„Wo kriege ich Pflegegeld?“

Anton Pircher, Hans Georg Kreuzer, Christoph Heumader, Kathrin Hörschläger, LR Bernhard Tilg, BH Markus Maaß und Gottlieb Sailer (v.l.) RS-Foto: Haueis

Pilotprojekt in Landeck: Pflege-Beratungsstelle wird eröffnet

 

Zum Pflegefall oder pflegenden Angehörigen kann man über Nacht werden. So rasch sollte man auch an Informationen bzw. zu Unterstützung kommen – das Land richtet daher in Landeck eine Anlaufstelle ein.

 

Von Daniel Haueis

 

Gottlieb Sailer, ehemaliger Leiter des Pflegeheims in Grins und Obmann des Pflegevereins Kappl, weiß, wovon er spricht: „Ich habe ganz viel Ratlosigkeit erlebt, speziell beim akuten Eintritt der Pflegebedürftigkeit.“ Betroffene sorgen sich um die Finanzierung der Pflege, gar um ihre Existenz, konkrete Fragen betreffen das Pflegegeld oder Hilfsmittel, pflegende Angehörige fragen sich, wie sie künftig ein lebenswertes Leben führen können etc. Sailers Fazit: „Pflegende Angehörige brauchen dringend unsere Unterstützung.“ Und die bietet das Land zu Pflegenden und pflegenden Angehörigen bald in Landeck und Kufstein, wo Pilotprojekte durchgeführt werden.

 

ALLE EINBINDEN. LH Günther Platter hat nicht nur die Heime und Sozial- und Gesundheitssprengel im Auge, sondern auch die häusliche Pflege durch Angehörige. „Die wertvollen und aufopfernden Leistungen der pflegenden Angehörigen sind ein Grundpfeiler der pflegerischen Versorgung in Tirol. Umso wichtiger ist die bestmögliche Unterstützung und Entlastung dieser Menschen durch eine eigene Beratungsstelle“, begründet LH Platter die Schritte. Konkret ist im Pilotprojekt eine Beratungsstelle (wahrscheinlich in Landeck) vorgesehen, in der ein kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung steht, der aber auch bei den zu Pflegenden zu Hause berät. „In den nächsten Wochen suchen wir nach Räumlichkeiten und Persönlichkeiten“, sagt Pflege-LR Bernhard Tilg. Dieser Pflege-Netzwerker soll „viele neue Brücken von Versorgungseinrichtungen zu pflegenden Angehörigen“ schlagen, wobei Tilg auch ehrenamtliches Engagement keineswegs außer Acht lassen will. Christoph Heumader, Leiter des Pflegeheims Grins, etwa spricht von 200 Ehrenamtlichen, die allein in den acht Verbandsgemeinden aktiv sind. 120.000 Euro lässt sich das Land dies pro Jahr kosten. Mit im Team ist Hans Georg Kreuzer aus Zams, der im „Pflegelotsen“ ein „Gebot der Stunde“ sieht.

 

ALLE INFOS AUS EINER HAND. Regional gibt’s bereits ähnliche Institutionen, etwa die Kümmerin im Stanzertal oder die mobile Sozialarbeiterin im SGS Landeck u.U. Im Stanzertal hat Geschäftsführerin Kathrin Hörschläger 130 Fallbegleitungen in einem Jahr gezählt (und zwar meist zu Hause bei den Betroffenen), in Landeck waren es 500 Kontakte im Jahr. „Vor-Ort-Betreuung ist nötig“, sagt Sprengel-obmann Toni Pircher. Bernhard Tilg will aber keine Doppelstrukturen schaffen, sondern eben die „weißen Flecken“ von der Landkarte tilgen. In ein bis zwei Monaten gebe es diese „Beratungsstelle für Pflege“ mit einem 100-Prozent-Beschäftigten. Gesucht ist ein Fachmann mit Erfahrung im Projektmanagement und mehrjähriger Berufserfahrung in der Langzeitversorgung, der Kenntnisse im Bereich Pflegegeld(einstufung) mitbringt. Die Pilotprojekte in Landeck und Kufstein werden evaluiert, das Vorhaben soll dann auf ganz Tirol ausgedehnt werden.

LH Günther Platter: bestmögliche Unterstützung und Entlastung pflegender Angehöriger RS-Foto: Archiv