Zwei drüber

Bgm. Helmut Mal (l.)l: hohes Immobilienpreisniveau in St. Anton durch Freizeitwohnsitze ausgelöst. Bgm. Peter Moritz (r.): Nachdem in den 1950er- bis 70er-Jahren viele abgewandert sind, wurden in den verlassenen Höfen Freizeitwohnsitze gegründet. RS-Fotos: Archiv

Zahl der Freizeitwohnsitze veröffentlicht

 

756 Freizeitwohnsitze gibt es im Bezirk Landeck. Fast die Hälfte davon befindet sich in St. Anton.

 

Von Daniel Haueis

 

Im Zuge der Novellierung des Tiroler Raumordnungsgesetzes im Jahr 2016 wurden vom Landtag die verpflichtende Bekanntgabe aller bestehenden Freizeitwohnsitze und die Veröffentlichung eines Freizeitwohnsitzverzeichnisses (auf www.tirol.gv.at/statistik) beschlossen – Stichtag war der 1. Juli 2017. „Bereits seit mehreren Jahren wird die Genehmigung von Freizeitwohnsitzen in Tirol äußerst restriktiv gehandhabt. So wurden in den letzten fünf Jahren bei insgesamt rund 6000 Widmungen lediglich 308 für neue Freizeitwohnsitze erteilt“, erklärt LR Johannes Tratter, u.a. für Raumordnung und Gemeinden zuständig. Es gibt Gemeinden, deren Freizeitwohnsitzbestand über die aktuell gebotene Grenze von acht Prozent hinausgeht. Dazu zählt St. Anton: 364 Freizeitwohnsitze bei 1884 Wohnungen entsprechen einem Anteil von 19,32 Prozent. Tratter relativiert aber: „Hierbei handelt es sich jedoch nicht um neue Widmungen, sondern um rechtmäßige Altbestände aus früheren Jahrzehnten. Die 8-Prozent-Grenze wurde nämlich erst im Zuge der TROG-Novelle 1997 gesetzlich normiert.“

 

„HINDERNIS FÜR EINHEIMISCHE“. Im Bezirk Landeck liegen laut Freizeitwohnsitzverzeichnis nur für Fendels und Spiss keine Daten vor. Die übrigen 28 Kommunen haben offensichtlich gemeldet – es gibt demnach 756 Freizeitwohnsitze. Nach Spitzenreiter St. Anton mit 364 folgen Landeck mit 91, Zams (64), Fließ (44), Kappl (27) sowie Pettneu und Pfunds (je 26). Über der 8-Prozent-Marke liegt neben St. Anton auch Kaunerberg (10,9 %). Bgm. Helmut Mall aus St. Anton scheint nicht begeistert vom großen Freizeitwohnsitz-Anteil in seiner Heimat: Dass St. Anton ein hohes Immobilienpreisniveau habe, sei durch die Freizeitwohnsitze ausgelöst. Immobilienbesitzer freuen sich wohl über derartige Wertsteigerungen, junge St. Antoner auf Wohnungs- oder Baugrundsuche wiederum leiden darunter – „ein Hindernis für Einheimische“, nennt das Bgm. Mall. In Kaunerberg ist der Anteil ebenfalls historisch gewachsen: Als in den 1950er- bis 70er-Jahren viele abgewandert sind, wurden in den verlassenen Höfen Freizeitwohnsitze begründet, weiß Bgm. Peter Moritz. Der Anteil von 10,9 Prozent resultiert aber auch aus der ohnehin geringen Anzahl an Wohnsitzen: 20 Freizeitwohnsitze bei 184 Wohnungen. Freizeitwohnsitze erhöhen in Kaunerberg auch die Grundpreise nicht – Bgm. Moritz gelingt es, günstiges Bauland anzubieten und so die Einwohnerzahl sogar zu steigern.