Zirler Bevölkerung „stinkt´s“ gewaltig

Kämpfen für den Gesundheitsschutz der verkehrsgeplagten Zirler: Christoph Hendl (betroffener Anrainer), Zirls Vize-Bgm. Iris Zangerl-Walser (IG Zirl), Fritz Gurgiser (Transitforum Tirol) und Lungenfacharzt Christian Prior (v.l.n.r.) Foto: Wolfgang Rives

Der Verkehr in und um Zirl hat mittlerweile ein unerträgliches Ausmaß erreicht – Bürger fordern Maßnahmen

Zirl im Würgegriff! Die Interessensgemeinschaft Zirl (IG Zirl) und das Transitforum Tirol luden in der vergangenen Woche zu einer Podiumsdiskussion ins Veranstaltungszentrum B4. Im Mittelpunkt stand das immer höher werdende Verkehrsaufkommen auf der Zirler Nordumfahrung, der Inntalautobahn, aber auch zunehmend innerorts. Für die Initiatoren steht jedenfalls fest: „Es reicht! Zirl muss sich aus der belastenden Umklammerung befreien“.  Täglich wird die Gesundheitsqualität der Anwohner arg strapaziert. Zur höchst gefährlichen Feinstaubentwicklung, die unweigerlich in die Nasen der Bevölkerung weht, kommt die unerträgliche Lärmbelastung, die praktisch rund um die Uhr auf das Dorf und seine Bewohner niederprasselt.

Wie hoch die Belastung sein muss, zeigte sich gleich zu Beginn der Veranstaltung. Ein bis auf den letzten Platz gefüllter Saal bestätigt Zirls Vizebürgermeisterin Iris Zangerl-Walser und Fritz Gurgiser (Transitforum) in ihrem Vorhaben, Schutzmaßnahmen für die von Lärm und Abgasen geplagten Bewohner einzufordern. Die Podiumsdiskussion diente einerseits dazu, mit der Bevölkerung in Kontakt zu treten und Erfahrungsberichte der Anwohner zu erhalten, andererseits aber auch der Information über die Auswirkungen der stetig steigenden Belastung für die Gesundheit.

HOHES SCHADSTOFFAUFKOMMEN – HOHES GESUNDHEITSRISIKO. So war mit dem Lungenfacharzt Dr. Christian Prior auch ein Experte zur Diskussion geladen. „Stickoxide, die als Verbrennungsprodukt den Auspuff der Fahrzeuge verlassen, gelten als Reizgase. Für Menschen, die der verschmutzten Luft  in einem hohen Maß ausgesetzt sind, besteht ein wesentlich  größeres Risiko an Lunge und Atemwegen zu erkranken“, so Prior. „Besonders empfindlich sind kleine Kinder, da sich in den ersten vier Lebensjahren die Lungenfunktion entwickelt und durch die erhöhte Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr verlangsamt“, erläutert Prior weiter. Wie sich die Luftverschmutzung deutlich zeigt, bewies Christoph Hendl, der als betroffener Anrainer seine Eindrücke schilderte und dabei sozusagen „Anschauungsmaterial“ präsentierte. Auf Grund der hohen Schadstoffbelastung in der Luft, sah er sich nämlich gezwungen, nachträglich eine Wohnraumlüftung in seinem Haus zu installieren. Der dafür verwendete Filter veränderte seinen Farbton innerhalb von nur drei Wochen von Reinweiß in Pechschwarz.

KONKRETE FORDERUNGEN AN DIE LANDESPOLITIK. Zangerl-Walser (IG Zirl) und Gurgiser fordern zum Schutz der Zirler eine sofortige Reduzierung der Geschwindigkeitsbegrenzung an der Nordumfahrung zumindest auf Tempo 80, besser noch auf Tempo 60. „Die Lärmbelästigung ließe sich im Übrigen mit dem Aufbringen eines Flüsterasphalts wesentlich reduzieren“, so Gurgiser. „Von Seiten der Verantwortlichen hört man allerdings immer nur, dass dies alles zu teuer sei. In Wahrheit kommen unterm Strich aber so oder so wir als Steuerzahler für die Kosten auf. Die Nordumfahrung mit Flüsterasphalt zu versehen, wäre zur Abwechslung einmal eine korrekte und sinnvolle Verwendung der Gelder, wenn man bedenkt, für welch unsinnige Dinge sonst oftmals große Summen sinnlos ausgegeben werden“, meint der für seine spitze Zunge bekannte Chef des Transitforums weiter.  Weiters wird das Land Tirol aufgefordert, eine Luftgütemessstelle an der A12 zu installieren, eine Reduktion der LKW-Ausnahmen am Zirler Berg durchzusetzen und im Idealfall eine Einhausung (ähnlich wie jene in Amras) in Betracht zu ziehen.

DIE GEDULD DER ZIRLER IST ENDENWOLLEND. Wie dringend Maßnahmen notwendig sind, zeigten die vielen Wortmeldungen der betroffenen Anwohner. Viele berichteten, dass ein gemütliches Beisammensein mit Familie und Freunden im hauseigenen Garten praktisch unmöglich geworden sei, da man stellenweise das Gefühl hat, dass die Autos direkt durch den Garten fahren. Manch einer würde gerne die für den Verkehr verantwortlichen Politiker des Landes zu einem Lokalaugenschein in seinem (lauten) Zuhause begrüßen. Kritisiert wurde seitens der Bevölkerung auch die maximale Breite der Zirler Nordumfahrung. „Die Straße ist breiter als die Landebahn des Flughafens, bevor die Steigung des Zirler Bergs beginnt, wird hier nochmals richtig Gas gegeben“, berichtet ein verärgerter Bürger und gibt einen Rückbau der Straße zu bedenken. Interessant auch die Einschätzung einer weiteren Anwohnerin: „Irgendwie skurril, aber am schönsten ist es derzeit, wenn sich auf den Straßen rund um Zirl ein Stau aufbaut. Das sind nämlich jene Momente, wo es hier am ruhigsten ist“.

Wolfgang Rives

Das Interesse an der Podiumsdiskussion war groß. Im Veranstaltungsraum des Zirler B4 blieb kein Platz unbesetzt. Einhelliger Tenor: „Es muss was getan werden!“ Foto: Wolfgang Rives
Zum hohen Verkehrsaufkommen rund um Zirl gesellen sich Tag für Tag auch noch unzählige „Mautflüchtlinge“, die quer durch die Gemeinde fahren. Foto: Wolfgang Rives

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