„Wirtschaftlich absolut sinnvoll“

Josef Thöni (Referent Gemeinde Graun), VBgm. Andrea Frank (Graun), Paul Jakomet und Hans Moriggl (Südtiroler Wirtschaftsring – Bezirk Vinschgau) Foto: Oberländer Gletscherbahn AG

„Langtaufers-Kaunertal“ vor Entscheidung

 

Vor rund einem Jahr wurde das Projekt Zusammenschluss der Skigebiete Langtaufers und Kaunertal einge-reicht. Mehr als 26 Millionen Euro sollen in die Skiverbindung im Obervinschgau investiert werden. Es sind aber noch einige offene Fragen zu klären – bis Samstag.

 

Von Daniel Haueis

 

Die Entscheidung über die Seilbahnverbindung zwischen den Skigebieten Langtaufers und Kaunertal steht unmittelbar bevor. Realisiert werden soll der Zusammenschluss mit zwei Kabinenbahnen, die von der Talsohle in Langtaufers über eine Länge von 4500 Metern und einer Höhe von 1200 Metern hinauf zum Karlesjoch am Kaunertaler Gletscher führen. Die Bergstation ist auf italienischer Seite in unmittelbarer Nähe zur Karlesjoch-Bergstation des Kaunertaler Gletschers geplant. Zudem ist eine Abfahrt vom Weißseejoch nach Langtaufers vorgesehen. Die geplanten Investitionen belaufen sich auf 26,38 Millionen Euro. Im Februar 2016 wurde die Oberländer Gletscherbahn AG gegründet. Bisher haben 200 Aktionäre Anteile gezeichnet, der Großteil davon stammt aus Graun: 80 Prozent der Bevölkerung aus Langtaufers sind Aktionäre. Ende Mai 2016 geneh-migte die Gemeinde Graun mit Zwei-Drittel-Mehrheit das Projekt und leitete es an die zuständigen Landesstellen weiter.

 

OFFENE FRAGEN, ABER ZUVERSICHT. Mittlerweile liegen ein negatives Umweltgutachten vom Februar 2017 und ein negatives Vorgutachten der Raumordnung vor, das sich vorwiegend auf das negative Umweltgutachten stützt, wie die Oberländer Gletscherbahn AG mitteilt. Die Aktiengesellschaft hat noch bis Samstag (8. Juli) Zeit, zu den negativ bewerteten Punkten Stellung zu nehmen. „Wir können alle negativ bewerteten Punkte entkräften und werden dies auch mit aller Gewissenhaftigkeit tun“, erklärt Paul Jakomet, Geschäftsführer der Oberländer Gletscherbahn AG. „Uns ist es wichtig, dass in der Gesamtbewertung des Projektes alle relevanten Aspekte berücksichtigt werden. So wie es im Fachplan für Aufstiegsanlagen und Skipisten vorgesehen ist, geht es darum, neben den Umweltaspekten auch die wirtschaftliche Entwicklung im Sinne der Bevölkerung vor Ort zu berücksichtigen. Und hier gibt es noch einige Fragen zu klären.“

 

KRITIK. Im Wesentlichen gehe es bei den negativen Bewertungen um die Themenbereiche Umwelt, Landesplanung und Wertschöpfung. Das Umweltgutachten und das Vorgutachten der Raumordnung würden vor allem die Skipistenvariante vom Karlesjoch durch das Melagtal negativ bewerten. Diese Variante wurde jedoch von der Oberländer Gletscherbahn AG im Dezember 2016 zurückgezogen. Die Weißseejochvariante unterscheide sich wesentlich von der zurückgezogenen Karlesjochvariante und werde auch vom Umweltbeirat als eindeutig umweltschonender bewertet. Kritisiert werden zudem eventuelle negative Auswirkungen auf die anderen Skigebiete im Obervinschgau. Es könne aber davon ausgegangen werden, dass es zu einer gegenseitigen Befruchtung der Skigebiete und somit zu einem Wachstum aller Skigebiete kommen wird. Zur Analyse dieses Aspektes und weiterer wirtschaftlicher Aspekte wurde Seilbahnexperte Roland Zegg beauftragt, ein entsprechendes Gutachten zu erstellen. Da das Langtauferer Tal sehr stark von Abwanderung betroffen ist, sei es umso wichtiger, dass vor allem die Interessen der örtlichen Bevölkerung berücksichtigt werden, erklärt Jakomet: „Der gesamte Obervinschgau lebt vom Tourismus. Im Zusammenhang mit der Wertschöpfungssteigerung ist dieses Projekt wirtschaftlich absolut sinnvoll.“