondern auch Pauls persönliches Engagement via Facebook. Paul ist nicht der Typ, der sich zurücklehnt und wartet, dass etwas passiert, er nimmt die Sache selbst in die Hand. So verkündete er bereits am 2. März 2016 über Facebook: „Wir haben es dank euch geschafft! Das letzte Geld, welches noch fehlte, übernimmt die Stiftung Kindertraum. Somit ist der Hund finanziert. Sollten noch weitere Spenden eintreffen, dann werden diese für Futter, Zaun, Fahrten in die Steiermark und Hundespielzeug verwendet. Ich möchte mich bei euch noch mal bedanken, denn ohne eure Spenden wäre mein Traum nicht in Erfüllung gegangen“. Auch nachdem klar war, dass die nötigen finanziellen Mittel vorhanden sind, kamen noch Spenden. Diese verwendete Familie Eiter, um einen Zaun zu errichten, damit der Vierbeiner – zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand, ob es ein Hund oder eine Hündin wird – nicht ausbüchsen kann. Vorsicht ist schließlich besser als Nachsicht.

 

Die Diagnose. Bei Paul wurde, als er dreieinhalb Jahre alt war, Diabetes Typ 1 diagnostiziert. Bis er fünf Jahre alt war, musste er Insulin spritzen. Seitdem übernimmt diese Arbeit eine Insulinpumpe. Er hat sich daran gewöhnt, kann mit der Krankheit umgehen. „Im Sommer beim Schwimmen muss ich die Pumpe weg tun, nach dem Schwimmen schließe ich sie eben wieder an“, erzählt der mittlerweile 15-Jährige als wäre das das Selbstverständlichste auf der Welt. Als Paul erfuhr, dass es Diabeteswarnhunde gibt, wurde ein solcher zu seinem Traum. Paul hat es geschafft, sich seinen Traum zu verwirklichen.

 

Der große Tag. Mit seiner Mama fuhr er regelmäßig in die Steiermark ins Animal Training Center (ATC), wo die Diabeteswarnhunde (DWH) ausgebildet werden. Der 27. Juni 2016 war dann ein ganz besonderer Tag: „Die Entscheidung ist getroffen. Ich bekomme Enya, eine von den vier Hündinnen vom E-Wurf. Ich bin total glücklich und nochmal an alle vielen Dank, denn ohne eure Unterstützung wäre das alles nicht möglich“, schrieb Paul auf Facebook. Was folgte war die Ausbildung, maßgeschneidert auf Paul und Enya und im Oktober kam der große Tag: Paul durfte Enya mit nach Hause ins Pitztal nehmen. Am 10. Oktober schrieb Paul auf FB: „Enya, Mama und ich sind Gott sei Dank gut zuhause angekommen und haben schon unseren ersten Spaziergang im Schnee hinter uns.“

 

Was macht Enya? Enya weiß als ausgebildeter DWH, wenn Pauls Zuckerspiegel nicht in Ordnung ist. Sie zeigt sowohl Über- als auch Unterzucker an, indem sie sich durch Bellen, Winseln und unruhiges Verhalten bemerkbar macht. Woher weiß sie das? Sie riecht es! So wie ein Polizeihund Drogen oder Falschgeld erschnüffelt, so riecht Enya ob Pauls Zuckerspiegel in Ordnung ist oder eben nicht. Damit ein Hund in der Lage ist, diese Leistung zu erbringen, muss ein intensives Training durchlaufen werden. Dieses Training ist kostspielig und deshalb ist ein DHW auch sehr teuer. Bereits am zweiten Tag in ihrem neuen Zuhause im Pitztal machte Enya sogar eine Fernanzeige. Paul war in der Schule in Imst, Enya zu Hause im Pitztal. Da Enya reagierte, rief Pauls Mutter ihn an und sagte er solle Zucker messen. Und tatsächlich, er hatte Unterzucker.

Einmal im Jahr findet ein ATC-Trainingscamp statt. Alle DHW-BesitzerInnen treffen sich irgendwo in Österreich und trainieren gemeinsam, um alles Wichtige wieder aufzufrischen. Heuer findet dieses Training erstmals im Pitztal statt. Genauer gesagt direkt bei Paul zu Hause in der Pension Alpin. Paul und Enya werden also Gastgeber für ein ganzes Rudel von Diabeteswarnhunden sein.

Fokussiert. Das Skifahren hat Paul mittlerweile mehr oder weniger an den Nagel gehängt. Er besucht nun die HAK Imst. Intensives Skitraining und gut sein in der Schule geht nicht, meint Paul, deshalb habe er sich dafür entschieden, den Fokus auf seine Ausbildung zu legen. Er möchte auf jeden Fall die Matura machen. Trailrunning und Fußball macht er aber weiter. Außerdem will er ja auch möglichst viel Zeit mit seiner besten Freundin Enya verbringen.

Weil Paul nicht jedem/r einzelnen Spender/in danken kann, möchte er via RUNDSCHAU noch einmal ein allgemeines, von Herzen kommendes „Danke!“ in die Welt senden.