Zuwächse rechts der Mitte

Die Partei von Sebastian Kurz – im Bild mit RUNDSCHAU-Chef Kurt Egger und LH Günther Platter (v.l.) – hat im Bezirk Landeck das beste Ergebnis tirolweit eingefahren. RS-Foto: Schnöll

ÖVP klarer Sieger, FPÖ überholt SPÖ, Grüne schwer geschlagen, Neos überdurchschnittlich gut

 

Das Ergebnis der Nationalratswahl im Bezirk (ohne Wahlkarten) ist nur punktuell überraschend: Die ÖVP gewinnt klar, die SPÖ verliert nur leicht, die Grünen sind schwer geschlagen – Zugewinn-Kaiser ist die FPÖ, und die Neos schneiden überdurchschnittlich gut ab. Und: Das tirolweit deutlichste Ja zu Olympischen Winterspielen aus dem Bezirk Landeck hat nichts genützt.

 

Von Daniel Haueis

 

Benedikt Lentsch, Bezirksobmann der SPÖ, freut’s, dass seine Partei tirolweit zugelegt hat – im Bezirk weist das Wahlergebnis für die Sozialdemokraten ein kleines Minus aus (0,2% – in der Hälfte der 30 Gemeinden gab’s ein Plus). Da aber in der Partei im Bezirk „alles neu aufgestellt“ wurde, scheint Lentsch nicht sonderlich unzufrieden. Er schaue jedenfalls der Landtagswahl im Februar 2018 positiv entgegen.

 

TÜRKIS – TÜRKISER – LANDECK. Toni Mattle und seine ÖVP sind wieder einmal der klare Sieger im Bezirk: 47,04 Prozent sind der Topwert unter allen Tiroler Bezirken, mit plus 3,32 Prozentpunkten legten die Schwarzen bzw. Türkisen nochmals zu (ein Minus musste die ÖVP nur in neun Gemeinden hinnehmen). Es wurde auch ein höherer Stimmenanteil als im restlichen Wahlkreis (Reutte und Imst) geschafft, obwohl dort mit Liesi Pfurtscheller eine Nationalratsabgeordnete und mit Dominik Schrott ein Vorzugsstimmenwahlkämpfer angetreten sind. Geschafft wurde das Grundmandat – inoffiziell war am Montag zu erfahren, dass Schrott rund 4.600 Vorzugsstimmen erzielt haben soll und somit voraussichtlich in den Nationalrat einziehen wird.

 

FPÖ ÜBERHOLT SPÖ. Sieger in Sachen Zugewinn ist die FPÖ: Plus 5 Prozentpunkte sind mehr als die ÖVP (+3,32%) und die Neos (+3,00%) zulegen konnten. Und mit 21,51 Prozent wurden diesmal auch die Sozialdemokraten überholt – ein Minus wurde nur im Kaunertal eingefahren. „Der Weg stimmt, Landeck war ein schwieriges Pflaster … ich werde ihn fortsetzen“, kommentiert Bezirksobmann Mathias Venier das Ergebnis. Dass die FPÖ sogar Zugewinn-Kaiser im Bezirk ist, motiviere dazu, „dass wir noch mehr ‚laufen‘“, so Venier. Im Februar wird der Landtag gewählt, und der FP-Bezirksobmann aus Zams will im Land einen „konsequenten und konstruktiven Weg“ gehen.

 

DESASTER FÜR GRÜNE. Eine schwere Niederlage müssen die Grünen auch im Bezirk Landeck verdauen: 2,59 Prozent sind 7,37 Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren, es gab in allen 30 Gemeinden Verluste. Am Sonntagabend hoffte das Grünen-Aushängeschild im Bezirk LA GR Ahmet Demir noch, dass die Grünen bundesweit die 4-Prozent-Hürde schaffen (im Bezirk gelang dies nur in drei Gemeinden). „Es braucht einfach einen Neubeginn“, so Demir über seine Partei. „Besorgniserregend“ ist für ihn der „Rechtsruck“ bundesweit.

 

STARKE NEOS. Die Neos um Bezirkskoordinator Johannes Tilg aus Landeck können sich freuen: 5,91% sind mehr als im Wahlkreis, in Tirol und bundesweit geschafft wurden. Sie haben ihren Stimmenanteil seit 2013 mehr als verdoppelt (+3,00%). Bemerkenswert ist ein sogar zweistelliges Ergebnis in St. Anton : 11,81%. Tilgs Kommentar: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ Dies sei auch ein „Zeichen für Europa und die Landtagswahl“.

Peter Pilz gelang mit 2,26% das beste Ergebnis der „Neuen“ im Bezirk. „Gilt“ erreichte 0,74%, die KPÖ 0,49% (+0,06%), „Weiße“ 0,21% und FLÖ (mit zwei Kandidaten aus dem Bezirk) 0,14%.

 

 

Ja in Landeck kann Nein in Tirol nicht verhindern

(dgh) In Sachen Olympia-2026-Bewerbung war der Bezirk Landeck jener mit dem deutlichsten Ja: 65,34 Prozent sprachen sich dafür aus, lediglich in Schönwies gab’s keine Mehrheit. Die beiden Gemeinden mit dem höchsten Stimmenanteil Pro Olympiabewerbung in Tirol waren St. Anton mit 85,12 Prozent und Ischgl mit 83,36 Prozent. Das alles genügte aber nicht: 53,35 Prozent der Tiroler (ohne Stimmkarten) sprachen sich dagegen aus. „Die Bevölkerung hat eine Entscheidung getroffen, das ist zu akzeptieren. Diese Entscheidung pickt! Wir werden dem IOC kein Angebot für Olympische und Paralympische Winterspiele 2026 in Innsbruck/Tirol vorlegen“, sagte LH Günther Platter. „Schade, dass diese Chance nicht genützt werden kann“, kommentiert Toni Mattle das Nein – auf die Einkommensquelle Wintersport werde man im Bezirk besonders achten müssen.

 

Benedikt Lentsch: nur leichtes Minus, obwohl „alles neu aufgestellt“ wurde RS-Foto: Archiv
Die ÖVP unter Toni Mattle bewegt sich im Bezirk in Richtung absolute Mehrheit. RS-Foto: Archiv
Zuwachssieger Mathias Venier (FPÖ): Plus 5 Prozentpunkte schaffte keine andere Partei. RS-Foto: Archiv
Ahmet Demir von den Grünen: „Es braucht einfach einen Neubeginn.“ RS-Foto: Archiv
Johannes Tilg: Die Neos sind im Bezirk stärker als im Wahlkreis, in Tirol und in Österreich. RS-Foto: Archiv